Meine Wand

© Alciro Theodoro Da Silva
Text von: Frank Bertram

Sebastian Stahl setzt mit seiner Website für ausgesuchte Wandbekleidung auf den Trend: Online-Shopping.

Sie tragen so inspirierende Namen wie ‚Elephant’s Breath‘, ‚Charlotte’s Locks‘ oder ‚Stiffkey Blue‘. Und zu jedem dieser Namen kann der Farbenproduzent ‚Farrow & Ball‘ aus dem englischen Dorset eine Geschichte erzählen, historische Hintergründe erläutern. Doch nach England muss dafür niemand reisen, um zuhause seine Wand in einem Farbton zu gestalten, dessen Name beispielsweise an den Strand in Norfolk erinnert.

Mühsam in Fachgeschäften in entfernten Städten suchen müssen Interessierte nicht. Die traditionsreichen Farben sind nur einen Klick entfernt, die Kunden können sie bequem im Internet bestellen und zu sich nach Hause liefern lassen. Sebastian Stahl führt mit meine wand.de neben seinem Ladengeschäft einen Web-Shop im weltweiten Netz, in dem Farben und weitere Artikel namhafter Hersteller direkt aus Rüdershausen bei Göttingen geordert werden können. Im etwa 20.000 Produkte umfassenden Sortiment sind ausgesuchte Tapeten, originelle Wandsticker, ausdrucksstarke Wandbilder und wertvolle Wandputze zur Gestaltung schöner Wände von verschiedenen hochwertigen Herstellern erhältlich – edel anmutende, barocke Elemente auf hochwertigem Vliesträger genauso wie moderne Muster auf Papier, klassische Fotooder Designtapeten, gestaltet von etablierten oder neuen Designern aus dem In- und Ausland.

„Der Vintage-Stil läuft zurzeit sehr stark“, sagt Stahl, „unser Top-Seller ist ‚Woods‘ vom 1875 gegründeten englischen Tapetenhersteller Cole & Son.“

Entstanden ist die Idee für den Online- Handel meinewand.de auf eher pragmatische Weise: Seine Frau Anja programmiert Websites, Sebastian Stahl leitet den väterlichen, 1970 gegründeten Malerbetrieb Victor Stahl mit heute 40 Mitarbeitern. Da lag es nahe, dass das Paar gemeinsam ein Projekt im Internet startet – die Idee meinewand.de war geboren. Mittlerweile sind fast acht Jahre vergangen. „Es ist ein komplett anderes Geschäft“, sagt Sebastian Stahl über den Vertrieb im Internet. „Online-Handel kann man nicht nebenher machen.“ Heute kümmern sich drei Mitarbeiter darum, die Seite aktuell zu halten und dass die eintreffenden Bestellungen auszuliefern. „Es ist ein großes Lager notwendig, um vor Ort handeln und die Kunden schnell beliefern zu können“, sagt er. Bei Produkten von ‚Farrow & Ball‘ beispielsweise, die gern als Rolls Royce unter den Farben bezeichnet werden, ist meinewand.de der einzige Anbieter im weiteren Umkreis. ‚Farrow & Ball‘ produziert ausschließlich in England, verwendet hochwertige, natürliche Pigmente und Harze und keine minderwertigen ‚Füllstoffec, was den Farben eine erkennbar größere Tiefe und Reinheit verleiht. „Die Farben sind sorgfältig erforscht und spiegeln eine einzigartige Historie wieder“, sagt Stahl.

Viele Kunden, die bei meinewand.de aus den 132 ‚F & B‘-Farben auswählen, leben in Hamburg oder Berlin. Wo sein Online- Versand den Sitz hat, ist nach Einschätzung von Stahl sekundär. Die Internetleitung in dem 840-Einwohner-Ort bei Gieboldehausen im Untereichsfeld ist ausreichend schnell für einen Web-Shop, bald soll sie auch noch schneller werden. Online-Handel ist für die Kunden bequem, und sie haben eine große Auswahl, zählt er die Vorzüge auf.

In der aufwändig gestalteten Internetseite, wie sie heute online ist, steckt eine Menge Arbeit und eine Entwicklung von mehreren Jahren. „Da macht man auch mal Fehler“, sagt der Malermeister und Betriebswirt des Handwerks rückblickend. meinewand.de ist mehr als ausschließlich ein Web-Shop.

„Wir orientieren uns nicht nur an Trends“, sagt der 40-Jährige. „Wir sind vielmehr bemüht, Produkte in unser Sortiment aufzunehmen, die sich ergänzen, variieren und miteinander harmonieren – Qualität ist uns ein Anliegen.“ In Zukunft sollen die Produkte virtuell noch besser ,verschlagwortet‘ werden. Sogenannte ,Tag-Clouds‘, bestehend aus den häufig eingegebenen Suchbegriffen wie ‚Shabby Chic‘, ‚Betonoptik‘ oder ‚Scandinavian Design‘ sollen helfen, damit die Kunden in der Fülle der Produkte noch schneller zum Ziel kommen.

meinewand.de präsentiert die Produkte nicht ausschließlich mit den Standardattributen wie Farbe, Preis und Lieferzeit zum Verkauf, sondern ergänzt bei allen Tapeten, Farben und Wandputzen ausführliche Hintergrundinformationen. „Unsere Kunden setzen sich vor dem Kauf intensiv mit dem Produkt auseinander“, weiß Sebastian Stahl. „Der Kunde möchte genau wissen, womit er sich in seinem Zuhause oder seinem ,temporären Zuhause‘ umgibt.“ Zu den Kunden zählen Privatpersonen, aber auch Möbelhäuser, Hotels oder Handwerksfirmen. Sie alle verbindet das Augenmerk auf Herkunft, Qualität und Nachhaltigkeit.

Um diesen Anspruch zu erfüllen, recherchiert das Team von meinewand.de die Geschichte hinter dem Produkt und verweist auf der Facebook-Seite oder im eigenen Blog auf Gestaltungsbeispiele, Variationsmöglichkeiten und Kombinationen von modernen wie zeitlosen ‚Interior Design‘. Darauf sind inzwischen auch Trendscouts der Lifestyle- Magazine aufmerksam geworden, sie fragen regelmäßig Bilddaten und Artikel aus dem Sortiment für ihre Printausgaben an, erzählt Stahl. Hinzu kommt bei meinewand.de ein kos tenfreier Mehrwert für die Kunden: Die Unterseite, die am häufigsten geklickt wird, ist bei den ,FAQ‘ – meist gestellte Fragen – die Frage, wie viele Rollen Tapete für eine Fläche berechnet werden müssen. Und wenn dann z.B. bei Mustertapeten noch der so genannte ,Rapport‘ kalkuliert werden muss, hilft meine wand.de auch hier weiter.

Die Zuwachsraten im Online-Handel sind gut, erzählt Stahl. Die 30.000 Shop-Besucher pro Monat bei meinewand.de bestätigen den Trend, 500 neue Produkte hat das Unternehmen allein bereits in diesem Jahr in seinen Online-Shop aufgenommen.

Ab Januar nächsten Jahres wird auch der Fachmarkt des Rüdershäuser Malerunternehmens Victor Stahl einen eigenen Web-Shop bekommen, in dem 300 bis 400 ausgewählte, von den Malerprofis getestete Produkte erhältlich sein werden – und die nicht teurer als im Baumarkt sein werden, verspricht Sebastian Stahl. Den zusätzlichen Web-Shop sieht er nicht als Basis. „Ausschließlich auf online verlassen würde ich mich nicht.“