Mit Leib und Seele

Text von: Berti Kolbow

Sebastian Koeppel möchte als neuer BJU-Vorsitzender die Wahrnehmung von familiengeführten Unternehmen stärken.

Dem BJU anzugehören, bedeutet, Familienunternehmer mit Leib und Seele zu sein“, erklärt Sebastian Koeppel. Der 31-Jährige hat kürzlich den Vorsitz übernommen im Regionalkreis Südniedersachsen des Verbandes „Die jungen Unternehmer – BJU“ (ehemals Bundesverband Junger Unternehmer).

Die bundesweit agierende Interessensvertretung von Familien- und Eigentümerunternehmern bis 40 Jahre tritt für eine wettbewerbsorientierte Marktwirtschaft mit möglichst wenig Staat ein – unter dem Strich also für optimale Rahmenbedingungen für Existenzgründer oder Unternehmensnachfolger.

Nachdem auf regionaler Ebene in den vergangenen Jahren vor allem interne Aufbauarbeit geleistet wurde, sollen die Verbandsziele unter Sebastian Koeppel nun stärker nach außen getragen werden.„Eine wichtige Aufgabe muss es sein, dass wir die Wahrnehmung von Familienunternehmen in der Öffentlichkeit stärken“, erklärt der Mitgeschäftsführer des Fruchtsaftherstellers beckers bester mit Stammsitz im Nörten-Hardenberger Ortsteil Lütgenrode.

Deren Bedeutung werde immer noch unterschätzt. „Unsere 1.500 Mitglieds-unternehmen beschäftigen 180.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Jahresumsatz von 28 Milliarden Euro“, nennt Koeppel das wichtigste Pfund, mit dem er und seine Mitstreiter wuchern wollen. Um dynamischer agieren zu können, wird die BJU-Arbeit künftig auf mehr Schultern als zuvor verteilt und das Führungsteam des Regional-kreises auf sechs Köpfe verdoppelt (siehe Übersicht).

Die größere Manpower soll dazu genutzt werden, die regionale Öffentlichkeit im Allgemeinen und politische Multiplikatoren im Besonderen in Gesprächen und auf Veranstaltungen für die Belange der Jungunternehmer zu sensibilisieren. „Unter anderem ist angedacht, unter Schülern und Studierenden intensiver für Familienunternehmen als Arbeitgeber zu werben und den Hochschulabsolventen das selbständige Unternehmertum näher zu bringen“, schildert Koeppel.

Der neue Regionalchef wünscht sich zudem eine engere Bindung an die Landes- und Bundesarbeit des BJU. Er selbst gehört aktuell der „Kommission Wirtschaftspolitik“ auf Bundesebene an. Außerdem soll ein professionelleres Mitgliedermanagement die Zahl der regionalen Anhänger stabilisieren und ausbauen. Damit hatte bereits Koeppels Vorgänger, der Göttinger Galerist Christoph Langer, begonnen.

Diesem war es in den vergangenen drei Jahren gelungen, den südniedersächsischen BJU zu beleben und einen regen Zulauf anzukurbeln. Derzeit gibt es 38 BJUler im Regionalkreis. „Die damaligen Mitglieder traten zwar innerlich für die gleichen Ziele ein, kannten sich aber untereinander zum Teil gar nicht“, erinnert sich Christoph Langer. Problematisch für das Verbandsklima war zudem lange Zeit die natürliche Fluktuation. Über 40-Jährige wechseln automatisch in die Dachorganisation „Die Familienunternehmer – ASU“. Aus diesem Grund legte auch Langer nun sein Amt jüngst nieder.

Trotz dieser strukturellen Besonderheit sei unter Langer die Binnenkommunikation intensiviert worden – über die berufliche Sphäre hinaus. „Bei uns entstehen inzwischen Freundschaften, es geht nicht in erster Linie um Geschäftskontakte“, erklärt Sebastian Koeppel, der den Begriff „Netzwerk“ im Fall des südniedersächsischen BJU für zu utilitaristisch und daher für zu kurz gegriffen empfindet. Koeppel möchte eigenen Angaben zufolge die Arbeit seines Vorgängers in diesem Sinne fortsetzen. Als Langers Stellvertreter hatte er sich zuletzt um die Pressearbeit des Regionalkreises gekümmert.

„Wenn etwas gut läuft, sollte man es nicht wesentlich verändern, nur weil die Person an der Spitze wechselt – das ist eine Erfahrung aus meiner bisherigen Unternehmertätigkeit. „Er selbst habe von der integrativen Atmosphäre und dem Erfahrungsaustausch mit anderen Jungunternehmern profitiert, als er im Jahr 2005 nach Südniedersachsen kam, berichtet Koeppel. Der Fruchtsaftfabrikant ist ein klassischer Familienunternehmer, stammt allerdings nicht aus der Region.

Geboren ist der Neffe der beckers-bester-Eigentümer Ernst und Karl-Otto Becker in Frankfurt/Main, aufgewachsen in Wolfsburg. Studiert hat er Betriebswirtschaftslehre in Berlin und Würzburg. Anschließend führte sein Weg über die beckers-bester-Standorte Eisleben (Sachsen-Anhalt) und Freinsheim (Rheinland-Pfalz) nach Lütgenrode, wo er nun das Unternehmen mit seinem Onkel Ernst Becker leitet. Der Eintritt ins 240 Mitarbeiter zählende Familienunternehmen hatte sich lange abgezeichnet.

„Schon als Jugendlicher habe ich in den Ferien an fast allen Maschinen gearbeitet und fand die gesamte Herstellung faszinierend“, erklärt der junge Geschäftsführer, der aus Verbundenheit zur Branche als Beiratsmitglied im Verband der deutschen Fruchtsaftindustrie fungiert. In seiner Freizeit interessiert sich der seit einem Jahr verheiratete Koeppel für Golf und die Bundesliga-Fußballer des VfL Wolfs-burg und ist begeisterter Hörbuch-Fan.

Im Unternehmen beckers bester steht Sebastian Koeppel für einen sich abzeichnenden Generationenwechsel in der Unternehmensleitung. Bei BJU-Anhängern ist das keine ungewöhnliche Situation. Die Nachfolgeproblematik aber auch andere Themen sind daher häufig Gegenstand von Veranstaltungen, die – zugeschnitten auf Jungunternehmer – Wissenswertes und Fertigkeiten vermitteln. Der persönliche Erfahrungsaustausch in lockerer Runde spielt ebenfalls eine sehr große Rolle.

Die BJU-Mitgliedschaft ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Angehörige sind Inhaber oder Gesellschafter eines Unternehmens, haben mindestens zehn Beschäftigte oder eine Million Euro Jahresumsatz. Freiberufler und andere Interessenten, die diese Bedingungen nicht erfüllen, werden nur in begrenzter Zahl je Regionalkreis akzeptiert. „Es kommt auf den Einzelfall an. Entscheidend ist, dass die Chemie stimmt“, sagt der Vorsitzende. Wer im Herzen ein junger Familienunternehmer ist, ist beim BJU Südniedersachsen stets willkommen.