Marktpositionierung

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Text von: redaktion

Senioreneinrichtungen sehen sich längst nicht mehr nur als Wohnstätten für betagte Menschen. Generationenübergreifende Angebote werden immer wichtiger.

Südniedersachsen altert. Enorme Herausforderungen kommen auf unsere Gesellschaft zu. Senioreneinrichtungen stehen vor besonders großen Aufgaben.

Um sich als Unternehmen auf diesem Markt gut aufzustellen, gehören neben bedarfsgerechten Wohnmöglichkeiten auch Alleinstellungsmerkmale.

Das GDA Wohnstift in Göttingen beispielsweise bietet einen Teil seiner Wohnplätze als Hotel an, was sich großer Beliebtheit bei reisenden Wissenschaftlern erfreut. Darüber hinaus können Studenten am Projekt ,Wohnen gegen Hilfe‘ teilnehmen, bei dem sie im Wohnstift wohnen und einen Teil der Miete als geringfügige Beschäftigte in den verschiedenen Bereichen des Hauses ‚abarbeiten‘ können.

„Zurzeit suchen wir nach Stipendiaten, die ein unser Haus betreffendes Thema wissenschaftlich untersuchen“, beschreibt Stiftsdirektor Klaus Brandl eine von vielen neuen Ideen des Wohnstifts in Geismar.

Natürlich finden sich aber auch die herkömmlichen Betreuungs-, Begegnungs- und Freizeitangebote in seinem Portfolio.

Wohnen für ältere Menschen ist jedoch nach wie vor das Kerngeschäft des Hauses. 300 Mitarbeiter kümmern sich um die 600 Bewohner, die angepasst an ihre Lebenssituation modernste Bedingungen vorfinden. Zudem gibt es auch einen wachsenden Bereich in der ambulanten Pflege.

Besonders stolz ist Brandl auf das vielseitige kulturelle Angebot: „Wir gehören zu den größten Kulturveranstaltern in Göttingen. Lesungen, Konzerte, Theater, Musizieren und vieles mehr gehört zu unserem Programm.“

Kooperationen mit dem Göttinger Symphonie Orchester (GSO), dem Deutschen Theater oder Pro City, mit dem ein „kleiner, aber feiner Marktplatz“ mit täglich wechselnden Geschäften im Wohnstift entstanden ist, belegen seine Worte und zeigen, wie wichtig Vernetzung ist.

‚Pflege hoch 8‘

Eine Erkenntnis, die im besonders stark vom demografischen Wandel betroffenen Landkreis Osterode gleich mehrere eigentlich im direkten Wettbewerb stehende Einrichtungen zum Verbund ‚Pflege hoch 8‘ zusammengebracht hat.

„Wir treten gemeinsam gegenüber Politik und Verwaltung auf. Mit unserer Wirtschaftskraft und den vielen Arbeitsplätzen, die hinter unserem Verbund stehen, können wir in Verhandlungen ganz anders auftreten“, erklärt Karsten Stiemerling, der gemeinsam mit seinem Bruder Mark die Stiemerling Senioren-Residenzen in dritter Generation leitet.

Doch bei diesem Osteroder Verbund belässt es das Unternehmen nicht, auch in der Gesundheitsregion Göttingen wirkt Karsten Stiemerling als Vorstandsmitglied mit.

Er schätzt die Kraft, mit der in diesen Netzwerken gemeinsame Projekte angetrieben werden können: „Nur so können wir uns dauerhaft auf dem schwierigen Gesundheitsmarkt behaupten und Zukunftskonzepte entwickeln.“

Bis heute ist das Familienunternehmen mit dieser Philosophie gut gefahren. Die hohe Belegungsquote in den Standorten Hattorf, Herzberg, Northeim, Königslutter und Gommern bei Magdeburg bestätigt sein Konzept.

770 Bewohner und 650 Mitarbeiter kooperieren, um „Sicherheit und Geborgenheit“ zu gewährleisten, so der Geschäftsführer.

Neben einem ebenfalls umfangreichen Freizeitangebot für die Bewohner investiert die Einrichtung z.B. auch in vielfältige ambulante Angebote.

„Mit dieser Hilfe können Menschen weiter wohnen, wo sie am liebsten sind – nämlich zu Hause“, erläutert Mark Stiemerling. „Und wer sozialen Kontakt braucht, dem bieten wir Tagespflege in unserem Haus. So bekommt jeder das Angebot, das seinen Bedürfnissen entspricht.“

Auf Wellness setzt man bei Burgholte Seniorenwohnanlagen in Osterode und Eisdorf. Erholung und belastungsfreie Bäder können in entspannendem Ambiente genossen werden. Auch dieser Familienbetrieb setzt auf den ‚Pflege hoch 8‘-Verbund.

Probleme auf dem Land

Denn auch Marc Burgholte weiß um die Problematik, im ländlichen Gebiet hochwertige Angebote zu etablieren.

Früher habe Marketing in seinem Bereich eine viel geringere Rolle gespielt, heute wachse die Bedeutung stetig. Daher schätze er den gemeinsamen Außenauftritt und die damit verbundenen Synergieeffekte.

Mit den beiden Standorten hat er sowohl für Stadtmenschen als auch für ländliche Senioren das passende Umfeld im Portfolio. Burgholte verweist auf die vielen Möglichkeiten, die seine Häuser auch Besuchern und Gästen bieten.

So setzt er u.a. auf Harzurlauber, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen in der Kurzzeitpflege unterbringen können. Für die Region erwartet er in Zukunft vor allem für Dörfer in Randlagen schwierige Zeiten.

Perspektiven schaffen

Junge Arbeitssuchende werden abwandern, alte Menschen müssen dies aufgrund der fehlenden Infrastruktur. „Ein Ziel muss es sein, Jugendlichen hier eine Perspektive zu geben. Pflegeberufe haben ein zu schlechtes Image. Wir arbeiten intensiv an einer Verbesserung“, sagt Burgholte.

Die Senioreneinrichtungen gehen also immer mehr an die Öffentlichkeit, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen, neue Bewohner auf sich aufmerksam zu machen oder Bewohner und Gäste in Kontakt zu bringen.

Der Göttinger Luisenhof hat dafür sogar eine eigene Hauszeitung etabliert.

Vierteljährlich informiert sie Bewohner, Mitarbeiter und Interessenten über die Neuigkeiten im Luisenhof. Auch Schwerpunktthemen in der Arbeit des Weender Hauses wie etwa die Palliativbetreuung in Kooperation mit der Universitätsmedizin Göttingen und dem Hospiz an der Lutter sowie die Erhaltung und Förderung der Mobilität der Menschen werden vorgestellt.

Hausleiter Michael Eisenberg widmet seine speziellen Fachkenntnisse zudem dem ,Werdenfelser Weg‘ zur Reduzierung fixierender Maßnahmen in der Pflege.

„Im Fokus steht bei uns immer der Wille des Menschen und dass dieser, wann immer er möchte, einen Ansprechpartner bei uns findet“, fasst Pflegedienstleiter Herbert Falke die Unternehmensphilosophie zusammen. Stets eine Vertrauensperson ansprechen zu können, stellt auch für Sven Tilch ein wichtiges Element in seinem Konzept dar.

Die Tilch-Unternehmensgruppe ist in allen südniedersächsischen Landkreisen vertreten. Ihr Anspruch ist es, den Menschen ein Wohnen im Alter mit möglichst vielen von früher vertrauten Elementen zu ermöglichen.

Mit dem Mehrgenerationenhaus in Groß Schneen und weiteren innovativen Projekten, die das Gemeindeleben stärken, möchte Tilch den Menschen vor Ort eine lebenswerte Infrastruktur erhalten und altersübergreifende Begegnungsstätten fördern.

Gemeinsame Mahlzeiten bilden dabei einen Kernpunkt. Diese werden von unternehmenseigenen Küchen, die auch Schulmensen beliefern, zubereitet. Mit großem Engagement öffnet sich die Tilch-Unternehmensgruppe auch interessierten Jugendlichen und bietet Praktika in vielen verschiedenen Bereichen an.

Und als jährliche Highlights sind die beiden Weihnachtskonzerte des GSO in der Katlenburger Kirche nicht mehr aus dem Kalender wegzudenken. Für bettlägerige Bewohner stehen dann sogar mobile Betten in der Kirche bereit.

Eine zukunftsorientierte Strategie, die alle vorgestellten Unternehmen verfolgen. Zwar trifft der bereits beginnende Fachkräftemangel diese Einrichtungen laut eigener Aussagen im Moment noch nicht sehr stark, aber sie ahnen, dass gerade hier große Aufgaben bevorstehen.

Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit bilden dabei wichtige Schritte, um künftige Probleme zu verringern.