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Volksheimstätte Göttingen Azubi zum Immobilienkaufmann im 2. Ausbildungsjahr Nicklas Janzen und Vorstandsvorsitzende Heike Klankwarth ©Peter Heller
Text von: Kim Henneking

Immobilienkaufleute haben vielseitige Aufgaben – auch fern des Schreibtischs.

Betritt man das Büro der Volksheimstätte, fällt der Blick direkt auf eine große Karte an der Wand. Sie zeigt die Stadt Göttingen, farblich markierte Quadrate verweisen auf Immo­bilien, die durch die Mitarbeiter der Wohnungsbaugenossenschaft verwaltet werden. Nicklas Janzen wechselt nach seiner gerade bestandenen Zwischen­prüfung zum Immobilienkaufmann bereits selbstbewusst zwischen den Abteilungen. Die Flure zwischen Buchhaltung, Technik, Öffentlichkeitsarbeit, Vermietung und der Wohnungseigentumsverwaltung sind von Bildern der verwalteten Häuser geziert – auch für sie ist der Azubi im zweiten Lehrjahr mitverantwortlich.

Schon während der Schulzeit hatte Nicklas sich sein Taschengeld aufgebessert, indem er die Mitgliederzeitung seines heutigen Arbeitgebers verteilte. „Doch nach meinem Abschluss war ich mir zunächst nicht sicher, wie es weitergehen sollte“, erzählt der 22-Jährige. Und so entschied er sich für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim Sportverein ASC Göttingen. „Da hatte ich Zeit zum Nachdenken, konnte erste Erfahrungen im Arbeitsleben sammeln und mich auch persönlich weiterent­wickeln.“ Ein Weg, den Nicklas übrigens allen Unschlüssigen empfehlen kann. Im Anschluss sei er dann über Aushilfsarbeiten bei der Volksheimstätte schließlich auf den Beruf des Immobilienkaufmanns gekommen. Ein Praktikum, das ihn durch beinahe alle Abteilungen des Betriebs führte, bestätigte sein Interesse und führte zu einem motivierten Ausbildungsstart.

„Ich bin also eher zufällig in diesen Beruf hinein­geschlittert“, sagt Nicklas, der inzwischen mit seiner Wahl sehr zufrieden ist. „Es ist einfach ein spannender Job.“ Wenn er morgens ins Büro kommt, sagt er den Kollegen ,Hallo‘ und beantwortet erst einmal Mails von Kunden. Da sucht ein Interessent eine Wohnung, ein Mieter benötigt einen Handwerker, jemand anderes möchte einen Vertrag abschließen oder das neueste Bauprojekt muss mit Partner­firmen koordiniert werden. All das gehört zu Nicklas’ Aufgaben. Kein Tag ist wie der andere.

In der Berufsschule in Bochum lernt der Azubi zudem in zehn Wochen im Jahr alles zu Immobilien­wirtschaft, Rechnungswesen, Bauplanung, Maklerarbeit. Deutsch, Englisch, Politik und Sport runden den Stundenplan ab.

An die ersten Tage im Unternehmen kann Nicklas sich noch gut erinnern. „Der Einstieg wurde mir sehr leicht gemacht“, sagt er und möchte damit anderen Schulabgängern die Ängste vor dem Arbeitsbeginn nehmen. „Ich hatte vor allem Sorge um meine Mathe­kenntnisse, in diesem Fach war ich persönlich nie der Beste. Aber ich durfte schnell feststellen, dass Rechnungswesen nicht viel mit Schul­mathe zu tun hat.“ Sein erster Stopp war die Vermietung. Der zuständige Sachbearbeiter erklärte ihm kleine Aufgaben, die er nach kurzer Zeit selbstständig ausführen konnte. Nach und nach wuchs sein Zuständigkeitsbereich.

Mittlerweile sitzt er fest im Sattel. Nach der Ausbildung möchte Nicklas ein weiterführendes Stu­dium antreten. Möglich sind Immobilienmanagement, Immobilienfachwirt oder auch Bauingenieur. „Ich kann mir gut vorstellen, in Göttingen zu bleiben, aber vielleicht ist es auch interessant, mal eine andere Stadt kennenzulernen“, sagt der zukünftige Student selbstbewusst. „Mir stehen alle Wege offen.“ Denn, dass er einen Job mit Zukunft gewählt hat, davon ist er überzeugt: „Jeder will schließlich irgendwo wohnen.“

 

Ausbildungsgehalt
1. Lehrjahr: 900 Euro
2. Lehrjahr: 1.010 Euro
3. Lehrjahr: 1.120 Euro
Einstiegsgehalt: 2.800 Euro (brutto)