Vom Einzelkämpfer zum Teamplayer

Jacob Minah will noch immer hoch hinaus
Text von: redaktion

Früher Punktesammler im Zehnkampf, heute Familienvater und erfolgreicher Berufseinsteiger – Jacob Minah ist auch außerhalb der Rundbahn seinen Weg gegangen.

Text: Yannick Lowin – Fotografie: Alciro Theodoro da Silva

Was macht man im Zeitalter der Digitalisierung, wenn man jemanden sucht, den man lange aus den Augen verloren hat? Klar, man tippt seinen Namen in eine Suchmaschine. Gibt man ,Jacob Minah‘ ein, landet man auf der Seite eines Bielefelder Kinderarztes. Die Stadt stimmt, und auf den ersten Blick sieht der Mann, der einem freundlich-professionell von der Homepage entgegenlächelt, ihm  auch ähnlich. Doch wie über 60 – wie sein Vater – sieht Jacob Minah, also der Jacob Minah, der in seiner Göttinger Zeit vor zehn Jahren zu den besten Zehnkämpfern dieses Landes zählte, beim besten Willen noch nicht aus.

Die Muskeln, die sein Hemd zum Spannen gebracht haben wie noch 2008, als er auf die Olympischen Spiele in Peking hintrainierte, sind allerdings wirklich verschwunden. Die Figur: deutlich schlanker. Minah hat acht bis zehn Kilo Muskelmasse verloren, seitdem er seine Leistungssportkarriere beendet hat. Der Verlust des Modellathletenkörpers: nur ein kleiner Wehrmutstropfen für ihn selbst.

„Manchmal guckt sie mich an und sagt, an mir wäre ja gar nichts mehr dran.“

Seine Frau trauere den Leistungssportzeiten da mehr hinterher. „Manchmal guckt sie mich an und sagt, an mir wäre ja gar nichts mehr dran“, erzählt Minah in einem Konferenzraum der Bertelsmann-Tochter Arvato AG und lacht herzhaft. Auch wenn er sich äußerlich ein wenig verändert hat, die lockere, offene Art hat er sich auch in seiner neuen Heimat bewahrt. Seit drei Jahren lebt er in Bielefeld und arbeitet in Gütersloh, seit er die Spikes an den Nagel gehängt hat, wegen seiner Frau, aber auch wegen der mangelnden Perspektive.

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