Kindergeschrei im Seniorenheim? Der Luisenhof macht’s möglich

© IStockPhoto/Colin Brough
Text von: Marisa Müller

Luisenhof Göttingen schafft in Kooperation mit dem Weender Krankenhaus und dem ASC Raum für neue Kinderbetreuung in Göttingen. 25 Krippen- und 25 Kindergartenplätze wurden geschaffen. Für 500.000 Euro werden im Augenblick Räumlichkeiten der Pflege- und Betreuungseinrichtung kindgerecht umgebaut. Die Eröffnung ist am 1. September.

Der Luisenhof in Göttingen baut. Die betroffene Wohneinheit 16 war allerdings weder stark renovierungsbedürftig noch überflüssig – dort wo bislang Senioren residierten werden ab September Kinder toben und spielen.

Der Luisenhof investiert damit in seine Zukunft. „Wer Mitarbeiter hat, muss für die auch etwas tun. Und besonders alleinerziehende Mütter haben häufig ein Betreuungsproblem, besonders wenn sie eigentlich wieder in ihrem Beruf arbeiten wollen. Wir schaffen mit dem Projekt nun Abhilfe – gut für die Mitarbeiter und somit auch für den Luisenhof“, erklärt Michael Eisenberg, Hausleiter des Zentrums für Pflege und Betreuung.

Um ein solches Projekt zu realisieren braucht es starke Partner. Das Evangelische Krankenhaus Göttingen Weende ist Kooperationspartner des Luisenhofes, Betreiber wird der ASC sein. Durch die Partner kommen verschiedene Einflüsse zusammen. Der Sport- und Bewegungscharakter stammt vom ASC, die christlichen Grundwerte vom Krankenhaus Weende und das generationsübergreifende Konzept vom Luisenhof.

Das Krankenhaus Weende und der Luisenhof verfügen dank der Eigeninitiative über jeweils zehn Belegplätze für die eigenen Mitarbeiter. „Die 25 Krippenplätze sind fast vollständig vergeben, die Kindertagesstätte ist auch so gut wie belegt“, meldet Eisenberg.

Sämtliche Bauarbeiten sind momentan in vollem Gange. „Inzwischen kann sogar ich als Laie Fortschritte erkennen. Der Fliesenleger hat die ersten Mosaikfliesen angebracht“, erzählt Eisenberg erleichtert und weist auf die orange-rote Fläche. Tatsächlich kann man sich Bereich der künftigen Kindertagesstätte bereits vorstellen. Vor allem, weil Eisenberg lebhaft von den Plänen und der Gestaltung berichtet. Einen gemütlichen Ohrensessel möchte der Hausleiter im Schlafraum der Kinderkrippe aufstellen: „Die älteren Herrschaften können dann vorlesen und Geschichten erzählen“, erläutert er das Mehrgenerationenkonzept.

Als die Bewohner des Luisenhofes von der Planung der Kinderbetreuungseinrichtung erfuhren, sei die Grundstimmung durchweg positiv gewesen. Die Senioren sehen die 50 Kinder auf dem Gelände als Bereicherung. „Neulich habe ich gehört, wie zwei Bewohnerinnen sich unterhielten. ‚Wenn erstmal die Kleinen da sind‘ haben sie gesagt…“, sagt Eisenberg mit einem Lächeln.

„Für mich ist das ein Herzensprojekt. Wir verdienen damit kein Geld, der Gewinn ist aber viel besser. Wir können so Mitarbeitern helfen, neue Angestellte finden und diese können das Angebot nutzen und so bei uns bleiben“, freut sich der Hausleiter. Idealerweise sind die Öffnungszeiten der Kinderbetreuung an die Arbeitszeiten im Krankenhaus Weende und im Luisenhof angepasst; dies ist bei öffentlichen Betreuungsstätten längst keine Selbstverständlichkeit.

Für Eisenberg ist das Projekt Neuland, aber er ist sich seiner Sache sicher. „Man kann lange rechnen, oder man macht es einfach“, sagt er und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Übrigens ist an dieser Stelle für Optimist Eisenberg noch lange nicht Schluss: Wenn der Bedarf nicht abgedeckt werden kann, müssen wir uns etwas einfallen lassen, verrät der energiegeladene Luisenhofleiter.

Als nächstes steht erstmal der Tag der offenen Tür am 17. September an. Dort gewährt der Luisenhof zwischen 10 und 18 Uhr Einblicke hinter die Kulissen; natürlich wird auch die Kindertagesstätte geöffnet sein!