Modernes Infogebäude am Harzhorn eingeweiht

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Text von: redaktion

Am 28. und 29. Juni stand das römisch-germanische Schlachtfeld am Harzhorn einmal mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Weniger das archäologisch erforschte Schlachtfeld, als das am Originalschauplatz entstandene Harzhorngebäude. Am Samstag fand zunächst die offizielle Einweihung statt, bevor die Gebäudekubatur am Sonntag als ein Beispiel herausragender Architektur beim diesjährigen ꞌTag der Architekturꞌ zahlreiche Besucher anlockte.

Innerhalb eines knappen Jahres wurde in der freien Landschaft ein archäologisches Schlachtfeld verkehrlich und baulich über das Informationsgebäude und auch den Informationspfad im Gelände erschlossen. „Wir haben ein Fenster in die Vergangenheit geöffnet“, so Landrat Michael Wickmann in seiner Ansprache.

Die Kosten für die gesamte Maßnahme belaufen sich aktuell auf rund 905.000 Euro. Enthalten in den Kosten sind 43.000 Euro für die Vorplanung, 130.000 Euro für den Straßenbau inklusive Buswendeschleife sowie 100.000 Euro für den circa 650 m langen Informationspfad, der sich im Gelände über den historischen Schauplatz des antiken Geschehens erstreckt.

Eine besondere Herausforderung war nach den Worten von Landrat Michael Wickmann, der die zahlreich erschienenen Gäste begrüßte, eine wirtschaftlich vertretbare Lösung zur eigenständigen Ver- und Entsorgung des Gebäudes mit Wasser und Strom zu finden. So wird das Gebäude beinahe völlig autark betrieben. Erreicht wird dies unter anderem durch den Einbau einer Kleinkläranlage zur Entsorgung der Abwässer, einer 18 Kubikmeter fassende Regenwasserzisterne, die insbesondere auch zur Sicher-stellung der Löschwasserversorgung installiert wurde. Strom und Wärme liefert ein mit Flüssiggas betriebenes Blockheizkraftwerk, welches in Zukunft durch eine Photovoltaikanlage ergänzt werden soll. Es sei so gelungen, die Betriebskosten zu verringern und auch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Das Harzhorngebäude ist Bestandteil des Konzeptes zur touristischen Erschließung des Harzhorns. Wesentlich sind dabei die von den zertifizierten Harzhornguides durchgeführten Gästeführungen. Daneben bietet auch der mit Informationsstelen und Sitzbänken ausgestattete Info-Pfad dem Besucher eine weitere Möglichkeit sich über das dramatische Geschehen am Harzhorn zu informieren. Da im Gelände keine Spuren der antiken Schlacht mehr sichtbar sind, wurde zusätzlich eine interaktive HarzhornApp, die über QR-Codes auf den Info-Stellen abrufbar ist, erstellt. Mithilfe dieser zeitgemäßen Präsentation ist es möglich, weitere interessante archäologische Informationen vor Ort zu erhalten. Texte, Bilder, Ton-spuren und Filmsequenzen sollen das Interesse für das herausragende Kultur-denkmal fördern und zu einer spannenden Zeitreise einladen.

Einen besonderen Dank richtete Landrat Wickmann an alle Mitarbeiter, Handwerker und tatkräftigen Mitstreiter, die sich für die schwierige Umsetzung dieses anspruchsvollen Bauvorhabens eingebracht haben. „Ich danke all jenen, die sich für das Harzhornprojekt engagieren“, so Landrat Michael Wickmann, der darauf verwies, dass dieses Engagement auch weiterhin nötig sei. So wären mit der Einweihung des Infogebäudes die Arbeiten am Harzhornprojekt noch lange nicht abgeschlossen. Gemeinsam mit der ꞌArbeitsgruppe Harzhornꞌ, der Stadt Bad Gandersheim und der Gemeinde Kalefeld sowie den Harzhornguides und den Grundstückseigentümern müssten jetzt Überlegungen angestellt und Lösungen gefunden werden, wie das Projekt künftig betrieben werden soll.

Erstmals gehisst wurden im Rahmen der Einweihung auch die drei Harzhorn-Fahnen, die an exponierter Stelle von weitem sichtbar auf den 1.700 Jahre alten Originalschauplatz hinweisen sollen.

Die symbolische Schlüsselübergabe nahm Architekt Tim Grimme vom Büro K 17 Steingräber.architekten, der für die Harzhornarchitektur verantwortlich zeichnet, vor. Landrat Michael Wickmann reichte den Schlüssel an die Harzhorn-Guides weiter, schließlich würden diese das Gebäude künftig im Rahmen der touristischen Führungen nutzen.

Stefan Winghart, der Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, bezeichnete das Harzhorn als bedeutende historische Stätte und zeigte sich überzeugt, dass Harzhorn werde als Modellfall für moderne Schlachtfeldarchäologie sicher bundesweit für Aufmerksamkeit sorgen. „Die kühne Architektur setzt Maßstäbe und zeichnet einen Weg vor, den Archäologie in Deutschland künftig hoffentlich insgesamt einschlagen wird“, so Dr. Stefan Winghart. Weitere Informationen und Termine gibt es auch auf der Homepage www.roemerschlachtamharzhorn.de.