Rio ist das Ziel

Text von: redaktion

Dreispringerin Neele Eckhardt setzt an zum großen Sprung. Und die Göttingerin hat einiges vor: Ganz oben auf ihrer Liste steht Olympia 2016 in Rio de Janeiro.

„Rio ist mein Ziel“

Neele Eckhardt, Göttingens Hoffnung für Olympia 2016, setzt an zum großen Sprung.

Interview: Yannick Lowin – Fotografie: Alciro Theodoro da Silva

Vor dem Treffen mit faktor war Neele Eckhardt mal wieder beim Physio­therapeuten. Im Februar hatten die Ärzte der 23-Jährigen einen Anriss der Patella-Sehne diagnostiziert. Die Saison 2015 war gelaufen, bevor sie richtig angefangen hatte. Erst Anfang August konnte die Dreispringerin wieder ins Training einsteigen. Die Leicht­athletik-WM in Peking hat sie deshalb nur im Fernsehen verfolgt. Wenige Stunden vor dem Interview-Termin fand das Dreisprung-Finale der Frauen statt.
Wie fühlt sich das an, den besten Dreispringerinnen der Welt zuzuschauen und nicht selbst dabei sein zu können?
Für mich ist das eine Motivation. Wenn ich mir das ansehe, weiß ich, wofür ich trainiere. Und eine Weltmeis­terschaft ist schon eine Hausnummer. Ich kann ja jetzt nicht sagen, ich wäre zu 100 Prozent dabei gewesen. Deswegen habe ich nicht das Gefühl, zu fehlen.

Nächstes Jahr finden die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro statt. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, dabei zu sein?
Rio ist das große Ziel. Für die Qualifikation (Norm: 14,25 Meter, Anm. d. Red.) werde ich meine Bestleistung von 13,98 Meter noch einmal deutlich steigern müssen. Aber bei dem Sprung zur Bestleistung habe ich 21 Zentimeter am Brett verschenkt. Das Potenzial zur Qualifikationsnorm hatte ich also schon 2014. Wenn ich gut trainiere und alles am Körper hält, dann ist es realistisch, dass ich mich für Rio qualifiziere.

Welche Rolle spielt der Standort für Sie als Spitzensportlerin?
Göttingen ist keine Leichtathletik-Hochburg. Das ist richtig. Mir wird hier aber viel ermöglicht. Ich kann im FIZ, dem Fitness- und Gesundheitszentrum der Uni Göttingen, trainieren, bekomme Athletiktraining im Rehazentrum Rainer Junge, und die Sparkasse Göttingen unterstützt mich mit 5.000 Euro Sponsoring im Jahr. Außerdem haben wir Leichtathleten mit dem Jahn-Stadion eine sehr schöne Anlage. Optimale Voraussetzungen gibt es hier per se zwar nicht, wenn man das mit anderen Standorten in Deutschland vergleicht. Aber ich konnte das Beste daraus machen.

Sie studieren Jura. Wie sieht es aus mit der Vereinbarkeit von Studium und Sport?
Ich arbeite sehr eng mit dem Geschäftsführer der Juristischen Fakultät zusammen. Der unterstützt mich in allen Belangen, die ich habe. Falls ich mal eine Prüfung verschieben müsste, dann wäre das kein Problem. Da habe ich wirklich viel Glück. Es ist nicht unbedingt Standard, dass von der Uni so viel Verständnis kommt. Bis jetzt war es aber noch nicht nötig, eine Prüfung zu verlegen.

Insgesamt also ganz gute Bedingungen für Sie. Werden wir Sie bald als Göttinger Leichtathletin bei einem Großereignis sehen?
Ich hoffe doch, ja. Vielleicht schon bei der Hallen-WM 2016 in Portland. Für Rio werde ich alles geben. Und im Juli gibt es noch die Europameisterschaften in Amsterdam.

Vielen Dank für das Gespräch.