Nägel mit Köpfen

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Marco Böhme

Im Interview: Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender der Göttinger Sartorius AG, über seine persönliche Halbzeitbilanz zur ,Strategie 2020‘ und seinen Plan, am alten Standort nicht den ‚Schlüssel über den Zaun zu werfen‘.

Vor vier Jahren stellte der international führende Labor- und Prozesstechnologie- Anbieter Sartorius mithilfe des Strategieprojekts ,Sartorius 2020‘ die Weichen für die nächste Entwicklungsphase – viele eingreifende Veränderungen wurden geplant: die Weiterentwicklung zur Holding, die spartenübergreifende Verzahnung des Laborgeschäfts, diverse Bauprojekte sowie personelle Veränderungen auf allen Ebenen. Heute zieht Konzernchef Joachim Kreuzburg ein erstes Zwischenfazit.

Wir sprachen im Frühjahr 2012 im Rahmen unseres Titelthemas über die Unternehmensstrategie 2020 von Sartorius. Wie zufrieden sind Sie zur Halbzeit?
Wir sind insgesamt sehr zufrieden, vor allem mit unserem organischen Wachstum, also dem Wachstum aus eigener Kraft. Insbesondere Nordamerika hat sich hervorragend entwickelt und steht inzwischen für mehr als ein Drittel vom Konzernumsatz. Da haben sich unsere Investitionen in den Vertrieb ausgezahlt. Auch Asien entwickelt sich gut, wo wir unsere Positionierung in wichtigen Zukunftsmärkten verbessert haben, zum Beispiel durch die Eröffnung eines Applikationszentrums in Shanghai. Ein weiteres Highlight ist natürlich auch der Ausbau unseres Campus in Göttingen, also die Zusammenlegung unserer Aktivitäten hier am Standort.

Wo stehen Sie jetzt vier Jahre nach Beginn?
Wir sind ungefähr auf der Hälfte der Strecke. Beim organischen Wachstum und insbesondere bei der Profitabilität liegen wir ein Stück vor unserem Plan. Etwas anders ist es bei den Zukäufen: Hier waren wir zwar mit sechs Akquisitionen seit 2011 durchaus aktiv, haben aber eher kleinere und mittelgroße Unternehmen erworben. Ohnehin ist aber für uns das organische Wachstum noch wichtiger als das durch Akquisitionen, da es in der Regel weniger kapitalintensiv und auch risikoärmer ist

Gibt es Entwicklungen, die Sie so nicht erwartet hätten?
Eine Zahl hat mich neulich selbst überrascht. Wir haben jetzt weltweit über 6.000 Mitarbeiter. Diese Tatsache an sich fand ich natürlich nicht überraschend, aber von diesen 6.000 Menschen waren 3.000 Personen in 2010 noch nicht im Unternehmen; sie sind über Neueinstellungen und Akquisitionen dazugekommen. Dass die Hälfte unserer Mitarbeiter weniger als fünf Jahre bei Sartorius ist, finde ich bemerkenswert. Wir haben also viele sehr erfahrene Leute, sind aber gleichzeitig auch ein junges Unternehmen.

Wie haben Sie es geschafft, diese 3.000 Mitarbeiter zu integrieren?
Wir haben eine Unternehmenskultur, in die Menschen, die dazu passen, sich schnell integrieren können. Ich erlebe immer viel Hilfsbereitschaft, aber auch Offenheit, wenn es um die Integration von neuen Mitarbeitern geht. Außerdem ist Sartorius von der Größe her noch einigermaßen übersichtlich, was dabei sicher zuträglich ist. Schwieriger als vor fünf Jahren ist heute gleichzeitig aber in einigen Disziplinen das Finden der richtig qualifizierten Mitarbeiter, zum Beispiel in der IT. Hier dauert die Besetzung einer Spezialistenposition durchschnittlich neun Monate – das ist schon sehr lang. Da macht sich natürlich bemerkbar, dass die Arbeitslosigkeit in der Region nur noch bei sechs Prozent liegt und nicht mehr bei zehn wie noch vor einigen Jahren. Das Rekrutieren wird zunehmend eine Herausforderung.

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