Neue Erkenntnisse zur Lungenembolie

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Text von: redaktion

In Deutschland sterben etwa 40.000 Patienten im Jahr an den Folgen einer Lungenembolie. Eine Lungenembolie tritt auf, wenn sich ein Teil eines Blutgerinnsels (Thrombus) in einer Vene löst, in die Lunge wandert und dort Gefäße verstopft. Die häufigste Todesursache bei der Lungenembolie ist ein Versagen der rechten Herzkammer, die wegen einer verstopften Lungenarterie nicht richtig arbeitet.

Die Vielzahl unterschiedlicher Symptome sind eine große Herausforderung für die behandelnden Ärzte bei der Diagnosestellung und Einleitung einer passenden Therapie. Die Klinik für Kardiologie und Pneumologie am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat dazu europaweit die ‚PEITHO‘-Studie (Pulmonary Embolism Thrombolysis Study) initiiert. Sie liefert jetzt neue Erkenntnisse für die Behandlung von Patienten mit einer Lungenembolie. Mit Hilfe des Medikaments Tenekteplase, das Blutgerinnsel auflöst, können Lungenembolien schneller behandelt werden. Die Ergebnisse wurden im April 2014 in der renommierten Fachzeitschrift ‚New England Journal of Medicine‘ veröffentlicht.

Für die Studie wurden 1.006 Patienten aus 13 europäischen Ländern in 76 Studienzentren untersucht. Getestet wurde in zwei Gruppen. Die eine Gruppe bekam zusätzlich zur üblichen Behandlung mit Heparin das Medikament Tenekteplase. Tenekteplase hat eine Blutgerinnsel-auflösende Wirkung. Die andere Gruppe erhielt zum Heparin zusätzlich ein Placebopräparat. Mit Tenekteplase konnte nach sieben Tagen das Auftreten eines Kreislaufkollapses oder Tod um 56 Prozent gesenkt werden.

Die Ergebnisse der PEITHO-Studie zeigen, dass Patienten mit normalem Blutdruck bei jedoch klinischen Hinweisen für eine eingeschränkte Funktion der rechten Herzkammer von einer schnellen Thrombus-auflösenden Therapie profitieren. Die Wahl des Therapieverfahrens muss deshalb nach sorgfältiger Nutzen-Risiko- Abwägung durch den behandelnden Arzt erfolgen. Denn das schnelle Auflösen des Thrombus hatte seinen Preis: Es kam vermehrt zu Blutungen. Bei zwei Prozent der Patienten in der Tenekteplase-Gruppe traten Hirnblutungen auf. Deshalb ist es wichtig, vor einer thrombolytischen Therapie das Blutungsrisiko des Patienten abzuschätzen.

Zukünftige Studien werden deshalb darauf ausgerichtet sein, Patienten mit geringem Blutungsrisiko besser erkennen zu können. „Die Studienergebnisse tragen dazu bei, Patienten mit einer Lungenembolie gezielter behandeln zu können und die Behandlung an das Risiko des jeweiligen Patienten besser anzupassen“, sagt Gerd Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzentrums der UMG.

Mit 39 untersuchten Patienten ist Göttingen eines von zehn Zentren, die die meisten Patienten untersucht haben. Verantwortlich für die Studiendurchführung in Göttingen waren Stavros Konstantinides (jetzt: Centrum für Thrombose und Hämostase, Universitätsmedizin Mainz) und Claudia Dellas (Herzzentrum der UMG). Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom Französischen Ministerium für Gesundheit gefördert. Die Firma Boehringer Ingelheim hat die Studie finanziell unterstützt und die Studienmedikation zur Verfügung gestellt.