Mit vereinten Kräften

© Evangelisches Krankenhaus Göttingen Weende
Text von: Stefan Liebig

Über den Preis der Übernahme vereinbarten die Vertragspartner Stillschweigen, die Ziele hingegen unterliegen nicht der Geheimhaltung. Die angestrebten Synergieeffekte im medizinischen Bereich machen die Verschmelzung von dem seit zehn Jahren auf Wachstumskurs steuernden Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende (EKW) und dem Göttinger Traditionskrankenhaus Neu-Mariahilf (Fotos oben, v.l.n.r.) leicht nachvollziehbar.

„Unsere Schwerpunkte und unsere Stärken, unter anderem in der Notfallmedizin und in der Urologie, werden durch die gynäkologischen, orthopädischen und gefäßmedizinischen Schwerpunkte von Neu-Mariahilf sinnvoll ergänzt. So können wir uns gemeinsam noch breiter aufstellen“, erklärt Professor Michael Karaus, medizinischer Geschäftsführer des Weender Krankenhauses, die Motivation zur Übernahme, die im März 2014 in Kraft trat.

Vorausgegangen war dieser ‚gefühltfreundlichen Übernahme‘, wie Karaus sie bezeichnet, ein Verhandlungsmarathon, der Ende 2012 begonnen hatte. Das seit Jahren unter der Hildesheimer Ordensgemeinschaft der Vinzentinerinnen defizitär wirtschaftende Neu-Mariahilf hatte sich damals gegen ein Investitionsprogramm in großem Umfang und für einen Verkauf des Krankenhauses am Waldweg entschlossen. Trotz der notwendigen finanziellen Mittel im zweistelligen Millionenbereich für die erforderlichen Sanierungen und Modernisierungen sah das EKW am Standort Neu-Mariahilf große Entwicklungschancen.

„An unserem Standort Weende investieren wir seit vielen Jahren in eine erfolgreiche Zukunftspositionierung. Mit Neu-Mariahilf erschließen wir neue Gebiete, die wir in Weende nicht realisieren können, die unser Portfolio aber nachhaltig erweitern“, sagt der Klinikleiter. In den nächsten Jahren werden die Stationen von Neu-Mariahilf von 20 Betten auf etwa 40 aufgestockt, um wirtschaftlich betrieben werden zu können. Die Operationssäle erfahren eine umfassende Modernisierung. Die Leistungsvielfalt der verschiedenen Fachärzte der Ärztehäuser im Waldweg und das Know-how des Weender Krankenhauses bieten Neu-Mariahilf die nötigen Voraussetzungen, um künftig rentabel betrieben werden zu können. Bis Ende 2015 – so Karaus’ Ziel – sollen die Weichen gestellt sein, um die beiden Krankenhäuser zu einer gGmbH zu fusionieren und so den Bürokratieaufwand weiter zu reduzieren.

Die 250 Arbeitskräfte in Neu- Mariahilf, unter ihnen sind 50 Ärzte, wissen nun, dass es weitergeht und müssen nicht um ihre Arbeitsplätze bangen. Ein eventueller Tausch des Arbeitsplatzes zwischen den Standorten sei zwar in Einzelfällen möglich, aber ein Abbau von Arbeitsplätzen betriebsbedingt nicht vorgesehen, so Karaus. Die große Akzeptanz unter den Bediensteten in Neu-Mariahilf, die die „jahrelange Ungewissheit“ leid waren, bestätigt der Professor in der Umsetzung dieses Großprojektes.

Darüber hinaus stehen auch am Standort Weende große neue Projekte auf dem Plan: Bis 2017 sollen die Fachbereiche des Standortes Lenglern auf das Weender Gelände übersiedeln, und ein Parkhaus befindet sich in Planung. Ob auch weitere Zukäufe geplant sind? „In den nächsten Jahren sicher nicht. Aber man sollte niemals nie sagen“, sagt Karaus mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen.