Konzentriert aufs Wesentliche

Text von: Claudia Klaft

Der Geschäftsführer des Göttinger Tageblatts, Ralf Halfbrodt, mag es gern funktionell.

„Einen übervollen Schreibtisch mag ich nicht“, sagt Ralf Halfbrodt mit Blick auf die große Arbeitsfläche, die sehr aufgeräumt wirkt. PC-Monitor, Telefon und Unterschriftenmappe sind wirklich nichts, was ihn von seiner Arbeit ablenken könnte.

Doch ein paar Kleinigkeiten, die ihn auf dieser großen Fläche aus seinen geschäftlichen Gedanken reißen könnten, verleihen dem Tisch eine persönliche Note: ein Bilderrahmen mit den Fotos seiner drei Kinder (4, 8 und 11 Jahre alt), ein selbstgebasteltes Huhn mit Küken aus Papier sowie ein Spielzeugauto.

„Das Huhn mit seinem Küken hat mir meine achtjährige Tochter zu Ostern geschenkt“, erzählt Halfbrodt nicht ohne Stolz. Von seinem jüngsten Sohn ist das Spielzeugauto. „Eigentlich hat er es vom Autohändler geschenkt bekommen, als wir unseren Neuwagen abgeholt haben. Aber er wollte unbedingt, dass ich es auf meinen Schreibtisch stelle“, sagt der Familienvater schmunzelnd.

Seit März 2011 ist er Geschäftsführer des Göttinger Tageblatts, für ihn ein konsequenter nächster Schritt in seiner Berufslaufbahn, der aber zeitlich überraschend kam.

Seit 1996 arbeitet Halfbrodt bereits für die Mediengruppe Madsack, war zuletzt Kaufmännischer Leiter Teilkonzern Mitte sowie Geschäftsführer einiger kleinerer Verlage in der Region Hannover, die zum Konzern gehören.

Obwohl er stets viel für Madsack unterwegs war – an Göttingen ist er meistens nur vorbeigefahren. Sicherlich, das Verlagshaus kannte er, aber nicht die Stadt. Dafür waren ihm Arbeitsinhalte und Aufgabenstellung der Position geläufig.

Umgestaltet

Als der gebürtige Braunschweiger das geräumige Eckbüro mit den rundum bodentiefen Fenstern im dritten Stock des Verlagshauses bezog, hat er das Mobiliar neu arrangiert und dem Raum eine andere Struktur gegeben.

Manche Einrichtungsgegenstände mussten weichen – auch die Bilder an der Wand. Jetzt sind die Wände weiß und bieten einen starken Kontrast zu den dunklen Möbeln.

Nur in der Konferenzecke gegenüber seinem Schreibtisch hätte es Halfbrodt gern farbig. „Hier fehlt ein großes buntes Bild“, meint er. Nichts Plakatives, aber etwas Fröhliches in den Farben gelb, orange oder auch blau. Modern muss es sein, sicher wird sich dort „kein alter Meister“ wiederfinden. Aber für die Suche nimmt er sich Zeit. Es muss eben passen.

Modern will der 48-Jährige auch das Göttinger Tageblatt in die Zukunft führen.

Er, der immer noch am liebsten die gedruckte Zeitung liest. Doch er gibt zu, trotzdem nicht auf die neuen elektronischen Varianten verzichten zu können, schon aus praktischen Gründen.

Die Tageszeitung attraktiv zu gestalten und mit der modernen Technik neue Wege zu gehen, das sieht Halfbrodt als Herausforderung. „Die Zukunftsplanung hat einen gehörigen Anteil an meiner Arbeit“, sagt er, der sich selbst als aktiven Gestalter bezeichnet.

Sich dabei auf das Wesentliche zu konzentrieren, davon könnte ihn eigentlich nur der weitläufige Blick auf die Stadt ablenken, die er noch richtig kennenlernen muss.