Maßanzüge schneidern

© ALCIRO THEODORO DA SILVA
Text von: Sebastian König

Frank Nolte, Personalleiter bei Knüppel Verpackung, erklärt, warum in der Verpackungsbranche so mancher Absolvent unerwartet Fuß fassen kann.

„AUF DIE VERPACKUNGSBRANCHE KOMMEN WENIGE STUDENTEN, WENN SIE NACH EINEM JOB SUCHEN“, sagt Frank Nolte, Leiter des Personalwesens bei Knüppel Verpackung in Hann. Münden. Viele rechnen einfach nicht damit, dass ihre Studienrichtung in diesem Bereich überhaupt relevant ist. Nolte erklärt: „Das ist aber ein Trugschluss, denn die Verpackungsbranche ist vielfältig.“ Das liegt an den Kunden. Denn in allen Bereichen, in denen produziert und transportiert wird, muss auch verpackt werden.

Um die Besonderheiten der jeweiligen Branchen abdecken zu können, braucht es Spezialisten. So hat bei Knüppel zum Beispiel eine Studentin der Holztechnologie über die Göttinger Praxisbörse – einer jährlich stattfindenden Arbeitgeberkontaktmesse der Universität Göttingen – einen Job gefunden. „Weder sie noch wir ahnten beim ersten Gespräch am Infostand, dass ihre Ausbildung und unser Unternehmen zusammenpassen würden.“ Dabei ist die Kombination sogar einleuchtend. In der Verpackungsbranche spielen Papier und Pappe eine wichtige Rolle – und beide entstehen aus Holz. Neben der Holztechnologin hat auch ein Lebensmitteltechnologe den Weg zu Knüppel gefunden. In seinem Studium hatte er sich intensiv mit Lebensmittelfolien beschäftigt, und dieses Wissen kann er heute in die Entwicklung von Folienverpackungen einbringen.

NEBEN DIESEN ‚SPEZIALFÄLLEN‘ BESCHÄFTIGT DAS UNTERNEHMEN, das ausschließlich im Business-to-Business tätig ist, in der Entwicklung und im Vertrieb Ingenieure – zum Beispiel aus dem Maschinenbau. Gern gesehen sind natürlich Bewerber, die sich im Studium direkt mit Verpackungen beschäftigt haben. „Diese Studiengänge sind aber selten“, sagt Nolte.

Neben Forschung, Entwicklung und Fertigung bietet Knüppel auch Beschäftigungsmöglichkeiten in den klassischen Unternehmensfeldern wie Controlling, Finanzwesen, IT oder Personal. Diese Abteilungen sind zentral für alle Knüppel-Standorte in Hann. Münden angesiedelt. Hier steht die Zentrale des 1919 gegründeten Unternehmens. Weitere Standorte befinden sich in Emleben, Bodenheim, Bayreuth und Dresden. Dazu unterhält Knüppel auch weltweit Dependancen. „Wer bei uns arbeitet, hat die Möglichkeit, nicht nur hier in Hann. Münden, sondern auch deutschland- oder sogar weltweit zu arbeiten.“

IM KERNGESCHÄFT BIETET KNÜPPEL IN ERSTER LINIE INDIVIDUELLE VERPACKUNGSKONZEPTE. „In der Regel gehen wir zum Kunden, analysieren seine Prozesse sowie Verpackungsanforderungen und entwickeln eine für ihn optimale Lösung“, erklärt Nolte. Ein bekanntes Beispiel für die Produkte des Unternehmens sind Transportschutz folien für Automobile. Damit der Lack beim Transport von der Produktion zu den Händlern keinen Schaden nimmt, erhalten Neufahrzeuge entweder einen Teil- oder einen Komplettschutz.

„Das sind ‚Maßanzüge‘, die von uns entwickelt und designt werden und immer nur zu einem Modell passen.“ Zusätzlich zu den Individuallösungen erhalten die Kunden bei Knüppel außerdem ein breites Angebot an Standardverpackungen. Ein weiterer spezieller Bereich der Unternehmensgruppe sind Korrosionsschutzverpackungen, die von der EXCOR GmbH, einem Joint-Venture mit einem amerikanischen Unternehmen, produziert und vertrieben werden.

So befindet sich am Standort Dresden auch ein eigenes Labor, das sich mit den vielfältigen Problemen der Korrosion und des chemischen Korrosionsschutzes beschäftigt. Hier werden zum Beispiel Chemikalien weiterentwickelt, die aus der Verpackung ausdampfen, eine Schutzschicht auf dem Packgut bilden und sich beim Auspacken wieder verflüchtigen. Um die Wirksamkeit zu testen, wurden in Dresden eigens Klimakammern eingerichtet, die unter anderem den Seeweg nach China simulieren können. „Dies ist nur ein Beispiel dafür, an welchen Problemlösungen wir forschen“, erläutert der Personalleiter.

MIT SEINEN INDIVIDUELLEN LÖ- SUNGEN HAT ES KNÜPPEL IN DEN VERGANGENEN JAHREN zu einem ansehnlichen Wachstum gebracht, wie Nolte selbst berichten kann. „Als ich vor 16 Jahren hier angefangen habe, gab es insgesamt 160 Mitarbeiter sowie einen Auslandsstandort in Dänemark, und ich war der einzige Personaler.“ Heute gibt es allein in Hann. Münden 110 Beschäftigte. 140 Mitarbeiter arbeiten an den anderen deutschen Standorten und weitere 130 im Ausland.

„WICHTIG IST, DASS UNSER WACHSTUM NIE IN GRO SSEN SCHÜBEN, SONDERN IMMER MODERAT, IN KLEINEN SCHRITTEN VORANGING“, sagt Nolte und ergänzt: „So soll es auch in Zukunft weitergehen, denn wir werden durch das Vorantreiben von Spezialisierung und Internationalisierung weiter wachsen.“ Dadurch bieten sich immer wieder neue Chancen für Studienabsolventen zum Einstieg in das Unternehmen. Laut Nolte können sich Absolventen nahezu jeder Fachrichtung bewerben. „Wie zahlreiche Beispiele zeigen, ist die Verpackungsbranche so vielfältig, dass vieles passt, obwohl es zunächst vielleicht nicht den Anschein hat.“