Mobile ,Chromjuwelen‘ aus allen Epochen

© Fotostudio Grundmeyer
Text von: redaktion

2014 eröffnet die Kulturstiftung Kornhaus den PS.SPEICHER in Einbeck – eine moderne und interaktive Automobilsammlung.

„Ich konnte mir früher kein Auto leisten, und mein erstes Motorrad habe ich mir neben Schule und Studium erarbeitet“, erklärt der Kaufmann Karl-Heinz Rehkopf seine Liebe zu motorisierten Zwei-, Dreiund Vierrädern.

„Die Treue nicht nur zu Menschen, sondern auch zu Gegenständen, bewirkte am Ende, dass sich daraus im Laufe von Jahrzehnten eine mich immer noch täglich aufs Neue faszinierende Sammlung entwickelte.“

„Das Depot befindet sich in einer denkmalgeschützten ehemaligen Tapetenfabrik“, erläutert Alexander Kloss, Pressesprecher der Kulturstiftung Kornhaus, während er durch die Magazinräume führt.

Dicht aneinander reihen sich hier die „Chromjuwelen“: Ob Roller, BMW-Sammlung oder eine alte Münch mit Automobilmotor – hier finden sich Zwei-, Drei- und Vierräder aller Typen und Epochen.

Die im Jahr 2009 gegründete Kulturstiftung Kornhaus verfolgt als wichtigsten Satzungszweck, die Sammlung für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ausgewählte Stücke aus diesem großen Fundus sollen ab 2014 in einer modernen und interaktiven Ausstellung, dem PS.SPEICHER in Einbeck, dauerhaft Besucher faszinieren. Um die Freude an seiner Sammlung mit anderen Technikbegeisterten teilen zu können, sei dies die logische und sinnvolle Konsequenz.

„Und wenn nicht jetzt, wann sonst!“, meint Rehkopf, der sich selbst lieber im Hintergrund hält. Die Wahl des zukünftigen Ausstellungsstandortes bestätigt die Leidenschaft des aus Einbeck stammenden Stifters für alte Dinge: Er kaufte hierfür einen denkmalgeschützten Kornspeicher (S. 125, Foto unten) von 1898, „der sonst wahrscheinlich irgendwann verfallen wäre“, so Kloss.

Der Denkmalschutz ist das zweite Hauptziel der Kulturstiftung. Bei der grundlegenden Restaurierung wird auf den Erhalt des alten Charmes ebenso viel Wert gelegt wie auf die Einführung modernster Technik.

Die großen, lichtdurchfluteten Räume mit den Eisenfenstern und dem Verteilsys tem, durch das einst das Korn transportiert wurde, und der hohle Siloturm bieten ein einmaliges Ambiente.

Noch befindet sich alles im Umbau, überall arbeiten Handwerker, und die riesigen Kabel für die geplanten Installationen und sonstige Technik liegen frei.

„Jede Woche sieht es hier anders aus“, erzählt auch Monika Marchlewska. Sie ist zuständig für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit der Kulturstiftung und begeistert von dem stetigen Fortschritt.

Wie das Ganze einmal aussehen soll, zeigt bereits jetzt eine 3-D-Animation.

Das Konzept entstand in Zusammenarbeit der Kulturstiftung Kornhaus mit der Agentur ö_konzept aus Zwickau. Vorgesehen ist eine ‚Erlebnisausstellung zum Thema individuelle Mobilität‘ auf einer Fläche von rund 4.000 Quadratmetern, die nicht nur Fahrzeugliebhaber, sondern auch Familien ansprechen soll.

Im Zentrum steht die eigentliche Ausstellung, die sich über sechs Etagen zieht.

Die verschiedenen Säle, in denen jeweils sowohl auf gesellschaftliche als auch auf Mobilitätsaspekte eingegangen wird, erhalten alle einen eigenen Charakter.

So findet sich der Besucher mal in einer Szenerie am Ostseestrand wieder, mal in einer Milchbar der 1950er Jahre oder in einer Diskothek der 1970er.

In einem separat zugänglichen Bereich wird zudem die Geschichte des Kornspeichers erzählt. Ein mit modernster Technik ausgestatteter Saal für Veranstaltungen aller Art wird bis zu 200 Personen fassen.

„Die gesamte Ausstellung ist bereits bis zur letzten Präsentationstafel durchgeplant“, so Marchlewska. Ein kurzer Film über die geplante Ausstellung weckt schon jetzt die Neugier künftiger Besucher. Die Ausstellung selbst lebt dabei von der Qualität der Exponate, von denen etwa 250 aus der Gesamtsammlung in der Dauerausstellung zu sehen sein werden.

„Wir möchten spannende Geschichten erzählen“, erläutert Alexander Kloss. So werde der erste Vorführwagen von Carl Benz direkt neben einer Pferdekutsche präsentiert, die der Käufer des Wagens aufgrund des fehlenden Vertrauens in die neue Technik sicherheitshalber zusätzlich erwarb.

Auch der vermutlich erste Strafzettel der Welt wird zu sehen sein. Zudem sollen wichtige Themen wie Grenzen, Zukunft und Gefahren der Mobilität angesprochen werden.

In Sonderausstellungen sollen künftig weitere Sammlungsstücke präsentiert werden; Ideen schweben Kloss bereits vor: „Vielleicht zu Themen wie ‚Rennfahrzeuge‘ oder ‚Vom Bobbycar zum Rollator‘.“

In einer späteren Phase soll die Ausstellung um die Kleinwagensammlung des ehemaligen Museums Störy ergänzt werden. Die Kulturstiftung Kornhaus hat bereits viele Kooperationspartner gewonnen.

„Die Idee wurde sehr gut in Einbeck aufgenommen, wir erhalten viel Rückenwind“, sagt Kloss.

So werde eng mit den Stadtwerken Einbecks und der Berufsbildenden Schule zusammengearbeitet – hier seien beispielsweise Führungen geplant.

Auch sonst legt die Kulturstiftung viel Wert auf regionale Einbindung. Für die Führung des groß angelegten Gastronomiebereiches mit Außen- und Innenterrasse für jeweils 120 Gäste werden derzeit intensive Gespräche mit einem Gastronomen aus der Region geführt.

Zudem wird die traditionsreiche Ilmebahn auf dem Areal einen Haltepunkt errichten, wofür die bereits vorhandene Schienenstrecke für den Personenverkehr wieder aktiviert werden soll. Das Konzept ist für die Region Erfolg versprechend. Mit den Bauarbeiten sind vor allem lokale und regionale Firmen betraut worden.

„Zukünftig werden im PS.SPEICHER und dessen Umfeld etwa 60 Arbeitsplätze geschaffen“, so Kloss. Um die Besucher unterbringen zu können, sei darüber hinaus ein Stadthotel mit 60 Doppelzimmern geplant. „Der Tourismus in der gesamten Region wird durch das Projekt angeregt.“