Knappe Kiste

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Marisa Müller

Das Verpackungscluster feiert zehnjähriges Bestehen – dank Roland Marx in der Hauptrolle.

Roland Marx, Geschäftsführer des Verpackungsclusters Südniedersachsen, hat alles fest im Griff. Belanglosigkeiten, nicht sein Ding. Und so kam es, dass die klitzekleine Tatsache des zehnjährigen Bestehens seines Clusters fast in Vergessenheit geraten wäre. Wäre der 62-Jährige nicht zufällig über diesen alten Aktenordner gestolpert…

Herr Marx, zehn Jahre, ein Jubiläum – darauf bereiten sich andere strategisch und präzise geplant vor. Was war da los?
Nun, eigentlich nichts (grinst). Irgendwie haben wir nicht daran gedacht. Außerdem stellt sich die Frage, welcher Umstand genau gefeiert werden soll. Der allererste Anfang des Verpackungsclusters in Südniedersachsen, die Gründung des Vereins und und und – da gibt es vieles. Aber beim Blättern in alten Akten fiel es mir tatsächlich plötzlich wie Schuppen von den Augen: zehn Jahre, eine lange Zeit!

Seit dem ersten Tag sind Sie dabei. Wie sind Sie zu den Verpackungen gekommen?
Metall. Ich hatte bereits ein Cluster in Nordhessen aufgebaut. Das kam gut an, und ich wurde gefragt, ob ich nicht auch hier mein Know-how einbringen könnte.

Und heute sind Sie Verpackungsprofi?
Mitnichten! Ich organisiere für Unternehmen aus der Verpackungsbranche verschiedene Dinge, aber auch für Branchenfremde. Ich bin aber kein Verpackungsexperte. Wenn diese Kompetenz gefragt wird, greife ich auf unseren Vorstand oder unsere Mitgliedsunternehmen zurück. Meine Weihnachtsgeschenke verpacke ich aber schon noch selbst. (zwinkert)

Was sind die wichtigsten Aufgaben des Clusters?
Am meisten geht es um Einkauf. Firmenfahrzeuge, Treibstoff, Energie – das sind Dinge, die alle KMUs brauchen. Der Zusammenschluss vieler gewährleistet günstigere Preise. Außerdem wichtig: unsere Treffen. Sehr beliebt sind Werksführungen. Und die Angebote der ClusterAkademie werden gern genutzt – auch von Firmen, die bei uns nicht Mitglied sind.

Klingt nach einer Menge Arbeit …
Sieben-Tage-Woche, immer im Einsatz. Ich liebe das! Gespräche führen, Kontakte knüpfen, unterwegs sein. Wenn ich mal zwangsweise nichts zu tun habe, werde ich nervös. Meine Frau sagt dann, dass ich grummelig und ungenießbar werde. Nicht mal eine Meniskusverletzung hat mich lange lahmgelegt. Ich brauchte dann eben Fahrer, meine Tochter, Mitfahrgelegenheiten aus dem Bekanntenkreis …, so ist das eben mit mir.

Was war in den zehn Jahren Ihr größter Coup?
(grübelt) Wohl gleich zu Anfang der Deal mit der Energieversorgung. Für unsere Mitglieder haben wir zum Start des Clusters günstige Konditionen verhandelt. Das war auch meine Feuertaufe. Bestanden, würde ich sagen. Danach wurde es einfacher.

Wie meinen Sie das? Was war so schwer?
Zu Beginn wollten alle zwar mal ,reinschauen‘, aber bloß nichts investieren. Ein Ding der Unmöglichkeit, eigene Erfahrungen oder ‚Geheimnisse‘ preiszugeben. Aber so lässt es sich schlecht netzwerken. Viele Geschäftsführer, die sich gegenseitig taxiert haben. Und davor ich, in der Rolle des Allein unterhalters. Es war ein hartes Stück Arbeit, die Mitglieder von den Vorteilen unseres Netzwerks zu überzeugen. Spannender für uns als Cluster war die Frage, ob sich das alles wirtschaftlich selber tragen kann. Aber es hat geklappt. Sogar besser als erwartet.

Warum sollte ein Unternehmen Mitglied werden?
Weil wir unheimlich viele Möglichkeiten haben, Lösungen zu finden, Nachrichten zu verbreiten, Multiplikatoren auszumachen – das Cluster ist lebendig. Auch die Zusammenarbeit mit weiteren Netzwerken verstärkt diese Effekte. Außerdem ist die Tatsache nützlich, dass wir zwar fokussiert auf die Verpackungsbranche sind, aber auch andere Mitglieder aufnehmen, die ihrerseits frischen Wind und neue Ideen beisteuern.

Was war rückblickend Ihr größter Misserfolg?
Die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft – sie ist letztlich fehlgeschlagen. Die Wirtschaft erwartet in der Regel schnelle Lösungen und Ergebnisse, die Wissenschaft ist an dem bestmöglichen Ergebnis interessiert. Der faktor Zeit spielt da eine eher untergeordnete Rolle. Feuer und Wasser. Das klappt nur, wenn die zugehörigen Menschen anders ticken. Die Suche geht also weiter.

Zu Ihrem Start vor zehn Jahren haben Sie faktor einmal verraten, dass Sie als Kind gern Elektriker geworden wären. Dieser Traum ist heute ja thematisch meilenweit entfernt.
Stimmt, so wie damals andere Jungs Lokomotivführer. 1999 habe ich mich aber doch lieber selbständig gemacht, berate seither Unternehmen und manage die Cluster. Ein schöner und abwechslungsreicher Job.

Und die Fahrerei? Sie leben ja im Sauerland …
Wenn ich keine Termine bei den Clustern oder Beratungskunden wahrnehme, was etwa viermal pro Woche der Fall ist, arbeite ich in meinem Büro im Sauerland und freue mich über die Nähe zu meiner Familie. Das ist meine persönliche Energiequelle. Die ca. 800 Auto fahrtstunden im Jahr – das ist für mich fast immer ,Entspannung pur‘.

Und was tun Sie, wenn Sie einmal nicht arbeiten?
Ich habe ein grünes Fischerboot. Wenn ich einmal so richtig abschalten muss, fahre ich zum Diemelsee, lasse das Land hinter mir und treibe dann gefühlte Stunden auf dem See. Und meine zwei Wochen Hüttenurlaub in Österreich über die Weihnachtszeit sind mir heilig. Die ganze Familie kommt dann zusammen. Hin und wieder etwas Tennis …

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?
Für das Cluster heißt es, auf zu neuen Ufern: bundesweit mehr Vernetzung für die Zukunft. Und ich mache weiter, solange es erwünscht ist und ich es gesundheitlich kann. Ein zeitliches Limit habe ich mir nicht gesetzt.

Vielen Dank für das Gespräch. 

Roland Marx pendelt als Geschäftsführer des Verpackungsclusters Südniedersachsen seit mehr als zehn Jahren zwischen dem Sauerland und Hann. Münden. Hauptberuflich berät er seit 1999 Unternehmen mit seiner Firma New Business Solution und zusätzlich seit 2003 als Leiter des Steinbeis-Transferzentrums Nordhessen – von Business- Check, Sanierungen, Unternehmensnachfolgen bis hin zur Strategie. Neben dem Verpackungscluster ist der 62-Jährige auch für das MetallCluster Waldeck-Frankenberg mitverantwortlich. Kontakt: info@verpackungscluster.de

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