Klein – aber oho

© Da Silva
Text von: Claudia Klaft

Für ausländische Fachkräfte, wie die junge Polina Chernukha, ist Göttingen ein lohnenswertes Ziel.

Göttingen ist nur ein kleines Städtchen. Im Gegensatz zu den Metropolen dieser Welt. Und doch gibt es hier etwas, das selbst Menschen aus fernen Ländern hierher lockt: Den passenden Arbeitsplatz. Polina Chernukha hat beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Stelle gefunden, bei der sie in ihrem Fachgebiet internationale Erfahrung sammeln kann. „Ich habe hier schöne und einzigartige Möglichkeiten, meine Kenntnisse zu vertiefen und neue Entwicklungen zu begleiten“, sagt die ausgebildete Aerodynamikerin.

Die 32-Jährige ist eigentlich Dozentin an der Staatlich-Technischen N.E.Bauman-Universität, einer der beiden großen Universitäten in Moskau und sehr zufrieden mit ihrer Arbeit. Doch ihre Neugier auf ausländische wissenschaftliche Forschung wie auch darauf, fremde Kulturen kennen zu lernen, veranlasste sie dazu, sich nach einer Stelle jenseits der Landesgrenzen umzuschauen.

Aber wie kam Polina Chernukha ausgerechnet nach Göttingen? Durch Zufall. Denn dass das DLR Spitzenforschung in Aerodynamik betreibt, war ihr unbekannt und sie erfuhr es erst durch ihre Recherche beim Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD). „Auf dessen Webseite habe ich den Suchbegriff ‚Aerodynamik’ eingegeben und zum Glück das DLR gefunden“, erklärt sie.

Die Beste ihres Fachs

Als Beste ihres Fachs bekam sie ein Stipendium des DAAD, das sie über Berlin nach Göttingen führte. Am hiesigen Goethe-Institut vervollkommnet sie ihre Sprachkenntnisse und spricht mittlerweile fließend Deutsch. Gleichzeitig arbeitet sie in der Experimentalabteilung für Aerodynamik am DLR – ein Job, der ihr großen Spaß macht: „Hier kann ich auf internationalem Niveau mit Experten meines Fachs zusammen arbeiten.“ Gleichzeitig kann sie sich mit modernster Technologie vertraut machen, die sie so von ihrer Arbeit in Moskau nicht kennt.

Und wie gefällt ihr Göttingen? Sie wusste nichts von der Exzellenz-Universität und war überrascht, wie viele junge Menschen hier leben. Polina Chernukha lebt gerne hier, denn „die Leute lächeln hier alle und sind positiv, ganz anders als in einer Großstadt.“ Besonders beeindruckt ist sie jedoch, wie sehr Göttingen mit der Geschichte verwoben ist: Auf den vielen Häusertafeln findet sie die Namen von Wissenschaftlern und Nobelpreisträgern, die sie von ihrer naturwissenschaftlichen Ausbildung her bestens kennt, die sie jedoch nie mit Göttingen in Verbindung gebracht hätte.

Im September 2011 endet ihr Stipendium und ihre ursprüngliche Planung war, wieder nach Moskau zurückzukehren. Doch mittlerweile hat sich etwas Entscheidendes geändert: Das DLR hat ihr eine gute Stelle angeboten, bei der sie ihre Forschungsarbeit hier fortsetzen kann. Und es freut sie, dass sie diese Chance ergreifen kann, denn Göttingen und der hiesige Lebensrhythmus sind ihr sehr sympathisch.

Polina Chernukha ist nur ein Beispiel von vielen ausländischen Fachkräften, die gerne hier in der Region arbeiten. Das Goethe-Institut leistet dabei nicht nur Hilfe, Sprachkenntnisse zu erwerben und zu vertiefen. Neben speziellen Deutschkursen für Mediziner gibt es für Fortgeschrittene einen berufsbegleitenden Kurs für Kommunikation im Alltag. „Die Nachfrage nach solchen Angeboten steigt“, berichtet Institutsleiter Stephan Hoffman. Auch geniusgöttingen hat nach Sprachkursen für ausländische Fachkräfte angefragt. Denn bei der Suche nach geeignetem Personal hilft eben auch der Blick über die Grenzen hinweg. Wichtig dabei wäre nur, die Region so zu bewerben, dass sie im Ausland nicht nur zufällig gefunden wird, sondern generell bekannt ist.

Internationales Niveau, modernste Technologie, gute Arbeitsbedingungen. Göttingen ist zwar klein, aber oho.

Hintergrund

Das Goethe-Institut e.V. ist eine Mittlerorganisation des Bundes, deren Ziele die Förderung der Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland, die Pflege der internationalen kulturellen Zusammenarbeit und die Vermittlung eines umfassenden Deutschlandbildes durch Informationen über das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben sind.

Das Goethe-Institut in Göttingen erteilt Unterricht in Deutsch als Fremdsprache in Intensivkursen und Abendkursen für internationale Kursteilnehmer, die sich in Deutschland aufhalten. Es bietet u.a. auf Wunsch spezielle Firmenkurse und maßgeschneiderte Individualkurse für Führungskräfte an.

Ansprechpartner: Alice Schrape
Telefon: 0551/547440
www.goethe.de/goettingen