Neue Chancen fürs Handwerk durch Elektromobilität

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Text von: redaktion

Am Samstag, den 15.2.2014 lud die LEB in Niedersachsen e.V. zu einem Workshop zum Thema 'Elektromobilität und das südniedersächsische Handwerk'. Geladen waren Vertreter der Gewerke Elektro- und Kfz-Technik.

Es ging um den Stand der Vorbereitungen des Handwerks auf die Neuerungen, die die Elektromobilität mit sich bringt. Insgesamt, so das Fazit, ist die Situation zurzeit noch wesentlich durch Abwarten gekennzeichnet. Mit der zunehmenden Marktdurchdringung ergibt sich allerdings erhöhter Handlungsbedarf.

Den Rahmen der Veranstaltung bildete das Verbundprojekt ‚e-mobilität vorleben‘, das im Landkreis Göttingen die Ziele des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten ‚Schaufenster Elektromobilität‘ umsetzt.

Diskutiert wurden die Einschätzungen der betroffenen Handwerksgewerke zu möglichen Veränderungen ihrer Aufgaben und Berufsbilder. Dazu hatte die LEB den Status der Vorbereitungen in den Werkstätten und die Einschätzung zu möglichen Qualifizierungsbedarfen im Rahmen einer Kurzstudie erfragen lassen. Hansgeorg Klein, der Bearbeiter der Studie, stellte die Ergebnisse vor. Diese spiegeln ein differenziertes Bild wieder: Sie zeigen, dass die elektrotechnischen Betriebe sich gut vorbereitet fühlen, auch weil sie in den letzten Jahren schon reichlich Erfahrung im Bereich Solarthermie und Photovoltaik haben sammeln können. Das Engagement in den Kfz-Werkstätten ist dagegen bisher noch eher verhalten. Zwar gibt es insbesondere in Vertragswerkstätten schon technisch geschultes Personal, die freien Werkstätten sehen offenbar derzeit noch wenig Anlass, sich entsprechend zu engagieren. Dies wird zum einen auf den engen Personalstand und die hohen Investitionskosten zum andren aber auch auf die noch geringe Anzahl von E-Fahrzeugen auf dem Markt zurückgeführt. „Gerade für die freien Werkstätten, die nicht über die Kfz-Hersteller geschult werden, ist es notwendig, sich mit dem Thema markenunabhängige Qualifizierung auseinanderzusetzen“, fasste Waltraud Bruch-Krumbein von der LEB zusammen.

Thematisiert wurde aber auch, dass technisches Wissen allein nicht ausreicht. „Systemisches Verständnis und Wissen um die Schnittstellen verschiedener Gewerke werden zunehmend wichtiger“ stellte Henning Strieben von der Handwerkskammer Hildesheim- Südniedersachsen fest. Die zunehmende Komplexität wurde auch durch den Beitrag von Jörg Hausknecht, EAM unterstrichen, der über energietechnische Herausforderungen der erneuerbaren Energien und Smart Grid-Lösungen im Zusammenhang mit Elektromobilität referierte.

Außerdem stellen sich Fragen nach neuen Strategien des Kfz-Handwerks, denn Elektromobilität bedeutet auch weniger Verschleißteile und damit weniger herkömmlichen Reparaturbedarf. Ein Beispiel für ein neues Handlungsfeld zeigte Matthias Schmidt von MMS Concept, Osterode für den Zweiradbereich auf. Der Meister für Elektrotechnik / Energietechnik nimmt zusammen mit seiner Frau das Interesse der Motorradfahrer für Harztouren zum Anlass, Elektromotorräder im Tourismus einzusetzen. Er plädiert dafür, weniger auf die Politik und den Massenabsatz von Elektro-Fahrzeugen zu warten, sondern selbst aktiv zu werden und neue Felder aufzubauen. Teil seines Konzepts ist auch die Kooperation mit Zulieferern und Dienstleistern, so dass Win-Win-Situationen entstehen. MMS Concept ist ebenfalls ein Teilprojekt des Schaufensters Elektromobilität und bietet während der Projektlaufzeit geführte Motorradtouren besonders preisgünstig an.