Kittelbrennfaktor – was tun?

Diana Scholl und Jörn Kater ©Marco Bühl
Text von: redaktion

„Was die Regierung in Berlin beschließt, geht an der Praxis vorbei“ – wird diese Kritik in Unternehmenskreisen geäußert, finden sich schnell Gleichgesinnte. Praxisnahe Beschlüsse lassen sich jedoch nur umsetzen, wenn Firmen bereits im Vorfeld ihre Wünsche zielgerichtet in die Politik geben.

Wie das geht, verriet Diana Scholl, Leiterin politische Netzwerke und Strategie des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, beim Unternehmerfrühstück des BVMW Südniedersachsen: „Einzelne Firmen können nichts ausrichten, aber in Summe können wir als starke Interessensvertretung viel bewegen.“ Vor allem wären Politiker dann beeindruckt, wenn sie Unternehmer mit zum Gespräch bringt, die konkret von ihren Kittelbrennfaktoren berichten. „Das ist die besondere Stärke unseres Verbands, von der alle Seiten profitieren.“

Nur meckern und nichts tun sei jedoch leider weit verbreitet, berichtete Jörn Kater, Gastgeber und Regionalleiter Südniedersachsen des BVMW: „Dabei verstärkt doch jede Stimme die Relevanz des an die Politik herangetragenen Problems.“ Scholl bekräftigte: „Wir können uns nur um das kümmern, was an uns herangetragen wird.“ Mit 56 BVMW-Kollegen in Berlin gebe es eine große Schlagkraft, die jedes Unternehmen gut nutzen könne. „Schließlich sind wir es auch, die beim Bundesverfassungsgericht die Klage für die Abschaffung des Solidaritätszuschlags eingereicht haben.“

Um die Erreichbarkeit der kommunalen und regionalen Politik ging es bei der weiteren lebhaften Diskussion mit den anwesenden 30 Unternehmern. „Der Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft, trotzdem sagen uns politische Vertreter öfters ab, wenn wir sie zu uns einladen,“ sagte Kater. Roy Kühne (CDU), Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Goslar-Northeim-Osterode, rollte das Feld von der anderen Seite auf: „Unternehmern fehlt leider der Mut, sich selbst politisch zu engagieren. Sie haben Angst, Kunden oder Mitarbeiter zu verlieren.“ Christian Grascha (FDP), Mitglied des niedersächsischen Landtags, pflichtete ihm bei: „Nur wenn Unternehmer Flagge zeigen, können Sie Beschlüsse mitgestalten.“

Flagge zeigen und sich einmischen „bevor der Kittel brennt“ sei beim BVMW gewünscht, so Scholl: „Wir bündeln Interessen und zeigen, gemeinsam mit Vertretern mittelständischer Firmen, den konkreten Handlungsbedarf für die Politik auf.“ Welche Kittelbrennfaktoren sie aus Südniedersachsen mitnehmen soll, erzählten ihr die Gäste beim abschließenden Frühstück im Autohaus am Harztor.

Unternehmen und Politik treffen sich wieder beim 29. Business-Meeting des BVMW Südniedersachsen am 12. März mit Wolfgang Bosbach. Sein Thema: ‚Halbzeit in Berlin. Neustart oder weiter wie bisher?‘