“Lachen kann man nicht pfänden“

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Text von: redaktion

Anne Koarks Unternehmen ist pleite gegangen. Verbitterung kennt die gebürtige Engländerin aber nicht. Getreu dem Motto „Nur wer nach der Niederlage liegen bleibt, ist ein Versager“ stand sie wieder auf und gibt vielen Menschen Kraft mit ihrer unbeschwerten Art, über ihr Schicksal zu reden.

Anne Koarks Unternehmen ist pleite gegangen. Verbitterung kennt die gebürtige Engländerin aber nicht. Getreu dem Motto „Nur wer nach der Niederlage liegen bleibt, ist ein Versager“ stand sie wieder auf und gibt vielen Menschen Kraft mit ihrer unbeschwerten Art, über ihr Schicksal zu reden. Das wird sie auch auf der 6. faktor-Business-Lounge am 6. November 2008 tun.

Frau Koark, was motiviert Sie, so tiefe Einblicke in Ihre Gefühlswelt zu geben? Zunächst möchte ich den Betroffenen Mut machen. In Deutschland haftet einer Pleite ein unglaublich schlechtes Image an. Natürlich verliert man dabei viel, aber man verliert nicht alles. Vor allem verliert man nicht sich selbst. Eins kann niemand pfänden: mein Lachen. Außerdem möchte ich auch den Erfolgreichen Einblick in die Gefühle geben, die eine solche Krise mit sich bringt.

Sie betonen das sehr negative Image der Insolvenz in Deutschland. Wie gehen die Briten mit Unternehmenspleiten um? Sehr viel lockerer. Wichtig ist nur, dass es positiv weiter geht. Mich erstaunte die negative Haltung der Deutschen. Schließlich sagte meine Oma früher zu mir: „Wenn Du wissen willst, wie eine Krise bewältigt wird, dann schau auf die Deutschen und was die Trümmerfrauen nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Nichts geschaffen haben.“ Leider ist von dieser Mentalität nichts geblieben. Im Gegenteil: Jeder Neuanfang wird unnötig bürokratisiert. Auf einer Podiumsdiskussion fragte man mich, was ich von dieser Bürokratie halte. Ich antwortete, dass für mich die Toilette der einzige Ort sei, auf der ich ein Geschäft ohne Stempel erledigen könnte.

Was war für Sie das Schwierigste während und nach der Insolvenz? Ich musste mich in einer völlig neuen Welt zurecht finden. Es gab plötzlich viele Eingriffe von außen. Ich war nicht mehr versichert. Und noch heute muss ich alle meine Vortragsreisen vom Veranstalter vorfinanzieren lassen. Ich bin ja noch bis nächstes Jahr in der Entschuldungsphase. Aber auch hier gibt es Hindernisse. Ich wollte meinen Telefonvertrag gegen einen günstigeren eintauschen, durfte dies aber aufgrund meiner negativen Schufa-Auskunft nicht.

Wie hat die Insolvenz Sie persönlich verändert? Ich habe vor allem gelernt, niemals meinen Humor zu verlieren. Außerdem weiß ich jetzt, dass es immer jemanden gibt, der hilft. Bei mir waren dies vor allem meine Mitarbeiterinnen und mehrere Geschäftspartner. Und vor allem lernte ich, nicht mehr 150 Prozent meiner Energie in den Beruf zu investieren – das Operative darf den Weitblick nicht nehmen.

Welche Ziele haben Sie ? Ich möchte ein Bewusstsein schaffen: Auch Ford, Walt Disney und Hewlett Packard waren pleite, bevor sie ihre Weltunternehmen gründeten. Das sollten die Deutschen realisieren. Außerdem biete ich Managementtrainings an, bei denen es vor allem um Perspektivwechsel geht. Und für mich persönlich suche ich nach einem guten Konzept für eine neue Unternehmensgründung.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Stefan Liebig