Komm unter meine Decke

©WRG
Text von: Christian Vogelbein

Viele Jahre haben sie entwickelt und experimentiert – jetzt ist sie da: die ,Super-Heizung‘. Mit Deckenwärme aus Lehm wollen zwei Gründer aus Scheden die Welt erobern.

Wer mag es nicht, die angenehme Wärme der Sonne zu spüren, mit der wir im Sommer so reichlich beschenkt werden? Doch was, wenn die Tage wieder kürzer werden und die Temperaturen sinken? Dann werfen wir die Heizung an – und das Raumklima, das dann herrscht, macht uns allzu oft krank. Die von den Heizkörpern erwärmte Luft ist trocken, und wir haben unter deren Folgen zu leiden. Aber auch die Umwelt leidet, denn die üblichen Konvektorheizungen verbrauchen viel Heizöl und verursachen einen hohen CO2-Ausstoß. Zwei Gründer aus Scheden wollen hier Abhilfe schaffen und planen noch in diesem Jahr, mit ihrer Firma ArgillaTherm den Markt für Zimmerheizungen zu stürmen.

Wärme wie von der Sonne und dazu noch kombiniert mit vitalisierend frischer Luft, das ist es, was das optimale und gesunde Raumklima ausmacht – und die technische Revolution aus dem ,Tüftelkeller‘ von Jan Grünewald und Axel Lange (Foto, v. l.). Neu dabei ist die Kombination aus natürlichem Lehm als Trägermaterial für die Wärme und einer modernen und raffinierten Sensortechnik, die es ermöglicht, noch energieeffizienter zu arbeiten. Schon vor dem Markteintritt wurden die Erfinder nun mit der ,Gute Gründer‘- Urkunde der Göttinger Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung (GWG) und der Wirtschaftsregion Göttingen (WRG) ausgezeichnet – eine Ehrung für vielversprechende und mutige Gründer, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen. Dabei ist eben dieser Schritt für beide nicht neu. Jan Grünewald ist mit seiner Plan- und Baufirma in Scheden seit Jahren erfolgreich. Axel Lange war bereits mehrfach Geschäftsführer und ist nun auch bei AgillaTherm ganz vorne mit dabei. Heute profitieren die Tüftler massiv von ihrer Erfahrung als Unternehmer, aber auch von der als Bastler.

In einer Garage – fast wie bei einer bekannten Erfolgsgeschichte aus dem Silicon Valley – haben sie gegrübelt und experimentiert, bis das Ergebnis ihren Vorstellungen entsprach. Dabei hatten sich die Zwei überlegt, wie die Raumheizung von morgen aussehen könnte. Schnell war klar: Nur eine Deckenheizung erreicht das gewollte Optimum. Das Resultat: die Lehmbausystemplatte Toskana, welche in einem weltweit einmaligen Flächenpressverfahren hergestellt wird – eine Lehmplatte mit eingepressten Holzträger.

„Bis wir technisch so weit waren, haben wir mit Omas Kuchenblechen herumexperimentiert. Inzwischen haben wir eine Firma gefunden, die uns die Platten so herstellt, wie wir sie brauchen“, erzählt Grünewald.

Je nach Heizlastbedarf werden in das Muster die berechneten Meter an Heizkabel oder Wasserrohre aus Kunststoff verlegt. Was zu Beginn noch durch Ausprobieren getestet wurde, wird inzwischen über Computersoftware realisiert. Die Sensoren, die sowohl Feuchtigkeit als auch Wärmegehalt messen, sind direkt im Lehm untergebracht. „Dieser Naturbaustoff ist das ideale Material für unser Produkt“, erklärt Lange.

„Das Holz dient dann als Isolator, damit die Wärme nur in eine Richtung abstrahlt. Schon allein den Lehm fest genug zu bekommen und gleichzeitig die Wärmeleitungen optimal im Stoff anzubringen, ist eine Revolution in Sachen Deckenheizung“, sagt Grünewald überzeugt.

Das Ganze in ein fertiges, kompaktes und einfach zu installierendes Produkt zu verpacken, sei im Grunde gleich die nächste. Doch was im Ergebnis einfach klingt, hat die Unternehmer gut drei Jahre lang Ingenieurskunst, Zeit und Geld gekostet. Und auch die Sache mit Omas Backblechen ist kein Scherz: Noch immer lagern in Grünewalds Keller die ersten Versuchs exemplare aus Lehm – noch brüchig, zu schwer und alles andere als effizient. Heute sind die beiden so weit, dass in Scheden sogar ein Ausstellungshaus entsteht. Die Büros von Grünewalds Baufirma werden gerade saniert – inklusive neuer Heizung von Agilla Therm und einem kleinen Loch im Besprechungsraum, durch das sie die Technik vor Ort erklären.

Langfristig sollen in allen großen deutschen Städten Ausstellungsräume der Firma entstehen, und irgendwann soll der ganzen Welt eingeheizt werden, so das erklärte Ziel von Axel Lange und Jan Grünewald. In i hren Auftrags büchern stehen bereits zahlreiche Namen. Heißt: Nicht nur die WRG und die GWG sind schon jetzt von den ,Guten Gründern‘ überzeugt.

Gute Gründer

Die Urkunde ,Gute Gründe(r)‘ wird zweimal im Jahr von der GWG und der WRG in Kooperation mit dem faktor an jung gegründete Unternehmen vergeben. Mit der Urkunde werden vor allem neue, vielversprechende und tragfähige Geschäftsideen ausgezeichnet, die in besonderer Weise dazu geeignet sind, ein positives Gründungsklima in Göttingen zu fördern und Mut zu machen, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.