Interne Exzellenz nutzen

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Text von: redaktion

Zwei Göttinger Unternehmen haben mit der Methode der kollegialen Beratungsgruppen positive Erfahrungen gesammelt.

Die Leistungsfähigkeit von Unternehmen ist in hohem Maße abhängig vom Handeln der Führungs- kräfte, die vor dem Hintergrund der Unternehmensziele und -strategie mit ihrem Einsatz und ihrer Kompetenz den Erfolg sichern. In einer immer komplexeren Arbeitsumgebung fordert das von ihnen Aufgaben- und Mitarbeiterorientierung – und von Unternehmen eine kontinuierliche Qualifizierung der leitenden Mitarbeiter in einem strategischen Programm zur Führungskräfteentwicklung. Ein Baustein eines solchen Programms kann die Methode der kollegialen Beratungs- gruppen sein, mit der sowohl der Göttinger IT-Dienstleister Sycor als auch der Speditions- und Logistikdienstleister Zufall positive Erfahrungen gesammelt haben.

„Führungskräfte sehen sich täglich wechselnden, widersprüchlichen Herausforderungen gegenüber und müssen alle Facetten ihrer Führungsrolle unter Zeit- und Erfolgsdruck ausfüllen“, macht Astrid Selke aus der Personalabteilung der Sycor klar. Bei der Bewältigung dieser Aufgabe könnten kollegiale Beratungsgruppen helfen. Entscheidend für den Erfolg sei dabei die Bereitschaft der Teilnehmer zur Offenheit und das Methodenwissen von internen oder externen Experten, so die Diplom-Psychologin weiter.

Davon ist auch Melanie Gatzsch, Leiterin der zentralen Personalentwicklung bei Zufall, überzeugt. Zu den wichtigsten Voraussetzungen gehörten gegenseitiges Vertrauen und die Gewährleistung der Vertraulichkeit. „Wenn die Kollegen offen sprechen können und die Themen im Kreis der Gruppe bleiben, profitieren alle Teilnehmer stark von der Gruppendynamik“, kann sie aus Erfahrung berichten.

Damit verdeutlicht Melanie Gatzsch einen zentralen Aspekt kollegialer Beratung: In den systematischen Gesprächen unterstützen sich Mitarbeiter gleicher Hierarchie-Ebenen gegenseitig in beruflichen Fragen und erarbeiten gemeinsam Lösungen. Die Basis bilden klare Regeln und feste Rollen – Moderator, Fallgeber und Berater. Während der Moderator die Gespräche steuert, liefert der Fallgeber eine aktuelle Problemstellung und die Berater bringen ihre Lösungs- vorschläge ein. „Die Reflexion des eigenen Führungs und Arbeitsstils sowie des Eigen- und Fremdbildes mit Kollegen bringt einen Entwicklungsschub und die Erweiterung des professionellen Handlungsspielraumes“, hat Astrid Selke beobachtet, die in den kollegialen Beratungsgruppen für die Bereichs- und Abteilungsleiter der Sycor die Moderatorenrolle übernimmt.

Auch Melanie Gatzsch hat ähnliche Beobachtungen gemacht. 90 Teamleiter hat sie mit einer externen Trainerin durch ein zweijähriges Führungskräfte-Entwicklungs- Programm gebracht, das auch kollegiale Beratung beinhaltete. „Nach einer Phase der Neugier und des höflichen Abstands haben unsere Führungskräfte den Wert der, wie wir es nennen, Reflexionsgruppen erkannt“, beschreibt sie. So sind ein halbes Jahr nach Ende des Programms immer noch Gruppen aktiv.

„Auch das Unternehmen profitiert. Kollegiale Beratung ist aktives Wissensmanagement, das interne Exzellenz für viele nutzbar macht. Auch Teambildung wird gefördert“, ergänzt Astrid Selke. Mit geringem Aufwand: Die Gruppen sollten sich alle sechs bis acht Wochen, wenigstens vierteljährlich, treffen.

Text: TOBIAS KINTZEL