Individueller Widerstand

© Thomas Müller
Text von: redaktion

Am Samstag, 10. März 2012, feierte das Stück “Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury im Deutschen Theater Göttingen Premiere. Eine dystopische Zukunftsvision von 1953, die zur Wirklichkeit wurde.

Manchmal sind es ganz banale Fragen, die einen Menschen aus der Bahn werfen.

Eigentlich war der Feuerwehrmann Guy Montag ein äußerst zufriedener Mensch. Mit Freude widmete er sich seiner täglichen Arbeit, dem Verbrennen von Büchern, ohne sich im Geringsten über den Sinn bzw. Unsinn dieser Tätigkeit Gedanken zu machen.

Bis ihm mit einem 16-jährigen Mädchen die Frage begegnet, ob er glücklich sei. Schleichend und unaufhaltsam entfacht das „Gift“ dieser Frage in Montags Bewusstsein seine zersetzende Wirkung.

In der Matrix seiner scheinbar heilen Welt entstehen tiefe Risse, in deren Abgründen sich das düstere Bild einer pseudoindividualisierten und entmündigten Gesellschaft abzeichnet, die im medialen Dauerbeglückungszustand vor sich hindämmert.

Als Ray Bradbury 1953 seinen Science Fiction-Roman FAHRENHEIT 451 veröffentlichte, ahnte er sicher nicht wie sehr seine dystopische Zukunftsvision einmal Wirklichkeit werden sollte. Vieles darin kommt uns heute mehr als bekannt vor.

Laufen wir nicht auch ständig Gefahr, uns in den Dauerberieselungsschleifen von Casting-Shows, Promi-Dinnern, Sportübertragungen, Werbesendungen und der ewigen Fernseh-Dauer-Talkerei zu verlieren? Und welchen Wert haben heute noch Bücher, bzw. selbstbestimmtes Denken und Handeln?

Nicht zuletzt in einer „Stadt des Wissens“ wie Göttingen, die es im Zusammenhang mit der Bücherverbrennung der Nationalsozialisten am Albani-Platz am 10. Mai 1933 zu zweifelhaftem Ruhm brachte, lohnt es sich über diese Fragen nachzudenken.

Jasper Brandis begibt sich mit seiner Inszenierung auf die Suche nach dem individuellen Widerstand in einer alptraumhaften Gesellschaft, in der ein Großteil der Menschen jegliche Form von Individualität für das Versprechen vom absoluten Glück freiwillig dreingegeben hat.

Premiere am 10. März 2012 um 19.45 Uhr im Deutschen Theater.