Neuer DT-Spielplan vorgestellt

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Text von: redaktion

Das Deutsche Theater stellte seinen Spielplan für die kommende Saison vor, der unter dem Motto „Erkennen“ steht. Der Intendant Mark Zurmühle sprach von einem 3-Jahres-Plan, in dem in der Folge das „Lernen“ und schließlich das „Handeln“ im Zentrum der Stücke stehen soll.

Neben elf Premieren erwarten die Theaterbesucher fünf Wiederaufnahmen, darunter das Musical „Der Mann von La Mancha“ von Dale Wassermann und Mitch Leigh, „Verbrennungen“ von Wajdi Mouawad und „Männerhort“ von Kristof Magnusson.

„Verantwortung“ wurde als übergreifendes Stichwort für die Spielzeit gewählt, denn viele Stücke zeigen die Verantwortungslosigkeit der Menschen, sich selbst gegenüber, ihren Partnern oder Kindern.

Am 29. September findet mit dem Stück „Der Kaufmann von Venedig“ die Eröffnungspremiere statt. Mit diesem Stück wird thematisch in das Motto der neuen Spielzeit eingeführt. Es ist eines der weniger populären Shakespeare-Stücke, das nicht die typische Shakespeare-Verrücktheit aufweise. „Es sei logisch, kalt und analysiert“, so Zurmühle. Gezeigt wird eine Gesellschaft, die durch das Streben nach Profit gekennzeichnet ist. Frauen greifen hier radikal in die Gesellschaft ein, wodurch sie den Männern suspekt werden. Und verändern Venedig.

Kritisch und ernst, aber nicht ohne Humor

In der Tragödie „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza werden die zwischenmenschlichen Beziehungen des Bürgertums vor den Augen des Zuschauers seziert. Die wechselseitige Ausübung von Macht und die Erduldung von Ohnmacht wird anhand einer alltäglichen Szene wie dem Kaffeetrinken zweier, durch den Zufall zusammengeführten Elternpaare gezeigt. Eltern werden als Menschen entlarvt, die ihrer Rolle als Erziehungsberechtigte nur annähernd gerecht werden können, wobei die Komik des Stückes in den Verhaltensweisen der Erwachsenen, nicht im Sprachwitz liege.

Ein weiteres Stück, das schonungslos die Gier des Einzelnen nach Leben, Geld und danach seinem Ego zu frönen, thematisiert, ist die „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ von Tennessee Williams. Die Analyse des menschlichen Wesens falle auch hier bitterböse aus und mache die Aktualität dieses Stückes aus, erklärt der DT-Intendant.

Das Stück „Mythos, Propaganda und Katastrophen in Nazi-Deutschland und dem heutigen Amerika“ des australischen Autors Stepehn Sewell wurde 2004 von der Australian Playwrights Guild als bestes australisches Stück ausgezeichnet. Es trägt kafkaeske Züge und gleitet am Ende ins Suggestive. Diskussionsträchtig ist es allemal.

Mit Brechts „Der gute Mensch von Sezuan“ wird die Frage nach der Verantwortung des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft in den Raum gestellt. Erzählt wird die Geschichte der Prostituierten Shen Te, die sich in den Augen der Götter als einziger guter Mensch erweist. Aber letztlich kann sie nur überleben, indem sie – verkleidet als Mann – rücksichtslos wird. Das Stück appelliert an den Zuschauer, sich trotz äußerer Zwänge die Menschlichkeit zu bewahren.

Das Stück „Die Heilige Johanna“ wird als Projekt nach einer Fassung von George Bernard Shaw im DT aufgeführt. Es thematisiert die – oft konsequenter als ihre männlichen Kollegen – mit Waffengewalt kämpfende Frau. Frauen, die sich entscheiden, Leben zu nehmen, und nicht zu geben, provozieren Verunsicherung. Die heilige Johanna als Hoffnungsträgerin einerseits und destruktives Element andererseits gibt Anlass zu Debatte, ob Gewalt in Gottes Namen legitim ist oder nicht.

Die ernsten Stücken der kommenden Spielzeit entbehren durchaus nicht der Komik, wenn auch in ihrer absurden Form, und fordern die Schauspielkunst des Göttinger Ensembles heraus, das um vier bis fünf weitere junge Schauspieler erweitert werden soll.