Nägel mit Köpfen

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Marco Böhme

Im Interview: Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender der Göttinger Sartorius AG, über seine persönliche Halbzeitbilanz zur ,Strategie 2020‘ und seinen Plan, am alten Standort nicht den ‚Schlüssel über den Zaun zu werfen‘.

Sartorius hat in den vergangenen fünf Jahren hier in Göttingen 800 neue Mitarbeiter hinzugewonnen. Das Unternehmen benötigt mehr Platz – wie ist der Stand beim Campus-Projekt?
Als wir begonnen haben, wollten wir 2020 umgezogen sein – zwischendurch haben wir einen Gang zugelegt und planen jetzt für 2018. Der größte einzelne Bauabschnitt, die Fertigung für Laborinstrumente, läuft gerade und ist weit fortgeschritten. Ein anderer, unser neues Eingangs- und Administrationsgebäude, ist gerade in der Startphase. Danach beginnt ab Mitte 2016 der letzte Baustein, das Gebäude für Marketing und Vertrieb inklusive Trainingsund Konferenzzentrum. Wir sind also gut unterwegs und freuen uns, dass wir das noch schneller als geplant umsetzen. Neben zusätzlichen Kapazitäten wird das auch ein großer Schritt in Richtung modernerer und flexiblerer Arbeitsabläufe sein.

Wie sieht das konkret aus?
Wir schaffen unterschiedliche räumliche Angebote für unterschiedliche Arbeitssituationen. Die Arbeit verändert sich. Wer mehr digitalisiert, braucht weniger Schränke. Wer viel im Homeoffice arbeitet oder reist, braucht kein Einzelbüro, das ohnehin meist leer stünde. Projektgruppen benötigen flexible Zonen für ihre Arbeit. Auch wird interne Arbeit zeitweise durch externe Kooperationspartner und Berater verstärkt, die dann sinnvoll untergebracht und eingebunden werden müssen. Immer wieder sind auch Mitarbeiter aus anderen Konzernstandorten da, manchmal für einige Tage, manchmal für Wochen oder Monate – auch hier brauchen wir flexible Angebote. Entsprechend werden wir künftig weniger Einzel- oder Zweierbüros haben, in offeneren Zonen arbeiten mit angrenzenden Projekträumen. Wir brauchen Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten genauso wie ,Hot Desks‘, die man nur mal kurz zwischen zwei Besprechungen aufsucht, um E-Mails zu bearbeiten. Auch das Mobiliar wird flexibler, beispielsweise werden alle Schreibtische höhenverstellbar sein, sodass man auf Knopfdruck zwischen sitzend und stehend arbeiten variieren kann. Der eigene Arbeitsplatz wird flexibler, die Zusammensetzung offener werden; es wird noch mehr Interaktion, Kommunikation und Bewegung entstehen.

Reichen die Flächen für weiteres Wachstum aus?
Nach 2018 sind dann noch zwei kleinere Restflächen verfügbar, die wir in absehbarer Zeit nutzen werden. Für das weitere Wachstum brauchen wir angrenzende Flächen und sind dazu mit der Stadt im Gespräch.

Neben dem Campus-Projekt ist das andere wichtige Projekt das Quartier, also der historische Standort in der Weender Landstraße. Was ist hier Ihr Ziel?
Wir arbeiten intensiv daran, eine attraktive, vielfältige Nachnutzung unseres bisherigen Hauptwerks zu definieren und geeignete neue Inhalte und Formate zu finden. Optimalerweise sollte der Transformationsprozess in diese Nachnutzung bereits beginnen, noch bevor wir ganz ausgezogen sind. Es soll erst gar keine Brache entstehen. Einig sind wir uns auch mit der Stadt, dass hier eine gemischte Nachnutzung wünschenswert wäre, zum Beispiel aus Bildung, Startups, Wohnen und vielleicht auch Gastronomie. Dadurch könnte in großer Übereinstimmung mit den Entwicklungszielen der Stadt auch ein wichtiger positiver Impuls in den Stadtteil hineingegeben werden. Bezüglich der Realisierung des Konzepts schauen wir uns derzeit noch verschiedene Architektenentwürfe an und reden mit möglichen Investoren. Wir hoffen, in den nächsten Monaten Nägel mit Köpfen machen zu können.

Das Gelände zu entwickeln ist ja nicht Ihr Tagesgeschäft. Warum engagieren Sie sich hier?
Weil wir demnächst seit 120 Jahren an diesem Standort arbeiten und ein großer Teil unserer Geschichte hier stattgefunden hat. Wir wollen deshalb sozusagen nicht den ‚Schlüssel über den Zaun werfen‘, sondern für eine gute und lebendige Nachnutzung sorgen.

Vielen Dank für das Gespräch! [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

Plan des Sartorius Campus: Die Erdarbeiten für das jüngste Bauprojekt – der neue Haupteingang und die mit Gängen verbundenen vier ,Finger‘ des neuen Administrationsgebäudes (vorne rechts) – stehen kurz vor dem Abschluss. Der Rohbau der neuen Laborinstrumentenfertigung und Metrologie (dahinter) steht bereits.

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