Mit wenig Einsatz viel bewegen

Text von: Stefan Liebig

Arbeitsbedingte Beschwerden müssen nicht sein. Praxisbeispiele aus unserer Region zeigen die Möglichkeiten auf.

„Jeder Gang macht schlank“ – eine alte Volksweisheit, die bei den überwiegend sitzenden Tätigkeiten in vielen Berufszweigen aktueller denn je erscheint.

Mit dem Auto zur Arbeit, dem Fahrstuhl in die Büroetage und dann den ganzen Tag vor dem PC oder Kaffee trinkend in Meetings – so sieht für viele der Arbeitsalltag aus. Wenn der Stress überhandnimmt, bleibt häufig nicht mal Zeit für eine richtige Mahlzeit, geschweige denn für genügend Bewegung.

Entspricht dann der Arbeitsplatz auch ergonomisch nicht den Anforderungen, stehen Körper und Seele unter Dauerstress.

Die Folgen sind vielfältig und reichen von Nackenschmerzen bis Migräne, von Nervosität bis Schlaflosigkeit. Am Ende dieser Überlastung stehen oftmals ernsthafte Beschwerden und die Krankmeldung.

Doch so weit muss es nicht kommen. Für die Schaffung eines gesunden Arbeitsplatzes bündelten Olaf Ringeisen, Inhaber der Malerwerkstatt Ringeisen, und Roy Kühne, Inhaber des gleichnamigen Gesundheitszentrums, in der Allianz „gesund & sauber“ ihre Kompetenzen: Durch die Kombination von Farbwirkung und Optimierung der Arbeitsplatzergonomie bieten sie die Grundlage für eine nachhaltige Leistungserhaltung der Mitarbeiter.

„Wer zum Beispiel viel im Stress ist, sollte aggressive Rot- und Orangetöne meiden. Beruhigend wirken blau oder grün. Sie erzeugen im Unterbewusstsein ein Gefühl von Ruhe und ermöglichen Konzentration“, sagt Ringeisen.

Betrachtet man das Thema „Arbeitsplatzergonomie“, sind es oftmals kleine Veränderungen, die den Alltag erleichtern.

Zu Beginn stehen die Bedürfnisse und Anforderungen der Mitarbeiter im Mittelpunkt. Es folgt eine Bestandsaufnahme der Arbeitsplatzbedingungen, aus der verschiedene Umsetzungsschritte entwickelt werden. „Manchmal reicht es schon, den Stuhl anders einzustellen oder das Telefon auf die andere Seite des Schreibtisches zu stellen“, sagt Kühne. Weitergehende Schritte werden sorgfältig geplant und ausführlich mit allen Beteiligten besprochen.

Wichtig sei es beispielsweise bei sehr monotonen Arbeiten, Umstellungen und Umorganisierunge vorzunehmen. Die richtigen Bewegungen und Körperhaltungen dürfe man dabei allerdings nie aus dem Auge verlieren – auch dazu werden Hinweise und Tipps gegeben.

Die Kombination aus Aktivität, richtiger Haltung und idealer Sitzposition am Arbeitsplatz steht auch für Kai Haselmeyer im Fokus. In seiner Chiropraxis Göttingen möchte er vor allem „die Gesundheit im Körper aktivieren und verstärken“.

Ein wichtiger Punkt dabei ist die Ausrichtung des Körpers über die Korrektur der Wirbelsäule. Denn schon harmlos erscheinende kleine Traumata im Kindesalter können zur Verschiebung einzelner Wirbel führen. Im Laufe der Jahre verfestigen sich Fehlhaltungen oder entwickeln sich unterschiedliche Beinlängen, die durch einen Beckenschiefstand verursacht werden.

„Alle Körperfunktionen können durch solche Fehlstellungen beeinträchtigt werden“, erklärt Haselmeyer, der neben dieser Haltungsregulierung viel Bewegung und die richtige ergonomische Ausrüstung am Arbeitsplatz empfiehlt. Durch diese könnten viele Verspannungen und chronische Reizungen verhindert werden. „Das fängt beim richtigen Schreibtischstuhl an – er sollte eine bewegliche Sitzund Rückenfläche haben – und geht bis zur Einstellung der richtigen Monitorhöhe“, fasst der Chiropraktor zusammen.

Kommt es dennoch zu Beschwerden, sollte nicht versucht werden, diese durch Medikamente zu beseitigen. Auch durch Sport allein lassen sich einmal entstandene Fehlstellungen nicht korrigieren. Vielmehr komme es laut Haselmeyer darauf an, die Ursachen zu erkennen und beispielsweise mit seinen Methoden der sanften Chiropraktik zu beheben. Entspannung und Bewegung seien natürlich auch wichtig, um das Wohlbefinden zu steigern.

Ein Aspekt der auch für Andreas Haberlach im Zentrum seiner Arbeit steht. Mit seinem großen Trainernetzwerk verfügt er über bundesweite Angebote für Coaching, Entspannung und Bewegung. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit solcher Angebote stellt für ihn den Ansatzpunkt dar: „Ein Unternehmen ändert sich ständig. Meistens ist es den Chefs im Alltagsstress nicht möglich, den Überblick über alle Veränderungen zu behalten. Wir helfen ihnen mit einer externen Analyse und dem passenden Angebot“, erklärt Haberlach.

Die passgenaue Lösung zu finden, ist seine große Motivation – seine Praxiserfahrung ist sein großer Vorteil. So kann er 1:1-Coachings anbieten, bei denen Ernährung und Herz-Kreislauftraining auf die Zielperson abgestimmt werden, aber auch Rückenschulen für kleine Gruppen bis hin zu Betriebssportgruppen von Konzernen. Das richtige Umfeld und eine stressfreie Terminierung sind für den Trainer dabei unerlässlich: „Entspannung auf Befehl geht nicht!“

Wenn zusätzlich auch noch Kontinuität erreicht wird, dann machen die Gänge zu den Trainings nicht nur schlank, sondern steigern das Wohlbefinden tatsächlich nachhaltig.

Zunächst ist damit natürlich das Ziel der Arbeitgeber erreicht, nicht vergessen darf man aber, dass sich der Arbeitnehmer in der Freizeit und später im Ruhestand einfach wohler fühlt.

Praktische Tipps…

…zur Förderung der physischen Aktivität am Büroarbeitsplatz sind:

  • Häufig benutze Arbeitsmittel (z.B. Aktenordner) aus dem Greifraum entfernen.
  • Aktiv und dynamisch sitzen, d.h. öfter mal die Sitzposition wechseln.
  • Wenn Sitz-Steh-Möbel vorhanden sind, diese auch benutzen.
  • Stehpult für alles nutzen, was nicht die sitzende Haltung erfordert.
  • Kurze Meetings, Post lesen oder telefonieren: grundsätzlich im Stehen.
  • Dinge selbst holen, statt mitbringen zu lassen.
  • Kleine Bürogymnastik für zwischendurch am Schreibtisch machen, z.B. Finger dehnen, Schulter rollen, Arme ausschütteln, Dehn- und Streckübungen.
  • Innerbetrieblich nicht alles per EMail oder Telefon erledigen, sondern Kollegen persönlich kontaktieren.
  • Drucker aus dem eigenen Büro auslagern.
  • Drehen Sie in der Mittagspause eine Runde an der frischen Luft!