© Luka Gorjup
Text von: Lea van der Pütten

Mit Fingerfertigkeit und der Leidenschaft für Zahlen hat Melanie Hille durch eine Ausbildung zur Feinoptikerin ihren Traumjob gefunden.

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Lena Spöring absolviert derzeit eine dreijährige Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation und sammelt erste Berufserfahrung im Social-Media-Marketing bei der Influencer-Marketing-Agentur Lookfamed in Göttingen. Im Interview spricht die 21-Jährige über ihren Alltag in der digitalen Welt und zeigt auf, dass hinter dem Begriff Social Media auch durchaus seriöse Berufsbilder mit Zukunft stecken.

Lena, du absolvierst gerade deine Ausbildung bei Lookfamed, einer Agentur für Influencer-­Marketing, und bist dabei tagtäglich in den sozialen Netzwerken unterwegs. Beschreibe Social Media mit drei Begriffen.

Präsent, einflussreich und schnelllebig.

Sind dies auch ausschlaggebenden Gründe, die dich dazu bewegt haben, in genau diesem Bereich beruflich Fuß zu fassen?

Als Kind wollte ich eigentlich Tierärztin werden … [lacht] Vor dem Abi wusste ich dann aber nicht mehr genau, was ich wollte, und habe zunächst angefangen, in Gießen ,Bewegung und Gesundheit‘ zu studieren – etwas ganz anderes also – und stellte auch schnell fest: Das passt nicht zu mir! Also ging ich wieder auf die Suche. Da ich kreativ bin und auch gerne zeichne, bin ich schließlich auf den Beruf Kauffrau für Marketingkommunikation gestoßen und habe mich direkt bei Lookfamed beworben.

… einer Agentur für Influencer Marketing – was kann man sich darunter überhaupt vorstellen?

Influencer sind Meinungsführer, also Personen, die über eine große Community und Reichweite verfügen. Sie werden dabei oft als Vorbilder gesehen und können ihre Follower für bestimmte Dinge begeistern. Da setzt das Influencer-Marketing an. Wir nutzen deren  Reichweite für die Werbezwecke von Unternehmen. Dabei kommt es natürlich darauf an, dass der Influencer zu dem Unternehmen passt, denn nur, wenn der Influencer von dem Produkt überzeugt ist, kann es auch authentisch und natürlich beworben werden. Das läuft dann vor allem über Kanäle wie Instagram – aber auch TikTok gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Was waren deine bisherigen Aufgaben als Kauffrau für Marketingkommunikation?

Es kommt immer auf die Abteilung an – und davon gibt es bei Lookfamed so einige, die man während der Ausbildung durchläuft. Als Erstes war ich im Campaign-Bereich. Dort ist ein großer Teil der Aufgaben die Konzepterstellung, wie zum Beispiel Kampagnen für große Marken, aber auch die Kontaktaufnahme mit den Unternehmen und die Erstellung von Reportings der Insights, also letztendlich der Berichte darüber, wie erfolgreich eine Kampagne war. Danach war ich im Social Media Consulting. Auch hier gehören Reportings zu den Aufgaben, aber auch die Erstellung von Moodboards, also von Stimmungs­tafeln, die uns dabei helfen, die Zielgruppe und unsere Ideen zu visualisieren, sowie das Planen und Durchführen von Fotoshootings. Das gefällt mir bisher auch am besten. Wir arbeiten dafür viel mit Pinterest, es kommen aber auch Tool wie Photo­shop oder Canva zum Einsatz. Aktuell bin ich im Blogger Management. Hier steht der Kundenkontakt im Vordergrund. Da geht es dann auch viel um Recherche, um die richtigen Unternehmen für Influencer zu finden und diese zu connecten. Da ist es besonders schön, zu sehen, wenn die Kunden am Ende mit unserer Arbeit zufrieden sind.

Welche Erwartungen hattest du denn vorab an deine Ausbildung? Und wie sieht die Realität aus?

Ich bin mit der Erwartung gestartet, dass ich sehr kreativ sein kann und meine eigenen Ideen mit in die Projekte einbringe. Außerdem wollte ich lernen, mit Kunden zu kommunizieren. Und jetzt? Natürlich kommt es auf die einzelnen Aufgaben oder Abteilungen an, wie stark ich mich jeweils kreativ ausleben kann … – aber eigentlich ist alles genau wie erwartet! [lacht]

Triffst du auch einflussreiche Stars? Hat das für dich bei der Berufswahl eine Rolle gespielt?

Natürlich trifft man auch immer mal wieder einen unserer Influencer, und es ist schön, sie auch mal in ,echt‘ zu erleben, da man sie ja sonst nur auf Insta­gram sieht. Zudem haben wir vor Corona auch Events für unsere Blogger ausgerichtet, und da trifft man dann auch mal den einen oder anderen großen Influencer, der nicht exklusiv bei uns unter Vertrag ist. Aber das spielt in meinen Augen überhaupt keine Rolle. Influencer sind wie andere Menschen auch. Sie stehen halt nur in der Öffentlichkeit und lassen ihre Community an ihrem Leben teilhaben.

Welche Aufgabe warten noch auf dich?

Viele Blogger haben den Wunsch, auch eigene Produkte auf den Markt zu bringen. Das unterstützen wir mit der Handels GmbH. Wir haben aber auch schon eigene Produkte erschaffen. Neben der Produktentwicklung, die natürlich einen intensiven Kundenkontakt mit sich bringt, stehen vor allem auch Recherche­aufgaben für neue Projekte oder Produkte an. Dar­über hinaus lerne ich dann auch viel über E-­Commerce, also über Online-Shops, Versand und Retouren.

Wie geht’s für dich weiter? Welche Möglichkeiten stehen dir nach der Ausbildung offen?

Natürlich möchte ich am liebsten in dem Beruf bleiben und hoffe, dass ich übernommen werde. Generell kann man aber mit der Ausbildung in jede Marketing­­abteilung in Unternehmen gehen. Man kann auch bei Werbeagenturen anfangen, die in einer anderen Marketingrichtung unterwegs sind, zum Beispiel in der Plakat-, Hörfunk- oder Fernsehwerbung. Sowas lernen wir dann in der Berufsschule. Da gehe ich jeden Dienstag hin und lerne dort alle Medien und Marketing­maßnahmen kennen, das Rundum-­Marketing-Paket quasi. Es stehen aber auch Fächer wie Rechnungs­wesen oder Englisch auf dem Stundenplan.

Beeinflusst dich die Arbeit mit Social Media auch privat?

Ich muss schon sagen, dass ich jetzt aktiver auf Social Media bin – vor allem auf Instagram – und natürlich mittlerweile auch mehr Influencern folge. Außerdem versuche ich meine privaten Storys mit Stickern und Filtern ein bisschen schöner zu gestalten. Meine Bildschirmzeit ist auf jeden Fall mittlerweile höher geworden … [lacht]

Wie findet es dein Umfeld, dass du dein Geld mit Social Media verdienst?

Meine Familie hatte damit bisher noch nicht so viele Berührungspunkte, die finden das sehr spannend. Und auch im Freundeskreis ist man natürlich Gesprächsthema, weil es einfach mal etwas anderes ist.

Gibt es auch kritische Stimmen?

Gegen meinen Ausbildungsberuf speziell habe ich jetzt noch keine Vorurteile erlebt. Was man aber häufiger mitbekommt, ist, dass Influencer zu sein, keine richtige Arbeit sei.

Und was sagst du dazu? Wie schätzt du die Zukunftsaussichten in der Social-Media-Branche ein?

Ich würde schon sagen, dass die Aussichten sehr gut sind, einfach weil soziale Medien mittlerweile einen so hohen Stellenwert einnehmen und sich gleichzeitig ständig wandeln. Da das jetzt einfach schon über einen so langen Zeitraum präsent ist, denke ich nicht, dass das so schnell wieder weg vom Fenster ist.

Ist man in diesem Berufszweig auch richtig, wenn man einfach nur auf der Suche nach ,fame‘ ist?

Bei meiner Ausbildung geht es nicht darum, selbst ein Influencer zu werden. Klar kommt man in Kontakt mit Influencern, die eine sehr große Community haben, und wird vielleicht auch mal in deren Story markiert, weil man gerade mit ihnen an einem Projekt arbeitet. Aber so etwas sollte man auf keinen Fall ausnutzen und auch nicht davon ausgehen, dass man ‚fame‘ wird, nur weil man in dieser Branche tätig ist.

Was sollte man wirklich mitbringen, wenn man sich für deinen Ausbildungsberuf entscheidet?

Kreativität, Organisationstalent, Zuverlässigkeit, Zielstrebigkeit, Genauigkeit und Stressresistenz. Aber auch Englischkenntnisse und ein mathematisches Verständnis sind von Vorteil.

Gibt es noch etwas, das du anderen Jugendlichen mit auf den Weg geben kannst, die ebenfalls in diesem Bereich Fuß fassen möchten?

Auch wenn Social Media eine Branche mit Zukunft ist – lasst euch nicht zu sehr davon beeinflussen. Das ist häufig nur eine Scheinwelt, in der alles nur perfekt aussieht. Davon muss man sich im Alltag ein bisschen distanzieren, auch wenn es zum Job gehört, und sich bewusst machen, was das reale Leben ist – und dass wir nicht immer perfekt sein müssen!

Vielen Dank für das Gespräch!