Medizintechnik zu “übersetzen“ ist eine Herausforderung

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Berti Kolbow

faktor führte ein Interview mit Sebastian Peichl, Vorstand des Büros für Mediengestaltung Art+Com AG in Berlin, über die Schwierigkeiten, das Thema Gesundheit als Erlebnis zu gestalten.

Technische Hilfen für körperliche Handicaps sind zunächst einmal keine Attraktion. Welches Konzept steckt bei Ihnen hinter dem Science Center von Otto Bock, um das breite Publikumsinteresse zu wecken?

Sie haben Recht, Behinderung ist ein Thema, mit dem sich Besucher nicht freiwillig beschäftigen. Wir konnten daher Herrn Professor Näder schnell überzeugen, nicht die Produkte in den Vordergrund zu stellen. Das Ziel lautete, eine konstruktive Metapher zu finden. Die Wahl fiel auf den positiv besetzten Themenkomplex „Mobilität“. Dies haben wir auf die fundamentalen Bewegungsoptionen „greifen“ und „gehen“ heruntergebrochen. Entscheidend ist die Inszenierung. Die Präsentation der Exponate und Phänomene sollten sich im Inneren wie im Äußeren des Science Centers widerspiegeln.

Bei der „Autostadt“ von Volkswagen oder dem BMW Museum, wo Sie mitgewirkt haben, funktioniert dies ganz gut. Mit Autos lassen sich jedoch leichter positive Emotionen wecken als mit Prothetik und Orthetik, oder?

Die Funktionsweise eines technischen Produkts für die Öffentlichkeit zu „übersetzen“ ist immer eine Herausforderung. Das gilt für eine Autokomponente genauso wie für eine Beinprothese. Erklären Sie mal eine Brennstoffzelle in drei Minuten, so dass jeder es versteht!

Wie erklärt man denn einem Laien, wie eine Beinprothese funktioniert?

Zunächst mit klassischer Recherche. Wir haben stapelweise Produktbroschüren gewälzt, die Forschungsabteilungen besucht und die Otto-Bock-Techniker mit vielen Fragen gelöchert. Abgesehen davon besteht unser Team auch aus Designern und Ingenieuren, die bereits eine kinetische Inszenierung für das BMW Museum erfunden haben. Wir wussten schon vieles über Bewegung, mussten aber einiges über Behinderung lernen. So komisch es vor dem Hintergrund technischer Produkte klingen mag – das Geheimnis liegt im Dekonstruieren der Thematik. Man muss Zusammenhänge auseinandernehmen, um sie zu verstehen und anderen erklären zu können.