MPS begleitet neue Ära der Marsforschung

© NASA/JPL-Caltech
Text von: redaktion

An der NASA-Mission Mars Science Laboratory nehmen auch Wissenschaftler des Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) im niedersächsischen Katlenburg-Lindau teil. Sie suchen im Marsgestein nach organischen Verbindungen und Wasser.

Wenn der Mars-Rover Curiosity am Montag, 6. August 2012, um 7.31 Uhr (MESZ) auf dem roten Planeten aufsetzt, beginnt eine neue Ära der Marsforschung.

Mit einem Gewicht von 900 Kilogramm und zehn wissenschaftlichen Instrumenten an Bord ist Curiosity nicht nur das größte, sondern auch das leistungsfähigste wissenschaftliche Labor, das jemals auf unserem Nachbarplaneten gelandet ist.

Zu den Wissenschaftlern, die an der Mission Mars Science Laboratory der amerikanischen Weltraumagentur NASA teilnehmen, zählen auch Forscher des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau. Sie wollen dem Planeten in zweifacher Hinsicht auf den Grund gehen: Neben der Suche nach organischen Verbindungen im Marsboden interessieren sie sich vor allem für Zusammensetzung und Beschaffenheit des Gesteins.

Obwohl der Mars der meistbesuchte Planet ist, birgt er noch immer zahlreiche Rätsel:

Enthält der Marsboden kohlenstoffhaltige organische Substanzen, die als Grundbausteine des Lebens verstanden werden? Gibt es Hinweise auf bakterielle Aktivitäten? Welche Prozesse haben das heutige Gesicht des Mars geformt? Und welche Rolle spielte dabei das Wasser, das noch heute als Eis im Boden schlummert? „Der Gale Krater, in dem Curiosity landen soll, ist ein perfekter Ausgangspunkt, um diesen Fragen nachzugehen“, urteilt Walter Goetz vom MPS, der als Mitglied des Wissenschaftsteams an der Mission teilnimmt.

Goetz wird in erster Linie Messdaten der Kamera Mars Hand Lens Imager (MAHLI) nutzen. Das Instrument ermöglicht es, einzelne Sandkörner des Marsbodens unter die Lupe zu nehmen. „Größe, Form, Farbe und mineralogischer Zusammensetzung der Partikel lassen Rückschlüsse zu, wie sich das Terrain in den vergangenen Milliarden Jahren entwickelt hat“, erklärt der Geologe, der die Mission in den nächsten drei Monaten am Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena (Kalifornien), dem Sitz des Kontrollzentrums der Mission, begleiten wird.

Ergänzend setzt der MPS-Wissenschaftler auf Messdaten des Spektrometers Chemistry and Mineralogy (CheMin), das die Bodenproben mit Hilfe von Röntgenstrahlung untersucht.

Vom MPS aus unterstützt zudem Fred Goesmann die Mission. Der Physiker ist als Wissenschaftler am Instrument Sample Analysis at Mars (SAM) beteiligt. „SAM ist kein einzelnes Instrument, sondern vielmehr ein komplexes, automatisiertes Labor“, beschreibt der Forscher.

Eine ausgeklügelte Abfolge von Sieben, Öfen, Spektrometern und weiteren Messgeräten erlaubt es, Gas- und Bodenproben umfassend zu analysieren. Hauptaufgabe des 38 Kilogramm schweren Komplexes ist es dabei, nach organischen Verbindungen zu suchen. „Sollte es einst Leben auf dem Mars gegeben haben, müsste es Spuren dieser Art hinterlassen haben“, erklärt Goesmann.

Das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung war seit 1996 an fünf Marsmissionen der amerikanischen und europäischen Weltraumbehörden beteiligt. Vor vier Jahren spielte das Institut eine maßgebliche Rolle bei der Landemission Phoenix der NASA. Die Kamera an Bord, der erstmals Aufnahmen gefrorenen Wasers im Marsboden gelangen, hatten Wissenschaftler und Ingenieure des MPS entwickelt und gebaut.

Für die geplante Mission ExoMars der ESA entwickeln Wissenschaftler des MPS derzeit ein Instrument, dass organische Moleküle auf der Marsoberfläche untersuchen soll.