Kein Sch…job

©Marco Bühl
Text von: Marisa Müller

Aus Dreck wird klares Wasser – fast Zauberei, was die Azubis der Göttinger Kläranlage leisten.

Den Moment, als Johann Busse zum ersten Mal das zehn Hektar große Gelände der Göttinger Kläranlage betrat, hat der heute 20-Jährige noch klar vor der Nase: „Etwas streng riecht es dann schon, war mein erster Gedanke.“ Zwei Jahre ist das nun her, als er und seine Kollegin Franziska Bodmann die bunten Türme im Norden der Stadt aus der Nähe unter die Lupe nahmen. Fachkraft für Abwassertechnik – das war und ist ihr Ziel. Zwischen Rechen und Nachklärbecken erklärt Franziska heute gekonnt die Details der Anlage.

In erster Linie geht es um das Abwasser von Göttingen. Alles, was in den Abfluss kommt oder die Toilette hinuntergespült wird, landet in den großen Becken. Hier reinigen die Fachkräfte Abwässer, warten die Rohrsysteme und steuern die Abläufe des gesamten Systems. Häufig verstopft unsachgemäß entsorgter Müll die Anlage, der dann manuell entfernt werden muss. „Nicht immer angenehm, aber kein Problem“, sagt Franziska.

Ob Wattestäbchen, Damenbinde, Geschirrhandtuch oder Essensrest – die beiden haben schon einiges gesehen. Dass das jedoch nur einen kleinen Teil des Berufs ausmacht, wissen nur wenige. Die 18-Jährige schätzt diese Vielfalt: Ein bisschen Schlosser sein, ein wenig als Techniker arbeiten und mechanische Teile reparieren, als Chemikant Abwasser im Labor mikroskopieren und Messdaten kontrollieren – ja, sogar Grünpflege ist Teil ihres angestrebten Jobs. Und es ist ein Job, der Perspektive bietet.

„Auf Toilette müssen Menschen immer. Abwässer zu reinigen ist also zu allen Zeiten notwendig“, erklärt Johann pragmatisch. Es muss übrigens nicht immer ein klassisches Klärwerk sein. Fachkräfte für Abwassertechnik werden auch auf Ozeanriesen gebraucht und betreuen die Anlagen der Kreuzfahrschiffe. Ein guter Weg für Unentschlossene, begründet durch die stetige Abwechslung und Vielfalt, sagt Johann. „Aber besser, wenn man keine allzu sensible Nase hat.“

39 Stunden pro Woche, 29 Urlaubstage, Zusatzleistungen wie Kostenübernahme von Lehrmaterial, Arbeitskleidung, Lehrgänge, Transfer, Unterbringung Berufsschule usw. Gehalt: 1. Jahr 868 Euro, 2. Jahr 913 Euro, 3. Jahr 959 Euro.

Praktika bieten einen guten Einblick. E-Mail mit Bewerbungsunterlagen an geb@goettingen.de