Markus Riese – Heimkehr, Vielfalt und neue Kapitel

Von Schülerzeitung über Briefmarkenzeitschrift bis Wirtschaftsmagazin – Markus Riese erlebt im Journalismus und drum herum so ziemlich alles, was zwischen Lokalredaktion, Fachpresse und Bühnenlicht passt. Im Oktober beginnt für den gebürtigen Alfelder ein neues Kapitel: Als Chefredakteur des faktor-Magazins will er die Wirtschaft der Region nicht nur abbilden, sondern auch erlebbar machen. Und das durchaus auch mit neuen
Ideen und Formaten.

Zur Person

1980 in Alfeld geboren, hat Markus Riese seine journalistische Laufbahn mit einem Volontariat bei der Alfelder Zeitung begonnen und war anschließend auch als Jungredakteur dort tätig. Es folgten unter anderem Stationen als Chefredakteur des Brief­marken Spiegels, in der Anzeigenblatt- und Sonder­themenredaktion des Göttinger Tageblatts sowie ab 2021 als Redaktionsleiter der Alfelder Zeitung. Neben dem Journalismus ist er vielseitig engagiert – als Musiker, Moderator sowie Hörspielautor und -sprecher. Für seine Arbeit wurde er 2022 und 2024 mit dem Alexanderpreis ausgezeichnet. Ab 1. Oktober 2025 übernimmt er die Chefredaktion des faktor.

Es gibt Menschen, die fest in einer Region verwurzelt sind – und trotzdem ständig in Bewegung. Markus Riese gehört zu ihnen. Geboren 1980 in Alfeld, wollte er schon als Schüler nicht nur wissen, was passiert – er wollte es aufschreiben. Seine ersten Texte landeten in der Schülerzeitung, gefolgt von Beiträgen für die Jugendpresse und ein Schülerradio. „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“, sagt er heute, und dieser Satz beschreibt nicht nur seine journalistische Haltung, sondern auch seine Lebensphilosophie. Endgültig zum Lodern kam das journalistische Feuer in ihm, als er 14 Jahre alt war: „Ich hatte einen Leserbeitrag – eine Computerspielrezension – an ein wichtiges Fachmagazin geschickt, und nach einigen Monaten schon die Hoffnung auf eine Veröffentlichung aufgegeben. Dann blätterte ich nichts­ahnend die neueste Ausgabe am Zeitungsstand in einem Einbecker Supermarkt durch und war elektrisiert: Mein Beitrag war dort abgedruckt! Und nicht nur das – es stand daneben, es handele sich um einen bahnbrechenden Lesertest!“ Kein Wunder, dass ihn dies motivierte …

Vom Volontariat zu den großen Themen

Nach der Schule suchte und nutzte er folgerichtig seine Chance und es kam direkt der Sprung ins Berufsleben: Ein Volontariat bei der Alfelder Zeitung, für die er schon länger schrieb und die damals wie heute das Herzstück lokaler Berichterstattung in seiner Heimat war. Hier lernte Riese das Handwerk – vom Feuerwehrbericht bis zum Bürgermeisterinterview. „Die Nähe zu den Menschen, die direkte Rückmeldung – das hat mich geprägt“, erinnert er sich.

Doch der Blick ging bald über Alfeld hinaus. 2003 wechselte er in einen Göttinger Fachverlag, wo er zunächst als Redakteur und später als Chefredakteur des Briefmarken Spiegels arbeitete. Ein Themenfeld, das auf den ersten Blick exotisch wirkt, ihn aber faszinierte: „Beim Fachmagazin konnte ich tiefer in Spezialthemen eintauchen – das war eine ganz andere Form von Journalismus.“ Die Arbeit war international vernetzt, präzise, manchmal fast detektivisch, wenn es um die Recherche seltener Sammlerstücke ging. ‣

Zurück ins Lokale – und mitten ins Geschehen

Nach einigen Jahren zog es ihn aber doch wieder stärker in die lokale Medienlandschaft. Er wechselte zum ­Wochenblatt Blick, übernahm dort die Chefredaktion und später auch vielfältige Leitungsaufgaben beim Göttinger Tageblatt. Es ergaben sich auch immer wieder Chancen, abseits des Hauptaufgabenbereichs, die er gerne ergriff: „Ich moderierte Events wie das Gänselieselfest und betreute zum Beispiel die Leserreisen des Blick – das waren tolle Erlebnisse, auf die ich noch heute gelegentlich angesprochen werde.“

2021 wechselte er dennoch zurück in den vertrauten Newsroom der Alfelder Zeitung. Die Rückkehr war für ihn nicht nur ein beruflicher Schritt, sondern ein persönlicher: „Ich bin sehr dankbar für die vergangenen vier Jahre und will sie keinesfalls missen. Alfeld wird immer meine Heimat bleiben, und die AZ immer meine Heimatzeitung.“ Und das, obwohl er mit seiner Frau und Tochter in Friedland lebt und dort inzwischen fest verankert und zu Hause ist.

Während der Zeit beim Göttinger Tageblatt und später bei der Alfelder Zeitung prägte er nicht nur die ­Tagesberichterstattung, sondern setzte auch Akzente mit Hintergrundstorys und historischen Reportagen – Texte, die bereits zweimal mit dem Alexanderpreis ausgezeichnet wurden, weil sie lokale Geschichten in größere historische Zusammenhänge stellten.

Bühne, Musik, Mikrofon

Wer Markus Riese nur als Schreiber kennt, verpasst aber tatsächlich die halbe Geschichte: Zwischen 2006 und 2011 stand er als Keyboarder und Background-Sänger der bekannten Göttinger Rockband Feltmann auf der Bühne und für zwei CD-Aufnahmen im Studio. Eine Musikkarriere kam aber nicht infrage: „Ich bin stolz, auch mal beim Open Flair in Eschwege gespielt zu haben. Aber es war vor allem deshalb gut, weil es ohne den Druck, damit Geld verdienen zu müssen, stattfand.“ Später sang er in Gospelchören und weiteren Bands, moderierte immer mehr öffentliche Veranstaltungen und lieh als Sprecher und Hörspielautor Figuren seine Stimme. So engagierte er sich auch für eine Göttinger Jugendkrimi-Serie – eine Erfahrung, die ihn, wie er sagt, „gelehrt hat, mit Stimme und Timing genauso zu arbeiten wie mit Text und Bild im Journalismus“.

Ein neues Kapitel –
Wirtschaft, Netzwerke, Zukunft

Aktuell steht der nächste große Schritt in seinem Berufsleben an: Markus Riese wechselt als Chefredakteur zum faktor. Das Magazin hat sich als Plattform für regionale Wirtschaft, Innovation und Netzwerke etabliert. Riese hat es stets im Blick gehabt und immer wieder begegnete er auf Presseterminen auch den faktor-Mitarbeitern: „Ich habe es immer gerne gelesen – denn ich liebe gut aufgemachte Beiträge.“ Er möchte seine Leitungsposi­tion nutzen, um gemeinsam mit dem faktor-Team noch näher an die Menschen und Unternehmen zu rücken: „Ich freue mich auf die spannende Kombination aus Magazin, Netzwerkveranstaltungen und Social Media.“

Rieses Vision ist klar: Reportagen, die nicht nur informieren, sondern auch inspirieren. Interviews, die Entscheider und Macher erlebbar machen. Netzwerke, die Brücken zwischen Branchen schlagen. Dabei will er Wirtschaft nicht als abstrakte Zahlenspielerei verstehen, sondern als Teil des gesellschaftlichen Lebens. „Am Ende geht es um Menschen, die Ideen haben, Risiken eingehen und unsere Region prägen“, betont er und fährt fort: „Für mich ist es eine Verpflichtung, für ein absolut etabliertes Magazin zu arbeiten, das stolz auf seine Geschichte sein kann.“

Blick nach vorn

Privat bleibt Riese Friedland und Alfeld verbunden, auch wenn sein beruflicher Mittelpunkt künftig stärker in Göttingen liegt. Er sieht den Wechsel nicht als Abschied, sondern als Erweiterung seines Radius: „Ich nehme meine Erfahrungen aus der Lokal- und Fachpresse mit und möchte sie verbinden – für ein Magazin, das unsere Region wirtschaftlich, aber auch menschlich abbildet.“

Mit dieser Haltung beginnt er ein neues und „hoffentlich langes“ Kapitel – und beweist einmal mehr, dass Verwurzelung und Aufbruch keine Gegensätze sein ­müssen, sondern ein Antrieb, immer wieder einen Schritt weiterzugehen. Er weiß auch schon genau, was er in fünf Jahren erleben will: „Dann feiern wir das Jubiläum 25 Jahre faktor mindestens so groß, wie jetzt den 20. Geburtstag und blicken auf die stetige Weiterentwicklung der kommenden Jahre zurück.“ ƒ

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