Nachwachsende Rohstoffe für die Industrie

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Text von: Redaktion

Die Landesinitiative Life Sciences Niedersachsen – BioRegioN und Solvay, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik hatten für Mittwoch, den 9. Juli 2008, zum gemeinsamen Austausch auf den 6. Niedersächsischen Life Science-Tag in das Solvay Congress Center nach Hannover eingeladen.

Gemeinsam gingen die Besucher anhand von Vorträgen und einer Podiumsdiskussion der Frage auf den Grund, inwieweit nachwachsende Rohstoffe die herkömmlich verwendeten Stoffe für chemische und pharmazeutische Prozesse in der Industrie ersetzen können.

Thomas Wagner, BioRegioN, zeigte den Besuchern anhand seines Vortrages, dass die Life Science Branche in Niedersachsen aufgrund zahlreicher erfolgreicher Projekte in den letzten Jahren vor allem in den Kompetenzfeldern der Pharma-Biotechnologie und BioMedizintechnik deutliche Vorsprünge im regionalen Vergleich habe herausarbeiten können. „Die klare Fokussierung auf die inhaltlichen Stärken und vor allem die vernetzte, interdisziplinäre und überregionale Zusammenarbeit der Akteure miteinander, werden Niedersachsens Biotechnologie in den nächsten Jahren kräftigen Aufwind geben“, so Thomas Wagner.

Frank Schneider, der Vorsitzende der Geschäftsführung der SOLVAY GmbH griff die momentane politische Diskussion um Biotechnologie auf und unterstrich: „Dort, wo wir die Syntheseleistung der Natur am intelligentesten nutzen, bringen Nachwachsende Rohstoffe am meisten. Diese als reinen Brennstoff zu sehen, ist deutlich zu kurz gedacht. Großindustriell eingesetzt werden unter anderem biotechnologische Verfahren zur Herstellung von Vitaminen und Waschmittel-Enzymen. Diese Verfahren führen gleichzeitig auch zu Einsparungen fossiler Rohstoffe.“

„Doch auch die Nutzung Nachwachsender Rohstoffe erfordert viel Energie“, unterstrich Frank Schneider. Entscheidend für die Entwicklung neuer Einsatzfelder und die tatsächliche industrielle Verwendung seien daher wettbewerbsfähige Energiepreise, so Schneider weiter. Die neue europäische Emissionshandelsrichtlinie sieht aber vor, ab 2013 die Kohlendioxid-Emissionszertifikate zu versteigern, wodurch die Chemische Industrie in Deutschland, nach Schätzungen des europäischen Chemieverbandes, jährlich mit 1,8 Milliarden belastet werde. „Die derzeitige Politik, Energie in Europa künstlich zu verteuern erzwingt daher förmlich das Abwandern energieintensiver Branchen wie der Stahl-, Papier- und Chemie Industrie in Länder mit günstigeren Energiepreisen – allen voran China. Damit verschließen wir uns auch den Zugang zu neuen Einsatzfeldern nachwachsender Rohstoffe“, erklärt Schneider

Auf der anschließenden Podiumsdiskussion kristallisierte sich klar die hohe gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Relevanz heraus, die die Biotechnologie und der Einsatz regenerativer Rohstoffe in der Industrie heute bereits besitzen. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass die Nutzung von Energiepflanzen in ihrer breiten Vielfalt, noch immer einen großen Forschungsbedarf aufweist.