In Göttingen gestartet – international gereift

© Trinos
Text von: Sebastian Günther

faktor porträtiert den Wirtschaftsstandort Stadt Göttingen – wo Ideen und Visionen wachsen können.

Mit mehreren Hochschulen, einer gut ausgebauten Infrastruktur und der Lage in der Mitte der Republik bietet der Standort Göttingen grundsätzlich eine gute Basis für wirtschaftlichen Erfolg.

Dabei spielt die Branche eines Unternehmens scheinbar keine Rolle. So deckt der Unternehmens-Mix in der Stadt ein breites Spektrum von Forschung über Produktion bis zu Dienstleistungen ab.

Dabei fällt auf, dass viele in Göttingen angesiedelte Betriebe auch hier gegründet wurden.

Dies lässt darauf schließen, dass sich die Region für „Start-ups“ und die Weiterentwicklung von Ideen besonders gut eignet.

Eines von vielen Beispielen für diese These liefert das Dienstleistungsunternehmen Lodhiamedics, dessen Geschäftsmodell auf einer einfachen Idee basiert.

„Wir wollen den passenden Deckel für jeden Topf finden“, erklärt Navid Lodhia, Geschäftsführer von Lodhiamedics. Das junge Unternehmen, das im Jahr 2005 gegründet wurde, hat sich auf die Vermittlung von Ärzten für Vertretungsstellen spezialisiert.

Herzstück des Dienstleistungsangebots bildet die eigene Internetplattform ww.lodhiamedics.de. Hier können Arztpraxen ihren Vertretungsbedarf einstellen und nach geeigneten Ärzten suchen.

„Unsere Onlinesuchmaschine für Vertretungsärzte ist die erste ihrer Art in Deutschland“, berichtet Lodhia und ergänzt: „Zwar ist die Personalvermittlung in Deutschland nicht neu, aber eine Honorararztvermittlung über das Internet hat es noch nicht gegeben.“ Der größte Unterschied bestehe darin, die Mandanten über die besonderen Tücken bei der Deckung des Vertretungsbedarfs aufzuklären.

Obwohl das Unternehmen erst seit vier Jahren am Markt ist, kann Lodhiamedicsbereits eine Vermittlungsquote von rund 70 Prozent vorweisen. Der Erfolg hängt dabei entscheidend von der Vorlaufzeit und der jeweiligen Fachrichtung ab.

Damit Navid Lodhia mit seinen Mitarbeitern die Kunden in Zukunft noch besser betreuen kann, plant er für das kommende Jahr den Ausbau des Vertriebs. „Wir wollen regionale Büros im gesamten Bundesgebiet eröffnen“, erklärt der Geschäftsführer.

Expansion ist auch bei der Trinos Vakuum Systeme GmbH immer ein wichtiges Thema. „Obwohl wir gerade erst eine neue Halle auf der Siekhöhe fertiggestellt und so die Produktionsfläche von 2.000 auf 5.000 Quadratmeter vergrößert haben, diskutieren wir schon über den nächsten Schritt“, berichtet Geschäftsführer Marcus Weinhagen.

Als Trinos im Juli 1997 im Technologie- und Gründerzentrum GöTec mit Weinhagen und dem zweiten Geschäftsführer Peter Spreitz als Zwei-Mann-Unternehmen startete, konnte niemand die erfolgreiche Zukunft vorausahnen.

Heute präsentiert sich Trinos als Spezialist für Standard- und Sonderbauteile, Baugruppen, Rezipienten sowie komplette Systeme für alle Einsatzmöglichkeiten der Vakuumtechnik.

Aktuell arbeiten die heute 146 Mitarbeiter unter anderem an einer Anlage zum Test von Ionen-Antrieben, die zur Steuerung von Satelliten eingesetzt werden sollen. Dank der hohen Qualität der Produkte ist das Göttinger Unternehmen inzwischen zum größten Lieferanten für Vakuumkomponenten in Europa aufgestiegen.

„Für die Zukunft wollen wir unsere Marktposition nicht nur festigen, sondern durch kontrolliertes Wachstum weiter ausbauen“, erläutert Weinhagen die Firmenphilosophie. Zunächst sind dazu die Erweiterung des Standorts in Chicago sowie der Ausbau der Vertriebsstrukturen in Europa geplant.

Um die Ziele zu erreichen, seien vor allem qualifizierte und motivierte Mitarbeiter und die Erweiterung des Produktportfolios wichtig. Weinhagen fügt hinzu: „Auch die Region Göttingen stellt für uns einen Erfolgsfaktor dar. Hier finden wir zum Beispiel die Flächen, die wir für unser Wachstum benötigen.“

Die positiven Argumente der IBA GmbH für den Standort Göttingen lauten dagegen: ein starker akademischer Forschungshintergrund mit der Universität, den Max-Planck-Instituten und dem Klinikum im Herzen Europas.

Das im Jahr 1996 gegründete Unternehmen, das zunächst als „Institut für Bioanalytik GmbH“ firmierte, bietet Technologien und Produkte für Forscher in den Bereichen Biotechnologie und Lebenswissenschaften. Das Portfolio umfasst spezielle Nukleinsäuremoleküle, Produkte zur Herstellung von rekombinanten Proteinen sowie Technologien zur Proteinreinigung (Strep-tag®).

Zudem bringen die rund 40 Mitarbeiter ihr Know-how bei der Erforschung von Krankheiten ein. So arbeitet die IBA aktuell an neuen molekularbiologischen Technologien zur vereinfachten Herstellung von Proteinen (StarGate®) für Forschung und medizinische Anwendungen. Außerdem wird an einer Technologie (Streptamer®) zur Isolierung hochselektiver Zelltypen geforscht, die zur Therapie von Infektionen und Tumoren eingesetzt werden kann.

In einem weiteren Forschungsprojekt (Combo-FISH) mit universitären und industriellen Partnern geht es um die Verbesserung der Tumordiagnostik mittels Gensonden. Die hierfür benötigte hohe Qualität basiert auf der jahrelangen Erfahrung der IBA im Bereich der Nukleinsäure-Synthesen.

Mit ihren patentrechtlich geschützten Technologien und Produkten versorgt das Unternehmen Forscher in der ganzen Welt. Die Kunden werden vor Ort von einem der 35 Vertriebspartner und direkt aus der Zentrale im Science Park Göttingen betreut.

Hier hat sich die IBA GmbH in unmittelbarer Nähe zu weiteren Unternehmen der Biotech-Branche angesiedelt. „Der Science Park bietet uns logistische Vorteile und gute Kooperationsmöglichkeiten zu anderen Biotechunternehmen in unmittelbarer Nachbarschaft“, erklärt Geschäftsführer Lothar Germeroth.

Die Vorteile des Science Parks nutzt auch die DeveloGen AG. „Wir sind jetzt im zweiten und dritten Bauabschnitt des Science Park vertreten und genießen vor allem die passgenau auf uns zugeschnittenen Bedingungen“, erklärt Carsten Dehning, der gemeinsam mit Cord Dohrmann das Unternehmen führt.

Mit seinen rund 30 Mitarbeitern forscht das Unternehmen unter anderem an Therapien, die eine ursächliche Behandlung von Diabetes ermöglichen sollen.

„Auf diesem Gebiet zeigen wir immer wieder aufs Neue, dass wir mit den großen pharmazeutischen Unternehmen mithalten und mit unserer kleinen Mannschaft bahnbrechende Entdeckungen bei der Behandlung von Diabetes mellitus erfolgreich voranbringen können“, so Dehning.

Mit seinen präklinischen Produkten im Stadium der Wirkstoffentwicklung beliefert DeveloGen weltweit aktive Pharmakonzerne vornehmlich aus Europa, den USA und Japan.

Der Erfolg des Unternehmens hängt laut Dehning von drei Faktoren ab: „Bahnbrechende Ideen, potente Investoren sowie gut ausgebildete und hochmotivierte Mitarbeiter, die mit Engagement, einer Spur Zähigkeit und viel Freude unsere Visionen vorantreiben.“

Für die Zukunft plant das Unternehmen zunächst Investitionen im Geschäftsbereich Betazellregeneration, um der Vision einer ursächlichen Behandlung von Diabetes und anderen Krankheiten ein Stück näher zu kommen.

Krankheiten im entfernten Sinne sollen auch mit der Forschung eines weiteren Science-Park-Unternehmens verhindert werden. Allerdings stehen bei der miprolab GmbH keine Viren direkt, sondern biologische Kampfstoffe im Mittelpunkt.

Um Menschen vor diesen heimtückischen Waffen effektiv schützen zu können, gilt es, möglichst schnell zu identifizieren, um welchen Giftstoff es sich handelt. Genau auf die Lösung dieses Problems hat sich das Göttinger Unternehmen spezialisiert.

Im Science Park III entwickeln die Forscher Schnelltests, welche die Identifikation von biologischen Kampfstoffen erleichtern und vor allem beschleunigen sollen. Innerhalb von Minuten könnten mit den innovativen Produkten zum Beispiel Toxine nachgewiesen werden. Darüber hinaus lassen sich Stoffe auf Viren oder Bakterien testen, die Krankheiten wie Milzbrand oder die Pest auslösen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die verdächtige Substanz in flüssiger oder in Pulverform vorliegt. Die Substanz muss lediglich mit einem Tupfer auf den Schnelltest aufgebracht werden, und schon nach 20 Minuten lässt sich das Ergebnis visuell oder gerätegestützt auswerten.

Als Verkaufsstart für die Schnelltests peilt das Unternehmen das kommende Jahr an. „Die Entwicklung hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen“, erklärt Geschäftsführer Frank Gessler.

Grund dafür seien unter anderem die hohen Anforderungen der Kunden, zu denen neben der deutschen Bundeswehr auch die Schweizer Armee zählt.

Große Kunden, spannende Innovationen und kreative Ideen prägen viele Unternehmen im Science Park und dem übrigen Göttinger Stadtgebiet. Sie zeigen, welche Möglichkeiten die Stadt bietet und wie diese für den Erfolg zu nutzen sind.

Vor allem in den forschungsintensiven Zweigen ist Göttingen überregional ein Begriff.

An Nachwuchs und frischen Ideen mangelt es dabei nicht, sorgen doch die Schulen und Hochschulen ständig für gut ausgebildeten und motivierten Nachwuchs. Ein Standortfaktor, auf den die Region bauen kann und bauen sollte.