Nah am Wasser gebaut

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Marisa Müller

Seit fast 80 Jahren fließen im Harz Wassermassen vom Rehberger Graben in eine Turbine der Firma Eckold und erzeugen Energie – ein altes Modell mit Zukunft.

Beim Werkzeuge- und Maschinenhersteller Eckold in Sankt Andreasberg war ein kluger Kopf seiner Zeit voraus. Die Lage war ideal, die Gegend weit ab vom Schuss – da lag es auf der Hand, Wasserkraft zur Energiegewinnung zu nutzen. Kurzerhand erwarb Gründer Walter Eckold vor rund 80 Jahren Wasserrechte, und seither versorgt eine Turbine das Unternehmen mit ‚grüner Energie‘ – schon lange vor der aktuellen Debatte über umweltschonende Maßnahmen und regenerative Energiequellen. Rainer Beyer (Foto), heutiger Geschäftsführer von Eckold und Vorstandsvorsitzender des MEKOM Regionalmanagements Osterode am Harz e.V., spricht im Interview über den eigenen Anteil und Veränderungen, die es zu akzeptieren gilt.

Herr Beyer, Deutschland und die Energiewende – ein Thema, über das heute ständig und überall geredet wird, auf der Suche nach Lösungen. Doch Sie wirken recht gelassen. Wie kommt das?

Wir brauchen nicht mehr suchen, denn wir leben die Energiewende bereits. Direkt aus dem UNESCO-Weltkulturerbe Oberharzer Wasserwirtschaft, aus dem Oderteich, fließt Wasser durch den Rehberger Graben zu uns. Vom Hang hinter der Firma fällt es über 30 Meter tief hinab und treibt so die Turbine an, die in unserem Nebengebäude steht. Wir sind stolz auf unsere ‚saubere Energie‘, und natürlich sparen wir auch Kosten ein – aber für uns ist das alles so normal…

So normal, dass kaum jemand davon weiß… Wieso ist das Thema so in Vergessenheit geraten?

Gute Frage – ich habe nie aktiv darüber nachgedacht. Vor rund 25 Jahren, als der Sohn des Firmengründers Gerd-Jürgen Eckold die Fäden in der Hand hatte, wusste jeder von unserer Turbine. Er war auch ein kluger Kopf und seiner Zeit definitiv einen gewaltigen Schritt voraus: Er nutzte die Turbine nicht nur zur Energiegewinnung, sondern auch damals bereits zur Imagepflege. Seit kurzen erläutern auch wir unseren Kunden wieder die Zusammenhänge zwischen Energiegewinnung, Weltkulturerbe und Historie des Harzes, und zeigen ihnen, was wir da für einen ,Schatz‘ beherbergen – das kommt tatsächlich gut an. Sie sind damit ein Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit.

Aber bringt Ihnen das tatsächlich auch Vorteile in Ihrer Branche?

Leider nicht. Ob wir ‚grüne‘ Werkzeuge herstellen oder normale, das macht für unsere Kunden keinen Unterschied. Aber vielleicht ändert sich das ja auch noch…

Eckold ist ein produzierender Betrieb, mit Kunden und Termindruck. Wie zuverlässig ist eine solche Turbine?

Unsere Art der Energiegewinnung ist äußerst zuverlässig. Ab und zu wird die Turbine gewartet, manchmal ein Teil ausgetauscht – aber an sich ist alles noch original und läuft rund. Naja, einmal im Jahr führt der Rehberger Graben vielleicht nicht genügend Wasser. Oder ein Baum blockiert den Fluss. Wenn die Turbine dann mal ausfällt, versorgt uns die Firma HarzEnergie ersatzweise.

Wäre Ihr ,Schatz‘ auch eine adäquate Lösung für andere Unternehmen im Harz?

Das ist leider nicht ganz so einfach. Natürlich ist Lage in direkter Wassernähe entscheidend. Und nicht überall können Firmen einfach so eine Turbine betreiben. Es müssen Wasserrechte erworben werden – das kann Nerven kosten, und nicht immer klappt es…

Was müsste sich denn in den Köpfen der Menschen ändern, damit ,grüne Energie‘ eine Chance hat?

Jeder muss seinen Beitrag leisten, aktiv oder passiv. Aber man kann nicht etwas wollen, ohne auch Veränderungen zu akzeptieren. Dass ein Windrad Geräusche macht, muss dann in Ordnung sein. Leider sind Veränderungen im Harz nicht sonderlich beliebt. Verbände und Politik müssten sich zusammensetzen, Öffentlichkeitsarbeit müsste her… Doch der Trend geht so oder so zur dezentralen Stromversorgung. Ich selbst liebäugele übrigens auch privat schon seit einer Weile mit einer kleinen Windkraftanlage für das Dach.

Dr. Rainer Beyer, Eckold GmbH & Co. KG, 37444 St. Andreasberg, Tel. 05582 802180, rbeyer@eckold.de, www.eckold.de