Kultur mit Zukunft

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Text von: Tobias Kintzel

Seit fünf Jahren gibt es nun das Deutschlandstipendium. Doch wurden die Erwartungen erfüllt? Zeit für eine Bestandsaufnahme.

Mit der Einführung des Deutschlandstipendiums vor fünf Jahren wollte die Bundesregierung den Grundstein für eine neue Stipendienkultur legen. Der Plan sah vor, dass bis zu acht Prozent aller Studierenden eine Förderung erhalten sollten. Bereits zwei Jahre später wurde das Ziel auf zwei Prozent reduziert. Doch auch das war noch zu ehrgeizig: Die bis zum Jahr 2014 erreichte Förderquote lag im Durchschnitt bei nur 0,84 Prozent. An den ganz großen Wurf glaubt das Bildungsministerium wohl auch nicht mehr. Für das folgende Jahr standen 47 Millionen Euro für das Stipendienprogramm zur Verfügung, für 2016 ist die nur unwesentliche höhere Summe von 48 Millionen Euro geplant. Allerdings steht die Förderquote von unter einem Prozent für immerhin mehr als 22.500 Studierende. Somit hat sich die Zahl der mit dem Deutschlandstipendium Geförderten seit dem Start vervierfacht – und damit hat das Programm mittlerweile eine ähnliche Bedeutung erreicht wie alle anderen Begabtenförderprogramme zusammen.

Der gute Start lag sicherlich auch am Konzept: Von den 300 Euro, die begabte und gesellschaftlich engagierte Stipendiaten einkommensunabhängig im Monat erhalten, werben teilnehmende Hochschulen die Hälfte aus privater Hand ein, der Bund stockt um weitere 150 Euro auf. Neben der Mitteleinwerbung stellen die Hochschulen auch das Auswahlund Vergabeverfahren sowie die Ausgestaltung des Förderjahres sicher. Für Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen ist das Stipendium also eine niederschwellige Möglichkeit, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Bei dieser nicht ganz einfachen Bewertung darf man natürlich vor allem nicht die Wirkung für die unterstützten Studenten vergessen. „Die Förderung schafft Studenten mehr Freiraum – nicht nur für ihr Studium, sondern zum Beispiel auch für ihr ehrenamtliches Engagement“, sagt die Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Und sie hat recht mit der Aussage, dass jedes einzelne Stipendium zähle – auch wenn es ein bisschen trotzig klingt. Für eine Einschätzung der regionalen Bedeutung des Deutschlandstipendiums hat faktor bei der Universität Göttingen, zwei geförderten Studenten und einem fördernden Unternehmen nachgefragt.

Universität

Aus Sicht von Ulrike Beisiegel, Präsidentin der GeorgAugustUniversität, ist das Deutschlandstipendium ein Erfolg. Seit dem Wintersemester vor fünf Jahren wurden über 550 Studenten gefördert – in allen 13 Fakultäten. „Wir konnten bislang jedes Jahr die Zahl unserer Stipendien leicht steigern, von anfangs 71 auf 136 in der laufenden Förderperiode“, erklärt die erste Frau der Uni. Dankbar sei sie allen Förderern, die sich für das Deutschlandstipendium engagieren: den langjährigen Unterstützern und den jedes Jahr hinzukommenden. „Unter ihnen sind nicht nur viele kleinere und mittlere Unternehmen aus der Region, sondern zunehmend auch Privatpersonen und Alumni der Universität.“ Das Ziel, in Deutschland eine ‚Stipendienkultur‘ zu schaffen, sieht Beisiegel eher als eine langfristige Aufgabe, der sich die Universität gerne stelle. In die Waagschale könne sie ihre gute Vernetzung mit der Öffentlichkeit und der regionalen Wirtschaft werfen.

Stipendiaten

Frederik Kramm (25) und Niels Karschin (24) studieren beide Chemie an der Uni Göttingen und sind sich einig, dass das Deutschlandstipendium sinnvoll ist und Bedeutung für sie hat. „Ohne diese Unterstützung bräuchte ich einen Neben job, um über die Runden zu kommen. So kann ich mich voll und ganz auf meine Masterarbeit konzentrieren“, erklärt der in Hildesheim geborene Kramm. Für seinen Mitstudenten Karschin, der genau wie er in diesem Semester von Symrise aus Holzminden gefördert wird, steht ein anderer Aspekt im Vordergrund: „Es ist auch einfach schön, dieses Stipendium zu bekommen, weil es mir das Gefühl gibt, dass meine Arbeit und meine Erfolge in Schule und Studium wertgeschätzt werden.“ Beide loben das unkomplizierte Bewerbungsverfahren, das über eine Onlineplattform abgewickelt wird. „Es ist wohl die kürzeste und unkomplizierteste Stipendienbewerbung, von der ich je gehört habe“, sagt Karschin. Einen Wunsch gibt Kramm Symrise als förderndem Unternehmen noch mit auf den Weg: „Eine Führung durch den Betrieb wäre super, um einen tieferen Einblick in das Unternehmen zu bekommen und den Kontakt zu stärken.“

Förderer

Der Duftund Aromastoffhersteller Symrise mit Sitz in Holzminden ist ein aktiver Förderer: Nicht nur über das Deutschlandstipendium, sondern auch über andere Kooperationsformen werden verschiedene Universitäten in Niedersachsen unterstützt. Der Fokus liegt auf Innovationsprojekten und Weiterbildung. „Wir investieren damit in eine gute Ausbildung von Akademikern und natürlich auch potenziellen Führungskräften“, erläutert Bernhard Kott, Leiter des Bereichs Corporate Communications. Für Symrise steht beim Deutschlandstipendium die finanzielle Unterstützung der Studenten im Vordergrund. „Wir prüfen immer, inwieweit es Möglichkeiten der Einbindung in die betrieblichen Abläufe gibt, was aber nicht unbedingt Voraussetzung für eine Förderung ist“, sagt Kott und betont, dass vor allem die Zusammenarbeit mit der Uni Göttingen sehr kooperativ und unkompliziert sei. Auch das Gesamtfazit zum Deutschlandstipendium fällt positiv aus. „Wir haben uns mit den größeren niedersächsischen Unternehmen abgestimmt und dieses Stipendium als gute Maßnahme empfohlen.“

Kontakt für Förderer

Unternehmen, die sich dafür interessieren, Studenten durch ein Deutschlandstipendium zu fördern, können sich an der Uni Göttingen informieren. Dr. Ulrich Steinmetz, Bereich Fundraising, Wilhelmsplatz 3, 37073 Göttingen, Tel. 0551 3926200, ulrich.steinmetz@zvw.uni-goettingen.de