Nachruf auf Max Näder

© Otto Bock
Text von: redaktion

Der Seniorchef der Otto Bock Firmengruppe, Max Näder, ist am Freitag, 24. Juli, im Alter von 94 Jahren verstorben. Der Trauergottesdienst für den Ehrenbürger Duderstadts findet am 31. Juli statt.

Der Betrieb der Otto Bock HealthCare und der Otto Bock Kunststoff am Standort Duderstadt ruht an diesem Tag. In der Rollstuhlproduktion im thüringischen Königsee, seiner Heimat, stehen die Maschinen still. Und in den weltweiten Vertriebs- und Servicestandorten von Otto Bock wird eine Gedenkstunde abgehalten.

Demut vor der Schöpfung, Achtung für die Menschen und Liebe zur Heimat zeichneten Näder Zeit seines Lebens aus:

1935 bewirbt er sich bei Otto Bock, der ihm eine Ausbildung zum Orthopädiemechaniker und Industriekaufmann ermöglicht. Acht Jahre später heiratet Näder dessen Tochter Maria und gründet 1946 gemeinsam mit ihr in Duderstadt das Auslieferungslager Nord.

Die Produktion in der Fabrikhalle 20 am Euzenberg läuft 1947 an – das Fundament für den Erfolg des heutigen Weltunternehmens.

Firmengründer Otto Bock stirbt 1953 im Alter von 64 Jahren. Noch im selben Jahr wird die Otto Bock Kunststoff gegründet und fünf Jahre später folgt von Näder die Gründung der ersten Otto Bock Auslandsgesellschaft in den USA – der Start für die erfolgreiche Internationalisierung des Unternehmens.

1962 wird der Grundstein für den Neubau in der Duderstädter Industriestraße gelegt. Dort entstehen verschiedene Bauabschnitte für die Orthopädische Industrie und die Geschäftsführung Kunststoffproduktion. 1969 feiert die Familie Näder Richtfest für das Verwaltungsgebäude.

Mit zwei grundlegenden Erfindungen, der Myoelektrik für Armprothesen und dem Modularsystem für Beinprothesen, beginnt der Aufschwung in den 60er- und 70er-Jahren.

Für seine Verdienste erhielt Max Näder viele Ehrungen und Auszeichnungen: So wurde ihm 1985 die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Berlin verliehen, im gleichen Jahr die Georg-Hohmann-Plakette der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie und schließlich 1994 das große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

1987 gründet Max Näder die Otto Bock Stiftung, die sich die Förderung der Technischen Orthopädie und der interdisziplinären Zusammenarbeit durch Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte, Therapeuten und Orthopädiemechaniker verschreibt.

Nach der Hochwasserkatastrophe 2002 in Ostdeutschland erweitert die Stiftung ihre Ziele um „Tätigkeiten im mildtätigen Bereich“ und organisiert Hilfs- und Spendenaktionen unter anderem nach dem Tsunami 2004 und dem verheerenden Erdbeben 2008 in China.

1990 übernimmt sein 1961 geborener Sohn Hans Georg Näder mit 28 Jahren die Leitung des Familienunternehmens und führt es im Sinne seines Vaters und Großvaters weiter.

Zwei Jahre später kauft die Familie den nach dem Zweiten Weltkrieg enteigneten Stammsitz in Königsee zurück und baut dort die Rollstuhlfertigung auf.

2009 – 90 Jahre nach der Gründung des Unternehmens – schließt sich ein weiterer Kreis in der Firmen- und Familiengeschichte: Otto Bock kehrt zu seinen Wurzeln zurück und eröffnet in Berlin das Science Center Medizintechnik.

Der Erfolg und die weltweite Anerkennung des Unternehmens, dem er sein Leben gewidmet hat, erfüllten Max Näder mit Stolz. Bis zur letzten Stunde seines Lebens waren ihm das Wohl des Unternehmens und der Mitarbeiter, die Bedürfnisse der Menschen mit Handicap und die Zufriedenheit der Kunden eine Herzensangelegenheit.

Er war ein Mensch, der sein Unternehmen mit Mut und Weitsicht zum Erfolg brachte.