Mehr als Bier und Fachwerk

Text von: Sebastian Günther

faktor porträtiert den Wirtschaftsstandort Einbeck, der deutlich mehr zu bieten hat.

Einbeck ist eine beschauliche Stadt mit historischem Flair, die trotz ihrer geringen Größe einen hohen Bekanntheitsgrad besitzt. Fachwerk, Bier und Saatzucht haben dafür gesorgt, dass die Stadt national und international ein Begriff ist.

Verantwortlich dafür sind vor allem das Einbecker Brauhaus und die KWS. Während die KWS 1856 in Kleinwanzleben bei Magdeburg gegründet wurde und erst beim Neubeginn 1945 nach Südniedersachsen umsiedelte, prägen die Bierbrauer bereits seit dem 14. Jahrhundert die Stadt. Gemeinsam mit der KWS haben sie Einbeck über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht.

Die Stadt allerdings nur auf die beiden führenden Unternehmen zu reduzieren, würde dem Wirtschaftsstandort nicht gerecht werden. Denn sie hat viele weitere kleine und mittlere Unternehmen zu bieten.

Dazu zählt unter anderem Bajohr OPTECmed. Seit der Gründung 1982 hat sich das Augenoptikunternehmen zum deutschlandweiten Spezialisten für Lupenbrillen-Systeme entwickelt.

„Unsere Produkte finden hauptsächlich in der Medizin Anwendung und kommen bei niedergelassenen Ärzten oder in Kliniken zum Einsatz“, erklärt Inhaber und Augenoptikermeister Christoph Bajohr.

Bei den Lupenbrillen handelt es sich um Spezial-Sehhilfen, die mit hochwertiger Präzisionsoptik von Zeiss-Meditec ausgerüstet sind. Neben der reinen Vergrößerung wird in die Spezialbrille ein LED-Licht integriert, welches das Operationsfeld mit bis zu 50.000 Lux ausleuchtet.

„Mit unseren Produkten können beispielsweise Zahnärzte die Mundhöhle zielgerichteter ausleuchten und die Zähne mit vier- oder fünffacher Vergrößerung untersuchen“, erklärt Prokurist und Geschäftsführer Torsten Selzer. Auch Chirurgen können bei der Arbeit an feinen Gefäßen von den Vergrößerungssystemen profitieren.

„Obwohl wir in Deutschland bereits Marktführer bei der Anpassung von Lupenbrillen sind, arbeiten wir ständig an der Verbesserung unseres Angebots“, so Bajohr.

Für die Zukunft entwickelt das Unternehmen neue Licht- und Kamerasysteme für Lupenbrillen. Darüber hinaus soll der Stamm an qualifizierten Mitarbeitern im gesamten Bundesgebiet wachsen. Show- und Anpassräume sind in allen großen deutschen Zentren geplant.

Gesteuert wird das Wachstum aus der Zentrale in Einbeck. „Hier finden wir in einer hervorragenden geografischen Lage günstige und ausreichende Flächen – für uns ist Einbeck ein idealer Standort“, sagt Christoph Bajohr.

Ebenso wie Bajohr OPTECmed will auch die Greiferbau und Verschleißtechnik Einbeck GmbH weiter wachsen.

„Wir werden in den kommenden drei Jahren circa 1,5 Millionen Euro in zusätzliche Produktionsflächen, neue Maschinen und Arbeitsplätze investieren“, sagt Geschäftsführer Bernd Brockmeyer.

Bereits in den vergangenen Jahren wurden die Produktionsflächen um 20 Prozent vergrößert und drei Millionen Euro in den Maschinenpark investiert. „Diese neuen Maschinen ermöglichen es uns, Fertigungsteile bis zu einem Durchmesser von 5,2 Metern zu bearbeiten“, erläutert Brockmeyer.

Mit den neuen Kapazitäten soll die Kleinserienfertigung von Energiemodulen, die aus Dampf umweltschonend elektrische Energie erzeugen, aufgelegt werden.

Zusätzlich zu den innovativen Modulen entwirft und produziert das Unternehmen Greifer und Lastaufnahmemittel in Einzelstückfertigung. „In diesem Kerngeschäft können wir in sehr kurzer Zeit individuelle Lösungen entwickeln“, so der Geschäftsführer.

Besonders wichtig ist ihm die Festigung und der Ausbau der Kompetenzen im Kerngeschäft. Dazu werden vor allem Facharbeiter benötigt, und genau in diesem Bereich sieht Brockmeyer Schwierigkeiten:

„Noch haben wir hier vor Ort ein ausreichendes Angebot. Das wird sich allerdings ändern.“ Deshalb sei es wichtig, die Reize der landschaftlich abwechslungsreichen Region deutlicher zu kommunizieren.

„Denn welcher Facharbeiter verlegt seinen Lebensmittelpunkt mit der gesamten Familie schon in ein unbekanntes ‚Niemandsland’“, gibt Brockmeyer zu bedenken.

Es gelte, die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts zu steigern.

„Deshalb wünschen wir uns insbesondere bei der Bevölkerung eine größere Offenheit für neue Gewerbeansiedlungen.“ Wenn diese gegeben sei, sei eine positive Mitgestaltung des Wirtschafts- und Lebensraumes Einbeck möglich.

„Für uns zählen hier in Einbeck vor allem die kurzen Wege sowie die gewachsenen Strukturen“, nennt Silvia Valenta, Geschäftsführerin der Valenta Aquaristik und Gartenbau GmbH, die für sie wichtigen Standortfaktoren.

Das Unternehmen beschäftigt elf Mitarbeiter und hält eine breite Auswahl an Zierfischen, Terrarientieren, Teich- und Aquaristik-Zubehör bereit.

„Neben dem Direktverkauf nimmt inzwischen der Versandhandel über unsere Webpräsenz einen großen Stellenwert ein“, so Valenta. Zu den Abnehmern zählen Privat- und Geschäftskunden aus aller Welt sowie Meereskundemuseen, Forschungsinstitute oder Zoos.

Neben dem Vertrieb der Tiere können die Kunden auch diverse Dienstleistungen in Anspruch nehmen. „Diese reichen von Leistungen im Garten-, Teich- und Schwimmbadbau bis zur Pflege von Filtern.“

Darüber hinaus verfügen die Mitarbeiter über Kompetenzen in der Planung und dem Bau von Koi-, Zier- und Schwimmteichen sowie Bachläufen und Brunnen. „Wir legen besonderen Wert auf die Beratung. Deshalb müssen unsere Mitarbeiter viel Erfahrung vorweisen und werden dazu gezielt in ihren jeweiligen Fachbereichen geschult“, so Valenta.

Mit mehr als 500 realisierten Garten- und Schwimmteichen zählt Valenta Aquaristik zu den größten Unternehmen dieser Art in Deutschland.

„Vor drei Jahren sind wir in eine 1.000 Quadratmeter große Halle umgezogen und diese wird schon wieder zu eng“, berichtet Valenta. „Wir streben die Marktführerschaft in Norddeutschland an und wollen deshalb weiter expandieren.“

Dafür sieht die Geschäftsführerin in Einbeck gute Voraussetzungen: „Standortnachteile wie die geringe Kaufkraft können durch Kostenvorteile bei Grundstücken und durch überregionalen Vertrieb ausgeglichen werden.“

Es gelte, die Schönheit der Region und die kulturellen Höhepunkte Einbecks nach außen zu vermarkten, um die Ansiedlung neuer Unternehmen zu fördern.

Valenta weiter: „Wenn die Stadtverwaltung zusätzlich durch pragmatisches Handeln den wirtschaftlichen Wandel unterstützt, sollte Einbeck für die Zukunft gerüstet sein.“

Anja Osterloh, Geschäftsführende Gesellschafterin der MOD Gruppe, sieht das ähnlich: „Einbeck muss seine Attraktivität als Unternehmensstandort weiter ausbauen.“ Dazu sei unter anderem ein sehr gutes Stadtmarketing notwendig.

„Darüber hinaus müssen die Unternehmen auch weiterhin starke Magnete der Region bleiben.“ Ein solcher Magnet will auch die MOD Gruppe mit ihren IT-Dienstleistungen für Mittelständler sein.

„Wir konzipieren und implementieren komplette IT-Infrastrukturen, die wir im laufenden Betrieb auch betreuen.“ Damit soll dem Kunden eine erhöhte Konzentration auf das jeweilige Kerngeschäft ermöglicht werden.

Um die eigene Leistung kostengünstig anbieten zu können, arbeitet MOD mit einem Mix aus etablierten Standards und kundenspezifischen Lösungen. „Dabei gruppieren sich unsere Dienstleistungen um den jeweiligen Arbeitsplatz des Anwenders, der immer im Mittelpunkt steht“, erklärt Osterloh.

Potenzial für das Angebot von MOD ist laut der Geschäftsführerin in und um Einbeck vorhanden: „Viele Unternehmen der Region setzen die IT noch nicht so ein, dass sie die Kernprozesse optimal unterstützt.“

Um die Lage zu verbessern, gelte es, den Mittelstand davon zu überzeugen, dass eine funktionierende IT-Infrastruktur einen Mehrwert bietet. Damit die 59 Mitarbeiter bei der schnelllebigen Welt der IT immer auf dem neuesten Stand bleiben, investiert MOD vor allem in Weiterbildung und Technik.

„So versuchen wir die Innovationsfreude zu erhalten, die für uns neben dem Vertrauen unserer Kunden einen zentralen Erfolgsfaktor darstellt“, sagt Anja Osterloh.

Obwohl das Unternehmen mit dem Standort Einbeck insgesamt zufrieden ist, wünscht sie sich einen Ausbau der Dateninfrastruktur: „Die Versorgung ist in diesem Bereich noch nicht optimal.“

Obwohl sich in Einbeck aus wirtschaftlicher Sicht noch einige offene Baustellen zeigen, verfügt die Stadt über ausreichend Potenzial zu einer weiteren positiven Entwicklung.

Die Neu-Gründung der Marketing GmbH ist ein Schritt in die richtige Richtung. Damit kommen die Entscheidungsträger der Forderung der Unternehmer nach einer verbesserten Außendarstellung nach.

Einbeck signalisiert Bereitschaft zum Aufbruch, den jetzt alle mittragen müssen.