“Neustädter Modell für Göttingen“ im Schuljahr 2011/2012

Text von: redaktion

Das Neustädter Modell in Göttingen ist auch in diesem Schuljahr erfolgreich angelaufen: 23 leistungsstarke Realschüler der 9. Klasse der Geschwister-Scholl-Gesamtschule und der Voigt-Realschule werden in den nächsten zwei Jahren neben dem allgemeinbildenden Unterricht zusätzlich am berufsbildenden Unterricht in der BBS 2 Göttingen teilnehmen.

Ziel des Modells ist es, die Schüler für gewerblich-technische Berufe zu begeistern und leistungsbereiten Jugendlichen bereits während der Schulzeit erste Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Dazu erhalten die Schüler in der 9. und 10. Jahrgangstufe zusätzlich zum allgemeinbildenden Unterricht in ihrer Realschule 16 Stunden pro Woche Unterricht in der BBS.

Die Unterrichtsinhalte der Realschule werden mit denen der berufsbildenden Schule aus dem Berufsbild des Industriemechanikers verzahnt. Einzelne Fächer der Realschule, wie beispielsweise Mathematik und Naturwissenschaften, werden sehr viel stärker auf die berufliche Praxis ausgerichtet. Zudem erhalten die Schüler durch zwei integrierte Betriebspraktika einen Einblick in die betriebliche Realität.

Doppelqualifizierung und berufliche Grundbildung

Durch die Doppelqualifizierung aus allgemeinbildenden und berufsbildenden Unterrichtsinhalten erhalten die Realschüler nach zwei Jahren nicht nur den Realschulabschluss, sondern zusätzlich eine berufliche Grundbildung, die einer Qualifizierung im ersten Ausbildungsjahr des Industriemechanikers entspricht. Diese Zusatzqualifikation wird den Jugendlichen durch ein gemeinsames Schulzeugnis, ein Portfolio über die metalltechnischen Kompetenzen und ein Zertifikat der IHK über die erfolgreiche Teilnahme am Schulprojekt bescheinigt. Über eine Anrechnung der während der beiden Jahre erworbenen beruflichen Grundbildung kann die Ausbildung zum Industriemechaniker in Abstimmung mit dem Ausbildungsbetrieb auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden. Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung werden den Jugendlichen weitere Qualifizierungsmöglichkeiten wie z.B. der Erwerb der Fachhochschulreife eröffnet.

Regionale Wirtschaft unterstützt mit Praktikumsplätzen

Diverse Ausbildungsbetriebe unterstützen das Projekt durch die Bereitstellung von Praktikumsplätzen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), die Krekeler & Losch GmbH & Co. KG, die Mahr GmbH, die Max-Planck-Institute in Göttingen, die Novelis Deutschland GmbH, die Sartorius AG, die Ferdinand Täfler GmbH & Co. KG, die Trinos Vakuum-System GmbH und die Carl Zeiss MicroImaging GmbH. begleiten das Schulprojekt angesichts des hohen Bedarfs an qualifizierten Facharbeitern im technischen Bereich. Das DLR sponsort in diesem Jahr die Arbeitskittel der Schüler. Die Arbeitsschuhe werden von der Novelis Deutschland GmbH zur Verfügung gestellt und die Mahr GmbH stellt die Werkstoffe für die Schüler bereit.

Auch die IHK-Geschäftsstelle Göttingen ist an der erfolgreichen Etablierung des Neustädter Modells maßgeblich beteiligt. „Wir danken den beteiligten Betrieben und Schulen für ihr bisheriges Engagement. Das Modell ist eine absolute Bereicherung für den Ausbildungsstandort Göttingen“, zeigt sich IHK-Geschäftsstellenleiter Martin Rudolph zufrieden mit dem speziellen Schulangebot in Göttingen.

Das Modell wird bereits seit 2007 in Neustadt am Rübenberge – woher es auch seinen Namen erhalten hat – erfolgreich durchgeführt und führt junge Menschen praxisorientiert an technische Berufe heran. Zudem lassen sich bei den teilnehmenden Schülern eine höhere Motivation, geringere Fehlzeiten, eine gestiegene Belastbarkeit, mehr Selbstständigkeit und klarere Berufsvorstellungen feststellen.