IT nach Maß oder von der Stange?

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: redaktion

Eine Standardsoftware, die zu jedem Unternehmen passt, kann es ebenso wenig geben wie den Maßanzug, der alle Konfektionsgrößen abdeckt. Jedes Unternehmen steht irgendwann einmal vor der Entscheidung, ob es für die Realisierung eines bestimmten Projekts auf Standardsoftware zurückgreifen soll oder besser die Entwicklung einer maßgeschneiderten Lösung in Form von Individualsoftware die richtige Entscheidung ist.

Natürlich ist ein Maßanzug immer besser als etwas von der Stange, wenn Zeit und Geld keine Rolle spielen. Meistens jedoch gibt es eine terminliche und finanzielle Budgetierung. Allerdings können heute erfahrene Softwareentwicklungsunternehmen mit den neuen Methoden der Softwareentwicklung – den mittlerweile ergonomisch sehr ausgereiften Frameworks und der Nutzung praxiserprobter ‚Bausteine‘ und Open- Source-Bibliotheken – in sehr kurzer Zeit auch komplexe Anforderungen kostengünstig und fehlerfrei abbilden.

Zunächst gilt immer die Devise, das Rad nicht neu zu erfinden. In Bereichen, bei denen die Anforderungen von Branche zu Branche sich kaum unterscheiden, wie etwa dem Personal- und Rechnungswesen, ist eine Standardsoftware die naheliegende Wahl. Hier kann z.B. auf die Standardmodule einer ERP-Software, die erweiterbar bzw. anpassbar sind, gesetzt werden.

In jedem Unternehmen gibt es jedoch auch Bereiche, in denen die Unternehmensprozesse weder von einer Standardsoftware noch einer Branchenlösung optimal abgebildet werden können. Hier stellt sich die Frage, ob die Prozesse an die Standardsoftware angepasst werden sollen, ob eine erweiterbare ERP-Lösung, die viele Standardmodule beinhaltet, beschafft wird oder ob eine Individuallösung mit vollständiger Umsetzung aller Anforderungen die bessere und günstigere Wahl ist. Eine Lösung ‚out of the box‘ ist zwar grundsätzlich sofort verfügbar und einsatzbereit, wenn allerdings Prozesse erst umgestellt und Mitarbeiter geschult werden müssen, kann der Zeitaufwand so groß sein, dass eine Individuallösung viel schneller einsetzbar wäre.

Manchmal sind Erweiterungen und Anpassungen in einer Branchensoftware bzw. ERP-Lösung so komplex und aufwendig, dass eine Individuallösung mit Schnittstellen die schnellere und günstigere Lösung ist. Außerdem können die Lizenzkosten einer Standardsoftware, je nach Konstellation und Anzahl der Benutzer, sogar deutlich höher als die Kosten einer neu programmierten Individualsoftware sein. Oft ist eine Kombination aus Standardsoftware mit Individualprogrammierung die optimale Lösung.

Der Einsatz einer Individuallösung kann auch darin begründet sein, dass es keine bekannte bzw. geeignete Standardsoftware gibt und selbst gebastelte Excel- bzw. Access-Tabellen wirtschaftlich ungeeignet sind.

Fazit

Man sollte bei jedem Softwareprojekt das Pro und Contra einer Individualentwicklung sorgfältig mit abwägen und sich ein entsprechendes Angebot einholen. Kommt eine Individualentwicklung in Frage bzw. ist diese notwendig, ist es besonders wichtig, dass ein Entwicklungspartner gefunden wird, der schon länger auf dem Markt ist, sich mit den neuesten Technologien gut auskennt und alle gestellten Anforderungen wirtschaftlich abbilden kann.

Text: Dr. Farshid Noorani, Geschäftsführer der M.I.T. Multimedia Internet Telematik GmbH in Göttingen. Kontakt: f.noorani@mit-gmbh.com