Nichts Aufgewärmtes!

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Tobias Kintzel

Mit dem amavi der Grimaldi-Brüder zieht ein ambitioniertes Gastronomie-Konzept in das Zentrum Alter Güterbahnhof – kurz ZAG – ein. Nach jahrelangem Leerstand ist die ehemalige Bahn-Immobilie mit erfolgtem Umbau damit nahezu voll belegt.

„Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt der Gastronom und ehemalige Basketballprofi Marco Grimaldi über das ZAG. „Der industrielle Charme ist genau das, was wir für das amavi gesucht haben.“ Außerdem böte die Immobilie der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen mbH (GWG) die notwendige Fläche im Innenbereich und mit den Parkplätzen sowie der guten Verkehrsanbindung auch die perfekte Infrastrukturanbindung. „Wir bieten auf etwa 450 Quadratmetern eine Kombination aus einem Restaurant, einer Lounge und einer Club-Lounge im Keller, die zusätzlich nochmal über dieselbe Fläche verfügt“, erklärt Nico Grimaldi, der gemeinsam mit seinem Bruder die Geschäfte führt.

Insgesamt gibt es etwa 180 Sitzplätze im Innen- und genauso viele im Außenbereich auf der vorgelagerten Terrasse, die noch entsteht. Kulinarisch gehen die Grimaldi-Brüder mit dem amavi neue Wege, Altbekanntes neu aufzuwärmen liegt ihnen nicht. „Die treffendste Überschrift ist Cross-over-Kitchen. Das amavi ist kein reiner Italiener. Wir bringen mit Köchen aus Italien, Afghanistan und Indien viele Einflüsse zusammen, kreieren ein neues Geschmackserlebnis“, so Nico Grimaldi. „Für die süßen Speisen und Kuchen haben wir einen Patissier aus Deutschland.“ Mit den Cocktails, die im Loungebereich angeboten werden, verfolgen die Brüder einen ähnlichen Ansatz. „Wir konzentrieren uns auch hier auf Qualität, nicht auf Quantität. Unsere Cocktails leben von hochwertigen Zutaten, vielen Früchten und besonderen Gewürzen“, fügt Marco Grimaldi hinzu. Beiden ist wichtig, mit dem amavi eine große Zielgruppe anzusprechen und für jeden etwas Passendes im Angebot zu haben: Speisen und Getränke für Studenten und Familien, aber auch einen Business-Lunch für Geschäftskunden aus der regionalen Wirtschaft.

Am Wochenende lädt die Club-Lounge im Keller unter der Probenbühne des Deutschen Theaters zum Ausgehen ein. Verbindendes Element des Gesamtkonzepts ist die industrielle Anmutung des Gebäudes, die gezielt erhalten wird. Der Blick auf die Backsteinmauern ist frei. Abhängungen kommen kaum zum Einsatz, damit Heizungs- und Lüftungsrohre sichtbar bleiben. Zu den ICE-Gleisen haben sie die Mauer geöffnet und ein Fenster eingebaut. „Ich würde den Stil des amavi als urbanen Retro- Chic bezeichnen“, sagt Marco Grimaldi begeistert. Über 70 Mitarbeiter von regionalen Handwerksbetrieben waren damit beschäftigt, den geplanten Eröffnungstermin im Dezember möglich zu machen. Auch die GWG ist mit dem Gesamtprojekt ,ZAG‘ voll im Plan: Seit dem Startschuss der Umbau- und Sanierungsarbeiten im Spätherbst des vergangenen Jahres wurden nahezu vier Millionen Euro in die ehemalige DBImmobilie investiert. Heute sind die Flächen in der Güterbahnhofsstraße fast vollständig belegt. Der Südteil des Gebäudeensembles, die frühere Warenumschlagshalle, beherbergt schon länger den Gebetsraum der Al- Taqwa-Gemeinde. Das Requisitenlager und die Probenbühne im Mittelteil wurden im Oktober an das Deutsche Theater übergeben.

Die nach den Umbauarbeiten im Bürogebäude zur Verfügung stehenden 1.100_ Quadratmeter Fläche sind nahezu vollständig vermietet: Die Architekten und beratenden Ingenieure archConcept gehören ebenso zu den Mietern wie die Rechtsanwälte Wegener, Köke, Fleischmann und eine Physiotherapie-Praxis. „Wir sind mit dem Fortschritt des gesamten Projekts sehr zufrieden. Der Standort ist spannend und hat noch viel zusätzliches Potenzial“, sagt GWG-Geschäftsführerin Ursula Haufe erfreut. Zu diesem gehören auch etwa 11.000_ Quadratmeter Fläche entlang der Bahnstrecke, die für eine weitere moderate Bebauung infrage kommen. „Mit dem amavi haben wir das bestmögliche Gastronomiekonzept für das ZAG gefunden. Gemeinsam werden wir das zu einem Erfolg führen. Da bin ich überzeugt. Wir werden dabei unterstützen und die gute Zusammenarbeit fortsetzen“, so Haufe.

Nicht nur deshalb soll noch eine Bepflanzung angelegt und die Außenbeleuchtung an die modernen Anforderungen angepasst werden. „Das war von Anfang Teamarbeit und hat sich die ganze Zeit über gut angefühlt. Die GWG als Vermieter, die Architekten und die Handwerker haben mit uns an einem Strang gezogen“, sagt Marco Grimaldi. 30_ bis 35 neue Arbeitsplätze entstehen mit dem amavi. „Im Fellini haben wir zurzeit 20 Angestellte, wir vergrößern uns also deutlich. Das ist aufregend und spannend“, sagt Marco Grimaldi, und sein Bruder ergänzt: „Wir sind eben eine Gastronomenfamilie, keine Investoren. Wir machen das mit Herz und Überzeugung, planen langfristig. Wir wollen das Lebenswerk unseres Vaters fortsetzen.“