Mehr als ein Netzwerk

Text von: Yannick Lowin

Die Wirtschaftsjunioren Göttingen schätzen seit 30 Jahren den internen Gedankenaustausch und engagieren sich in sozialen Projekten.

Von den Feierlichkeiten anlässlich des 30-jährigen Bestehens werden sich die aktuell etwa 40 Mitglieder der Wirtschaftsjunioren (WJ) Göttingen wohl schnell erholen.

Handelt es sich bei ihnen doch um eine Gemeinschaft junger dynamischer Führungskräfte, die – so schreibt es die eigene Satzung vor – nicht älter als 40 Jahre alt sein dürfen.

Bereits 1915 gründete sich die Dachorganisation der Wirtschaftsjunioren, die Junior Chamber International, die mittlerweile 200.000 Mitglieder aus aller Welt umfasst.

Bis zum 20. November 1979 dauerte es allerdings, bis in Göttingen ein Ableger gegründet wurde. Damals wie heute zeichnen sich die Mitglieder, die sich aus einem großen Branchenspektrum rekrutieren, durch interne Partnerschaftlichkeit und externes soziales Engagement aus.

„Hier kommen Firmenchefs, leitende Angestellte, Selbständige und Freiberufler zusammen, um über Fragen zu diskutieren, die alle in gleichem Maße betreffen, wie beispielsweise Personalpolitik oder Finanzierung“, erklärt Hanjo M. Waterkamp, Vorstandsmitglied der Wirtschaftsjunioren.

Der jeweils am ersten Donnerstag im Monat stattfindende Stammtisch in der Havanna-Bar diene dabei dem Netzwerk als Plattform des Gedankenaustauschs, so Waterkamp weiter.

Hier kann man auch zwanglos über die Erfahrungen in der Selbständigkeit oder in leitender Funktion diskutieren, wie Alexander Pape, ebenfalls Vorstandsmitglied, ausführt. Die Teilnehmer profitieren außerdem persönlich und fachlich von den Vorträgen und Workshops, die obligatorischer Teil der regelmäßigen Treffen sind.

Darüber hinaus profilieren sich die Wirtschaftsjunioren vor allem durch ihren sozialen Einsatz, der in den verschiedenen Arbeitskreisen koordiniert wird. „In dem Arbeitskreis ,Schule und Wirtschaft‘ gehen wir zu den Schülern, machen mit ihnen Bewerbungstrainings und erklären ihnen beispielsweise, wie ein Personalchef tickt und was der von Bewerbern sehen und hören will“, erläutert Vorstandsmitglied Saskia Vormfelde.

„Den Lehrern und selbst den Berufsberatern glauben die Schüler einfach weniger als uns, die direkt aus der Praxis kommen“, ergänzt Hanjo M. Waterkamp.

Daneben existiert der Arbeitskreis „Existenzgründung“, der eng mit dem Gründerstammtisch und dem Gründungsforum der IHK Göttingen zusammenarbeitet. Hier beraten die Wirtschaftsjunioren, deren Schritt in die Selbständigkeit zum Teil selbst noch nicht lange zurückliegt, Universitätsabsolventen und andere Gründungsinteressierte.

„Wir können diesen Menschen wichtige Starthilfe geben; einfach, in dem wir ihnen Fehler aufzeigen, die wir gemacht haben, die sie aber dann nicht mehr begehen werden“, sagt Joachim Grube, Geschäftsführer der WJ Göttingen.

Wer sich selbst einmal ein Bild von den Wirtschaftsjunioren machen möchte, den laden sie zum unverbindlichen Besuch des Stammtischs ein. Da, wie in der Wirtschaft, die Frauen auch hier unterrepräsentiert sind, sind diese ausdrücklich gern gesehene Gäste.

„Alle Interessenten müssen sich allerdings darüber im Klaren sein“, erklärt WJ-Vorstandssprecherin Manuela Niesmann, „dass es sich bei den Wirtschaftsjunioren nicht primär um eine Plattform zur Akquise handelt, sondern um eine ehrenamtliche Tätigkeit und damit ein Einbringen in die Projekte erwünscht ist.“