Langsamer Weg aus der Krise

Text von: Claudia Klaft

Das Geschäftsklima in Südniedersachsen ist verhalten optimistisch – das ergab eine Umfrage der studentischen Unternehmensberatung Consulting Team mit faktor.

Anhand von Antworten auf sechs Fragen, in denen es um eine Einschätzung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Geschäftslage in der Region geht sowie um Angaben zur Ertragslage und der Entwicklung der Mitarbeiterzahl, soll ein regionaler Geschäftsklimaindex erstellt werden. Beteiligt haben sich im April 2010 insgesamt 50 Betriebe, vor allem Unternehmer aus Stadt und Landkreis Göttingen, weitere kamen aus Northeim und Osterode. Die Branchenverteilung insgesamt war ausgeglichen. Die Antworten machten vor allem deutlich, dass sich die regionale Stimmungslage von der in Gesamtdeutschland unterscheidet. Denn während das ifo-Institut im April meldete, das Geschäftsklima in Deutschland habe sich kräftig verbessert, sehen die Unternehmer in Südniedersachsen die Lage verhaltener.

Die Befragung ergab, dass die Zustimmung zum Geschäftsstandort Südniedersachsen unverändert hoch ist (2009: 80 Prozent, 2010: 78 Prozent). Jedoch innerhalb dieser Gruppe, die die Standortbedingungen befriedigend oder besser einschätzt, gibt es eine deutliche Tendenz zur bloßen Angabe „befriedigend“. Während die Zufriedenheit in Göttingen unverändert hoch ist, gaben Unternehmer aus Northeim und Osterode verschlechterte Rahmenbedingungen an.

Auch die Geschäftslage wird im Vergleich zu 2009 eher befriedigend denn als gut empfunden. In allen drei Landkreisen halten sich positive, negative und neutrale Einschätzungen die Waage, sodass weder von einem aktuell gefühlten Auf- oder Abschwung gesprochen werden kann. Eine Unterteilung nach den Gewerben bringt ein ähnliches Ergebnis, nur das Handwerk zeigt eine kleine Tendenz zu einer optimistischeren Sicht. Auch beurteilen kleinere Firmen mit bis zu fünf Mitarbeitern ihre Ertragslage leicht besser.

Noch im August 2009 sahen 43 Prozent der Befragten eine Verbesserung ihrer Geschäftslage für das kommende halbe Jahr, über eine wirkliche Verbesserung seit dieser Zeit können jedoch nur 34 Prozent berichten. Damit blieb das Gesamtjahr 2009 hinter den Erwartungen zurück. Bei der Entwicklung der Mitarbeiterzahlen in den vergangenen sechs Monaten gaben 62 Prozent der Befragten eine unveränderte Mitarbeiterzahl an, 20 Prozent haben Mitarbeiter eingestellt, fast genauso viele (18 Prozent) haben jetzt weniger Mitarbeiter. Im Hinblick auf die nächsten sechs Monate möchten 18 Prozent ihr Personal aufstocken, die Mehrheit jedoch schließt Neueinstellungen aus.

Bezogen auf die Branche lässt sich bei Dienstleistern, im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Handwerk und Baugewerbe eine positive Tendenz erkennen. Dabei scheinen kleinere Unternehmen den kommenden Aufschwung eher zu spüren, was sich bei der erwarteten Entwicklung der Mitarbeiterzahl widerspiegelt. Das Verarbeitende und das Gastgewerbe schätzen ihre wirtschaftliche Lage im Vergleich eher schlechter ein. Der Einzel- und Großhandel sowie der Vertrieb rangieren im Mittelfeld.

Abbildung: Erwartungen für das nächste Halbjahr. Egebnisse der Befragung August 2009 und Mai 2010 gegenübergestellt.
Grün: besser/ Grau: unverändert / Rot: schlechter

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass von einem erwarteten Boom im Lauf der nächsten sechs Monate aufgrund der vorliegenden Erhebung nicht gesprochen werden kann. Es scheint, dass die Verbesserung der Wirtschaftslage und der Weg aus der Krise in der Region Südniedersachsen länger dauern, als von den ansässigen Firmen zunächst erwartet wurde.