Meilenstein für Göttingen

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Text von: redaktion

Eröffnung der Mildred Scheel Akademie Göttingen der Klinik für Palliativmedizin der UMG. Akademie bietet Fort- und Weiterbildung und Austausch für Betreuende von Menschen mit unheilbaren Krankheiten.

Palliativmedizin ist inzwischen ein wesentlicher Bestandteil bei der Behandlung von Menschen mit unheilbaren Krankheiten. Die Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) zählt bundesweit zu den Vorreitern. Seit dem Jahr 2006 konnte die ambulante und stationäre Versorgung schwerstkranker Erwachsener fest etabliert werden. In den vergangenen Jahren ist auch noch die palliativmedizinische Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Göttingen und Umgebung dazugekommen. Ärzte und Pflegekräfte benötigen für diese Art der Versorgung eine besondere Schulung. Genau dieser Aufgabe widmet sich die neu gegründete Mildred Scheel Akademie Göttingen: In regelmäßig stattfindenden Kursen geben die fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Akademie sowie weitere Fachreferentinnen und Fachreferenten ihr Wissen an medizinisches Personal, Ehrenamtliche und Interessierte der Palliativmedizin weiter. Die Mildred Scheel Akademie der Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Göttingen ist der fünfte Standort im bundesweiten Verbund an Fort- und Weiterbil- dungseinrichtungen der Deutschen Krebshilfe (DKH). Die Akademien für Palliativ- medizin in Köln, Bonn, Dresden und München werden von der Deutschen Krebshilfe gefördert. Die neue Akademie in Göttingen wird von der Deutschen Krebshilfe mit 297.000 Euro unterstützt.

BEDEUTUNG DER MILDRED SCHEEL AKADEMIE

Bei der Eröffnungsveranstaltung der neuen Göttinger Akademie an der Universitätsmedizin Göttingen am Mittwochabend sagte Gerd Nettekoven, Hauptgeschäfts- führer der DKH: „Die neue Mildred Scheel Akademie für Palliativmedizin am Universitätsstandort ist ein Meilenstein in Göttingen. Die Palliativmedizin hat sich in den letzten Jahren in Deutschland enorm entwickelt und wird wegen der Überalterung der Gesellschaft immer bedeutender“, so Nettekoven. „Der Deutschen Krebshilfe war es schon sehr früh ein Anliegen, besonders die Aus- und Weiterbildung für alle, die beruflich oder ehrenamtlich mit schwerkranken und sterbenden Menschen zu tun haben, in den Fokus zu rücken.“ Es gebe nur wenige Standorte in Deutschland, die nachhaltige Beiträge zur Palliativmedizin geleistet haben. „Göttingen zählt dazu“, so der Hauptgeschäftsführer der DKH.

Der Sprecher des Vorstandes der UMG, Prof. Dr. Heyo Kroemer, sieht die Mildred Scheel Akademie als „herausragende Ergänzung zu den Leistungen in der Klinik, der Forschung und Lehre.“ Göttingens Oberbürgermeister, Wolfgang Meyer, wertete die neue Akademie im Verbund von Deutscher Krebshilfe, Universitätsmedizin und Universität Göttingen, dem Förderverein für das Palliativzentrum der UMG und der Ärztevertretung als beispielhaft für die Gesundheitsregion Göttingen. Hier besitze die Mildred Scheel Akademie einen hohen Stellenwert.

Veronika Frels, 1. Vorsitzende des Fördervereins für das Palliativzentrum der UMG würdigte die Akademie als „das Sahnehäubchen der palliativmedizinischen Versorgung an der UMG“. Sie dankte der Deutschen Krebshilfe für diesen „Leuchtturm“ der Göttinger Palliativmedizin: „Das Geld hätten Sie nicht besser anlegen können“, so Frels zu Gerd Nettekoven. Prof. Dr. Lorenz Trümper, Direktor des UniversitätsKrebszentrums an der UMG, gratulierte der UMG zur „Krönung“ ihrer palliativmedizinischen Versorgung: „Sie kümmert sich mit ihrer interdisziplinären Vernetzung nicht nur um Ergebnisqualität, sondern auch um Erlebensqualität zum Wohle der Patienten“, so Trümper.

FACHWISSEN FÜR NACHWUCHSKRÄFTE

„Jeder schwerstkranke Patient soll so umsorgt werden, dass er die verbleibende Zeit seines Lebens in größtmöglicher Autonomie und Würde erleben kann“, sagt Prof. Dr. Friedemann Nauck, Direktor der Klinik für Palliativmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Die professionell und ehrenamtlich Tätigen müssen dafür hohe Anforderungen an die Behandlung und Betreuung erfüllen. Sie sollen einerseits körperliche Symptome wie Atemnot, Verstopfung und Schmerzen, aber auch seelische wie Depressionen oder innere Unruhe ihrer Patienten lindern können. Dies erfordert spezielles Wissen, Fähigkeiten und Haltungen und damit eine besondere Aus- und Weiterbildung. Die fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mildred Scheel Akademie Göttingen bieten zusammen mit Dozenten aus verschiedenen Kliniken und Instituten der UMG, der Universität Göttingen sowie externen Referenten regelmäßig Kurse zur Weiterbildung an. Die Akademie hält dafür neben den allgemeinen Verwaltungsräumen vier Seminarräume bereit. Die Weiterbildungskurse richten sich an Pflegekräfte, Ärzte, Physio- und Ergotherapeuten, Psychologen, Seelsorger, Ehrenamtliche, Leiter und Mitglieder von Krebs-Selbsthilfegruppen, Interessierte und Angehörige von Krebserkrankten aus ganz Deutschland.

Die Kurse orientieren sich an den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. In Vorträgen vermitteln die Kursleiter interaktiv und anhand praktischer Anwendungen die Grundlagen der palliativen Versorgung und von Hospizarbeit. Außerdem informieren sie über ethische, psychosoziale und rechtliche Aspekte bei der Versorgung schwerstkranker Menschen. Ärzte können in den Weiterbildungskursen die Zusatzbezeichnung ‚Palliativmedizin‘, Pflegekräfte die Bezeichnung ‚Palliative Care‘ erwerben. Für Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie Pflegedienste bietet die Akademie zudem Schulungen und Seminare zum Thema ‚Palliative Care‘ vor Ort an. Die Akademie möchte neben der Weiterbildung von Fachkräften auch ein Ort des Austauschs sein. So finden in regelmäßigen Abständen Treffen für Angehörige, Pflegende oder auch Hinterbliebene statt. Interessierte und Betroffene können sich hier mit Themen wie Lebensende, Tod und Trauer auseinandersetzen.