Innovationspreis 2019

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: redaktion

Tüftler, Entwickler, Erfinder – Insgesamt 101 kluge Köpfe haben sich für den Innovationspreis 2019 des Landkreises Göttingen unter dem Motto 'Zukunftsorientiert – Lösungen, die verändern' beworben. Vor mehr als 450 Besuchern wurden am Donnerstagabend 13 Preise im Wert von insgesamt 30.000 Euro im Deutschen Theater in Göttingen vergeben. Beworben haben sich Gründer, mittelständische Unternehmen, weltweit agierende Konzerne und Bildungseinrichtungen, aber auch Wissenschaftler, Studenten sowie soziale Projekte und Initiativen.

„Der Innovationspreis ist inzwischen eine Marke für sich, ein Qualitätssiegel. Wer hier erfolgreich ist, stellt die Wettbewerbsfähigkeit seiner Idee unter Beweis. Das hat Vorbildfunktion. Der Innovationspreis zeigt also nicht nur, was in der Region steckt. Er motiviert auch die Kreativen und Mutigen, ihre Ideen umzusetzen. Mehr als 100 Bewerbungen, aus einem breit gestreuten Spektrum an Teilnehmenden präsentieren auch in diesem Jahr das Potential für Innovation in Südniedersachsen, freute sich Landrat Bernhard Reuter.

In der Kategorie Gründer und Jungunternehmen traten 30 Bewerber an. Den ersten Platz gewann IndiScale aus Göttingen mit dem Software-Werkzeugkasten Link Ahead. Damit lässt sich das Datenmanagement leicht an neue Rahmenbedingungen anpassen, bereits im Design vorgesehen sind spätere Anpassungen, wie Daten gespeichert, verknüpft und durchsucht werden können. Den zweiten Platz belegte die Firma freibeik. Die Gründerin Iris-Sabine Langstädtler entwickelte ein Gelenk, das unter dem Fahrradsattel montiert wird und dazu führt, dass der Sattel sich den natürlichen Hüftbewegungen anpasst. Gerade bei längeren Fahrradtouren verringern sich Rückschmerzen und andere körperliche Beschwerden. Das Abbundzentrum Seulingen erhielt den dritten Platz. Mittels dreidimensionaler Modellplanung und durch Einsatz einer neuen computergesteuerten vollautomatisierten Anlage erleichtert das Unternehmen die Arbeit von Handwerksunternehmen im holzverarbeitenden Gewerbe. Nicht zuletzt aufgrund des stetig zunehmenden Fachkräftemangels im Handwerk kann durch diese Innovation den Zimmereibetrieben optimal zugearbeitet werden.

Große Vielfalt bewiesen auch die 43 Bewerber in der Kategorie mit bis zu 20 Mitarbeiter. Den ersten Platz sicherte sich GoePaTec aus Göttingen. Gemeinsam mit dem IT-Dienstleister Teamnext aus Kassel entwickelte das Unternehmen das Soft- und Hardwarekonzept MSGo, mit dem sich Preise kalkulieren, das Lager verwalten und die Fertigung organisieren lässt. Durch die Einbindung von Bildern, Zeichnungen, Erläuterungen und einer Kommentarfunktion macht MSGo das Wissen einzelner Mitarbeiter für alle anderen verfügbar. Auf den zweiten Platz kam Meyer und Kuhl Spezialwäschen aus Hardegsen. Mit einem Spezialverfahren kann künftig nachgewiesen werden, dass die Schutzbekleidung von Feuerwehrkräften nach der Reinigung frei von krebserregenden Stoffen und damit gesundheitsunschädlich ist. Platz drei ging an das Göttinger Unternehmen img.ai. Das Unternehmen entwickelt derzeit einen Prototyp, mit welchem künftig Spermiogramme präziser und sekundenschnell ausgewertet und in Datenbanken hinterlegt werden können. Mit diesem vergleichsweise kostengünstigen Verfahren kann die Arbeit von Kinderwunschzentren erleichtert und optimiert werden.

In der Kategorie über 20 Mitarbeiter sind insgesamt 28 Bewerbungen von Industrieunternehmen, Forschungsinstituten und Hochschulen eingegangen. Gewonnen hat KWS. Anhand von Satellitenbildern können die Einbecker für Kunden den optimalen Erntezeitpunkt von Silomais bestimmen. Den zweiten Platz in dieser Kategorie belegte Eisenhuth. Das Osteroder Unternehmen hat einen Greifer entwickelt, der mit vielen unterschiedlichen Kunststoff- oder Metallbauteilen umgehen kann. Leitec Gebäudetechnik aus Heiligenstadt hat in Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen einen Hybridkollektor und die dazugehörige Steuer- und Rege-lungstechnik zur Stabilisierung des Betriebs und zur Optimierung des Energieertrags entwickelt und erhielt den dritten Platz.

Unterstützt wurde der von der WRG Wirtschaftsförderung Region Göttingen GmbH organisierte Wettbewerb von den Sparkassen aus Göttingen, Duderstadt, Hann. Münden und Osterode, der EAM, dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz sowie dem Wirtschaftsverband Measurement Valley e.V. Die Sieger konnten sich ein Preisgeld von jeweils 3.000 Euro, die Zweitplatzierten von jeweils 2.000 Euro und die Drittplatzierten von jeweils 1.000 Euro sichern.

Zusätzlich wurden vier Sonderpreise im Wert von jeweils 3.000 Euro verliehen. Den Sonderpreis ‚Umwelt‘, gestiftet vom Umweltministerium, erhielt das StartUp Nefino aus Hannover. Das Unternehmen hat eine Analysesoftware entwickelt, die Standorte von Windkraftanlagen bewertet. Aufgrund der Tatsache, dass in den kommenden Jahren für eine Vielzahl dieser Anlagen die Förderung ausläuft, kann mithilfe der Software schnell beurteilt werden, ob eine Weiternutzung, ein Rückbau oder eine Erneuerung wirtschaftlich sinnvoll sind.

Die Sparkasse Göttingen stiftete die beiden Sonderpreise ‚Integration und Soziales‘ und ‚Wissenschaft und Bildung‘. Der Sonderpreis ‚Integration und Soziales‘ ging an die Fahrschule Am Bahnhof. Querschnittsgelähmte und Menschen mit Beinprothese können bei der Göttinger Fahrschule am Bahnhof eine zwölfwöchige Ausbildung zum Berufskraftfahrer absolvieren. Den Sonderpreis ‚Wissenschaft und Bildung‘ erhielt Marius Krüger, der mit zwei Programmieren die App Democracy entwickelt hat. Mit dieser App soll das Abstimmungsverhalten von Bundestagsabgeordneten transparent für jedermann nachvollziehbar sein. Nutzer können über aktuelle Gesetzesvorhaben abstimmen und so herausfinden, welcher Abgeordnete im Laufe der Zeit über die verschiedenen Politikbereiche hinweg am ehesten ihre Interessen vertritt.

Der Sonderpreis ‚Messtechnik‘ wurde an die Teambewerbung der Fachhochschule Südwestfalen mit zwei Industriepartnern, die Plettenberger Schmiede Linamar Seissenschmidt und das Baesweiler Messtechnikunternehmen nokra Optische Prüftechnik und Automation vergeben. Durch die Entwicklung sollen bis zu 1.250 Grad Celsius heiße Teile sofort nach dem Umformprozess dem Förderband entnommen, geometrisch gemessen und geprüft werden. Das macht den Produktionsprozess insgesamt effizienter und minimiert den Ausschuss.

Kurzweilig und mit viel Humor und Schlagfertigkeit führte Moderatorin Vanessa Krukenberg durch den Abend. Für hervorragende musikalische Unterhaltung sorgte an diesem Abend die Big Band des Pädagogiums Bad Sachsa unter Leitung von Hans-Christian Metzger. Im Anschluss an die Preisverleihung nutzten die Gäste bis in den späten Abend die Gelegenheit, die Gewinner zu feiern und sich auszutauschen.