Natürlich wohlfühlen

© Wohlwagen
Text von: Sebastian König

“Wohlwagen“ des Göttinger Designers Alex Borghorst als mobile Wohnalternative

In einer Wohnung komplett aus Holz am Ort der Wahl wohnen – mit dem Wohlwagen des Göttinger Designers Alex Borghorst wird dieser Traum Realität.

Warum seine Kreation den Namen Wohlwagen erhielt, wird schon beim Betreten deutlich. Denn zusätzlich zur Mobilität eines normalen Wohnwagens sind die Bewohner hier komplett von Holz umgeben. Die natürliche Ausstrahlung und Wärme sorgt automatisch für ein wohliges Gefühl der Gemütlichkeit. „Hier kann man richtig entspannen und den Alltag draußen lassen“, sagt Borghorst.

Die Idee

Die Idee für dieses natürliche Wohnen beschäftigt ihn seit der Jahrtausendwende. Zu Beginn hatten seine Überlegungen noch recht praktische Gründe. „Zu Studentenzeiten hatten wir einfach ein Zimmer zu wenig.“ Als der Wohngemeinschaft von einem vorbeiziehenden Wanderzirkus ein alter Transportwagen angeboten wurde, lag die Lösung auf der Hand.

Die Tüftler richteten den Wagen her und stellten ihn als viertes Zimmer im Garten auf. „Das war sozusagen der erste Wohlwagen, der mich bis heute durch die verschiedenen Gärten meines Lebens begleitet hat“, erzählt Borghorst. Dass er diesen Prototyp weiterentwickelte, lag hauptsächlich an den diversen Gästen, die den Wagen in der Folge bewohnten. „Alle waren begeistert von der Gemütlichkeit und wollten wissen, wo sie einen solchen Wagen kaufen könnten.“

Da gut erhaltene Wagen dieser Art Seltenheitswert haben, begann der Möbeldesigner kurzerhand, einen eigenen Entwurf zu zeichnen. Anschließend machte er sich auf die Suche nach einer Firma, die sowohl das Knowhow als auch das Interesse hatte, seinen Plan umzusetzen. Fündig wurde er in einer Zimmerei in Polen. „Die Menschen in Polen sind gegenüber mobilem Wohnen deutlich aufgeschlossener“, sagt Borghorst.

Die Firma stellte ein komplettes Team mit Fachleuten aus allen benötigten Gewerken zusammen und produzierte den ersten Wohlwagen Ende September 2007. Jetzt lief auch das Vermarktungskonzept mit ansprechender Internetseite und Präsenz in überregionalen Medien an. „Da die Gruppe der potenziellen Käufer sehr klein ist, mussten wir den Wagen deutschlandweit anbieten.“

Das Konzept ging auf.

Große Printmagazine und einige Fernsehsendungen berichteten, und so ließen die Käufer nicht lange auf sich warten. In den ersten drei Jahren hat Borghorst 15 Wohlwagen verkauft. Pro Jahr plant und produziert er acht Modelle. „Unsere Kapazitäten erweitern wir gerade auf circa 20 Wagen pro Jahr.“ Momentan ist er bis April 2012 ausgebucht.

Drei verschiedene Modelle sind im Angebot – mit 23, 28 oder 48 Quadratmetern Wohnfläche. Bei letzterem Modell handelt es sich um zwei Wagen, die miteinander verbunden werden. Beim kleinen und mittleren Modell ist die Wohnfläche aufgeteilt auf einen großen abgesenkten Mittelbereich, eine Küche, einen Schlaf- und Arbeitsraum sowie einen ausziehbaren Erker. Darin sind sowohl das Badezimmer – voll ausgestattet mit WC, Dusche und Waschbecken – als auch das Wohnzimmer untergebracht.

Bei der Inneneinrichtung verbindet sich die Funktionalität eines Wohnwagens mit der Eleganz eines Holzhauses. In der Ausstattung stehen die Wagen einer festen Wohnung in nichts nach. Die Küche bietet Gasherd sowie Kühlschrank und lässt sich auch mit Geschirrspüler oder Waschmaschine ausrüsten. Dazu gibt es Strom und fließend Wasser.

Zur Versorgung stehen zum einen Anschlüsse für das öffentliche Netz bereit. Zum anderen ist eine völlig autarke Versorgung über Regenwassertanks, Filtersysteme und Solaranlagen möglich. Natürlich sind alle Wagen individuell gestaltbar. „Wir versuchen, alle Wünsche umzusetzen.“

Die Preise liegen je nach Modell zwischen rund 40.000 und 75.000 Euro. Darin sind die komplette Ausstattung und die Anlieferung bereits enthalten. Für den Transport zum Standort sorgt ein Sattelschlepper. Soll der Wagen allein bewegt werden, ist lediglich eine Zugmaschine nötig. Hier gilt allerdings eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Die Anmeldung beim Straßenverkehrsamt oder Besuche beim TÜV sind nicht nötig. Der Wohlwagen muss lediglich wie ein normales Gartenhaus versichert werden.

Steht das Gefährt erst einmal, ist es sehr pflegeleicht. Einmal pro Jahr sollten die Elemente aus Lärchenholz frisch eingeölt werden, dann „hält der Wagen auch 100 Jahre“, verspricht Borghorst.

Durch die Mobilität sowie die individuellen Ausstattungsvarianten sind die Wagen vielfältig einsetzbar. Sie dienen als Gäste- oder Ferienhäuser, als Zusatzzimmer oder Büroräume. Darüber hinaus werden sie als Atelier oder Therapieraum genutzt. „Therapeuten haben festgestellt, dass sie die Menschen in den Wagen deutlich leichter aus dem Alltag herausbekommen“, sagt Borghorst.

Zudem planen Kunden ihren Wagen immer häufiger als Hauptwohnsitz. Auch Borghorst wird in Zukunft drei Wagen selbst bewohnen. Die Standorte lauten Göttingen, Nordeuropa und Andalusien. Am Mittelmeer plant er außerdem, einige Wagen als Ferienhäuser zu vermieten. So können künftige Kunden den Wohlwagen im Urlaub schon einmal testen. Wer den weiten Weg ans Mittelmeer scheut, kann den Wagen aber auch mitten in Göttingen begutachten.

Im Garten seines Hauses im Walkemühlenweg 14 stellt Borghorst den Wohlwagen gern vor. Besonders am Tag der offenen Tür am 8.Oktober von 10 bis 18 Uhr, an dem alle Interessenten willkommen sind.