Neues Sommermärchen

Text von: Alexander Schlüter

Zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft stand Göttingen als Quartier im Mittelpunkt der Berichterstattung – mit erstaunlichen Effekten.

Wie schon vor fünf Jahren zur Männer- Weltmeisterschaft hatte es die WM-Quartier Göttingen GmbH um Geschäftsführer Lutz Renneberg in diesem Jahr geschafft, ein Stück WM-Flair nach Südniedersachsen zu holen – und dieses Mal sogar im Doppelpack.

Sowohl das mexikanische Team als auch die australische Auswahl entschieden sich, ihre komplette Vorbereitungsphase auf die Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Göttingen zu verbringen. Mit der Anreise der beiden Mannschaften sollte die beschauliche Universitätsstadt einen ungewohnten Platz im Fokus der weltweiten Öffentlichkeit einnehmen.

So wurde die australische Mannschaft während ihres kompletten Aufenthalts in Göttingen von einem eigenen Fernsehteam begleitet. Auch der mexikanische Medienkonzern Televisa hatte ein separates Team nach Südniedersachsen entsandt.

Und in den überregionalen Medien wurde das Göttinger WM-Quartier bundesweit mehrfach thematisiert. Artikel erschienen unter anderem im Focus, dem Tagesspiegel und in der Berliner Zeitung. „Der geschätzte Mediawert für die überregionale Berichterstattung liegt im sechsstelligen Bereich“, analysiert Lutz Renneberg.

Das überregionale Interesse nutzte er mit seinem Team für mehrere Events – etwa einen Sparkasse-Business-Talk, bei dem die Managerin des australischen Teams ihre Ansichten über die optimale Verknüpfung von Management und Sport präsentierte.

Die Highlights sollten jedoch die beiden Spiele der Nationalmannschaften gegen eine Regionalauswahl darstellen. „Es war toll zu sehen, wie die Spielerinnen und Verantwortlichen aus unterschiedlichsten Göttinger Mannschaften an diesen Tagen zusammen auftraten“, bilanziert Renneberg.

Vom WM-Boom wollte schließlich auch die Stadt Göttingen profitieren, wobei man auf ein bewährtes Serviceangebot zurückgreifen konnte, wie Angelika Daamen von Göttingen Tourismus e.V. verrät: „Viele Aktionen, die wir bereits zur Männer-WM erfolgreich durchgeführt hatten, wurden wiederholt, oftmals nur in einem etwas kleinerem Rahmen.“

Vor fünf Jahren hatte die Anreise der mexikanischen Nationalmannschaft für wahre Begeisterungsstürme in Göttingen gesorgt. Die Organisatoren des WM-Quartiers und die Stadt Göttingen waren schon damals gut auf die weit gereisten Besucher vorbereitet:

So entwarf die Tourist-Information binnen kürzester Zeit ein besonderes Serviceangebot für die mexikanischen Fans – angefangen bei speziellen Stadtführungen mit spanischsprachigen Guides über die Betreuung mexikanischer Busgruppen bis hin zur Sonderanfertigung des Internetauftritts in spanischer Sprache.

Auch der Einzelhandel reagierte auf die zu erwartenden Besucherströme aus Mittelamerika, etwa durch die Verlängerung der Öffnungszeiten oder die Aufnahme traditioneller mexikanischer Gerichte in die Speisekarten der städtischen Restaurants.

Nach dem großen Erfolg im Rahmen der Herren-Weltmeisterschaft war Lutz Renneberg klar, dass Göttingens WM-Quartier 2006 kein Einzelfall bleiben müsste: „Die Stadt hatte ihre Tauglichkeit als Quartier während eines sportlichen Großereignisses eindeutig unter Beweis gestellt. Mit dem Freizeit In verfügen wir über ein Hotel, das sämtlichen Ansprüchen genüge trägt, und auch die übrige Infrastruktur hat ihre Qualität gezeigt.“

Spätestens als die beiden Frauen-Nationalmannschaften ihr Quartier dieses Jahr mit durchweg positiven Stimmen wieder verließen, hatte sich Göttingen als Plattform für professionellen Fußballsport als geeignet erwiesen.

Und obwohl der Sommer noch nicht mal ganz vorbei ist, hat Lutz Renneberg bereits eine neue Mission im Visier: „Im nächsten Jahr finden bekanntlich die Olympischen Spiele in London statt. Ich denke, dass Deutschland – und speziell Göttingen – für Mannschaften, die in Europa eine längere Akklimatisierungsphase durchlaufen, eine äußerst interessante Option für ein Trainingslager darstellt.“

Es scheint also, als dürfte man sich in Göttingen bereits auf das nächste Sommermärchen freuen.