Mittelmaß ist nicht genug

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Text von: redaktion

Die Veröffentlichung der Studie ICILS 2013 zur computer- und informationsbezogenen Kompetenz von Schülerinnen und Schülern der achten Jahrgangsstufe in Deutschland am 20. November stützt die Forderung des IT InnovationsClusters Göttingen/Südniedersachsen nach mehr Informatikunterricht an Schulen in Niedersachsen.

Die Studie bescheinigt den deutschen Schulkindern im internationalen Vergleich mittelmäßige Kompetenzen im Umgang mit dem Computer. Fast 30 % der Schülerinnen und Schüler erreichen maximal die zweite von fünf Kompetenzstufen und haben damit eindeutig unzureichende Computerkenntnisse. Außerdem liegt der Anteil derjenigen mit Fähigkeiten der höchsten Kompetenzstufe 5 mit 1,5 % noch deutlich unter dem ohnehin sehr niedrigen internationalen Durchschnitt von 2 %.

Ursächlich für dieses Abschneiden sind zum einen die mittelmäßige IT-Ausstattung in den Schulen, die zudem häufig als überaltert angesehen wird, und zum anderen die im internationalen Vergleich zu seltene Verwendung von Computern im Unterricht. Neben vielen anderen haben Eckart Modrow, verantwortlich für die Fachdidaktik am Institut für Informatik der Georg-August-Universität Göttingen, und der IT InnovationsCluster Göttingen/ Südniedersachsen die Niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt bereits im Sommer wiederholt in Briefen auf die mangelnde Verankerung des Fachs Informatik in der Schule aufmerksam gemacht und sich für die Einführung eines Pflichtfachs Informatik an Gymnasien im Rahmen der Wiedereinführung des G9 eingesetzt.

Aufgrund fehlender Lehrkräfte wurden jedoch alle etwaigen Pläne zur Einführung zu Gunsten anderer Fächer aufgegeben, wie uns das Kultusministerium in einem Antwortschreiben bestätigt hat. Dem entgegnet Herr Modrow: „Die fehlenden Lehrkräfte sind angesichts der wenigen vorgesehenen Stunden ein problematisches Argument. Zwar müssen dringend mehr Informatiklehrer ausgebildet werden, aber ohne Informatikunterricht am Gymnasium bleibt das Interesse bei den Studieninteressierten gering. Die Schulpolitik muss dieses schon lange bestehende Henne-Ei-Problem endlich durchbrechen, Informatikunterricht in geringem Umfang ließe sich heute bereits realisieren. Die vorgesehenen Stundentafeln des neuen G9 vergeben die Chance auf eine zeitgemäße Allgemeinbildung und die Verbesserung der Chancengleichheit gerade für Mädchen.“

Mit den Ergebnissen der Studie dürfe sich die Politik nicht zufrieden geben, weil sie der Bedeutung der Informationstechnologie für immer weitere Lebensbereiche in Zeiten fortschreitender Digitalisierung nicht gerecht werde. Aber insbesondere auch, weil es nicht vereinbar sei mit den formulierten Zielen der Hightech-Strategie der Bundesregierung.

Der unter dem Stichwort Industrie 4.0 angestrebte Aufbau einer vollständig digitalisierten Industrieproduktion sei keine ausschließliche Aufgabe der Errichtung technischer Systeme sondern fordere im gleichen Zug die Qualifizierung heutiger und künftiger Arbeitnehmer.

Andreas Redeker, Netzwerkmanager des IT Clusters führt dazu aus: „Die IT-Branche ist eindeutig eine Wachstumsbranche mit einem stark steigenden Bedarf an gut qualifizierten Fachkräften nicht nur in den IT-Unternehmen sondern gerade auch in der Fertigungsindustrie. In der Schule werden bereits die Grundlagen dafür gelegt, junge Menschen für eine Karriere in der IT zu befähigen.“