Neue Herzstücke

Text von: Yannick Lowin

Bessere Vernetzung, mehr Platz zum Arbeiten: Das kulturwissenschaftliche Zentrum und das Lern- und Studiengebäude der Uni sollen in 2012 fertig gestellt werden.

Die sprichwörtliche schwäbische Sparsamkeit kann man der Uni Göttingen im Moment nicht vorwerfen. Zumindest nicht in Sachen Gebäudemanagement.

Mittelpunkt der Göttinger Geisteswissenschaften

Vor allem das aktuell größte Bauprojekt der Universität wird dabei aber in großem Maße durch Mittel vom Bund und dem Land Niedersachsen gefördert. Etwa 25 Millionen Euro kostet das ‚Kulturwissenschaftliche Zentrum‘, das zwischen Goßlerstraße und Humboldtallee entsteht und die einzelnen Gebäude der Philosophischen Fakultät miteinander verbinden wird. Es soll zukünftig als Mittelpunkt der für ihre Fächervielfalt bekannten Göttinger Geisteswissenschaften fungieren. So wird ein Gros der über 70 Professuren an einem Ort konzentriert.

Von der Zusammenführung der über das Stadtgebiet verteilten Institute und Seminare am Hauptstandort der Philosophischen Fakultät im ‚alten Klinikum‘ erwarten die Verantwortlichen in erster Linie Synergie- und Rationalisierungseffekte: Die wissenschaftliche Vernetzung ermöglicht beispielsweise, Geschichte, Kultur und Sprachen Eurasiens und des Orients zu einem neuen Forschungsschwerpunkt zu entwickeln. Zudem soll auf diese Weise das geistes- und kulturwissenschaftliche Profil der einzigen Exzellenzuniversität im Norden weiter geschärft werden.

Idee der Vernetzung

Die Idee der Vernetzung schlägt sich dabei eins zu eins in der von einem Hamburger Architekturbüro entworfenen Gebäudestruktur nieder. Sie ermöglicht es, sowohl das Gebäude der Philosophischen Fakultät als auch den existierenden Bibliotheksanbau in einen Komplex zu integrieren.

Als innerer Verteiler und Treffpunkt dient eine Eingangshalle, die direkten Zugang zum Lehrbereich im Erdgeschoss, den Institutsflächen in den Obergeschossen und der vierstöckigen Gesamtbibliothek ermöglicht. Der 600.000 Bücher sowie etliche Film- und Tonträger beherbergende Lesetempel gilt als Herzstück des Zentrums, dessen Fertigstellung zum Jahresende 2012 geplant ist.

Zu diesem Zeitpunkt soll auch der Bau des sogenannten Lern- und Studienzentrums an der Weender Straße abgeschlossen sein. Die Arbeiten zum zweiten großen Bauvorhaben der Georg-August-Universität hatten sich verzögert, weil die Stadt Nachbesserungsbedarf in der Planung gesehen hatte. Von Seiten der Verwaltung wurde vor allem moniert, dass aufgrund der U-Form des Gebäudes das Unigelände abgeschlossen würde und das alte Reitstalltor hinter einer geschlossenen Fassade quasi verschwinde. Das überarbeitete Konzept sieht jetzt gläserne Außenwände in Richtung Osten und Westen vor, die einen freien Blick auf das Tor ermöglichen.

Zusätzliche Arbeitsräume

Das in Grautönen gehaltene Gebäude generiert mit den Fenstern der einzelnen Arbeitsräume eine Mosaikoptik, die an Bienenwaben im Schwarz-Weiß-Fernsehen erinnern. Insgesamt werden den Studierenden hier 750 Gruppen- und schalldichte Einzelarbeitsplätze zur Verfügung stehen, die mit Computern bzw. Whiteboards und zum Teil auch mit Smartboards sowie Beamern ausgestattet sind.

Die Notwendigkeit des Baus ergab sich aus dem zusätzlichen Bedarf an Arbeitsplätzen für Einzel- bzw. Gruppenarbeit auf dem Campusgelände, erklärt Christian Zigenhorn, studentischer Vorsitzender der erweiterten zentralen Kommission für Lehre und Studium: „An den bestehenden Plätzen in den Bibliotheken gibt es häufig Probleme zwischen diskutierenden Lerngruppen und Studierenden, die die Räumlichkeiten für Stillarbeit nutzen möchten.“

Die Kommission bearbeitet Vorschläge für die Verwendung der zentralen Studienbeiträge und musste ihre Zustimmung für das Projekt geben, da die Gesamtkosten von rund acht Millionen Euro für die Konstruktion plus 400.000 Euro jährlich für Unterhalt aus Studiengebühren finanziert werden.