Im Scheinwerferlicht

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Stefan Matysiak

Göttingen war von 1945 bis 1961 die Filmstadt in Deutschland – alle großen Stars der Zeit haben im “Hollywood an der Leine“ gedreht. Diese Zeiten sind längst vorbei, aber faktor möchte mit einer Initiative die Stadt zum Drehort für Film- und Fernsehproduktionen machen und Göttingen wieder ins Licht der Filmscheinwerfer rücken.

Etwas Besseres als starke Medienpräsenz kann einem Wirtschaftsstandort nicht passieren. Als deshalb im August 1948 in Göttingen die Produktion von Spielfilmen begann, war es nicht mehr nur die Universität, die die Leinestadt bekannt machte, sondern bundesweit wurde seither vor allem der Nimbus einer aufstrebenden Filmstadt verbreitet. Knapp anderthalb Jahrzehnte stand Göttingen im Licht der Filmscheinwerfer.

Knapp 100 Spielfilme entstanden zwischen 1948 und 1961 in den Göttinger Studios. Mit den Dreharbeiten hielten die bekanntesten deutschen Filmstars Einzug in die Stadt. Bereits im ersten Produktionsjahr kamen Größen wie Theo Lingen, Hans Moser oder Grete Weiser an die Leine.

Im Jahr darauf waren es etwa Curt Goetz und die noch junge Inge Meysel, die für Glanz und Gloria sorgten. Zudem wurde in Göttingen mit Dieter Borsche und Maria Schell das deutsche Traumpaar der fünfziger Jahre entdeckt.

Angefangen hatte die Karriere des „Hollywoods an der Leine“ mit den beiden Freunden Rolf Thiele und Hans Abich, die im Sommer 1945 davon träumten, die geistigen Trümmer des Naziregimes mit Hilfe einer neuen Filmsprache wegzuräumen.

Ein neues Welt- und Menschenbild sollte im Kino den Weg in eine bessere Zukunft weisen. Weil zufällig Abichs Tante in Göttingen wohnte und Deutschlands traditionsreiche Filmproduktionsstätten kriegsbedingt außer Betrieb waren, landeten die beiden in der Leinestadt, um ihre ambitionierten Ziele umzusetzen.

Eigentlich waren die Rahmenbedingungen für eine Göttinger Filmindustrie wenig günstig, da es sich um einen völligen Neuaufbau handelte und weder Abich noch Thiele fachspezifische Vorbildungen besaßen. Der Aufbruch geschah jedoch zu einer Zeit, als sich an traditionellen Produktionsstandorten wie Hamburg oder München noch lange kein neues Leben regte und die bereits wieder aktive Filmproduktion in Potsdam-Babelsberg unter die Kontrolle des sowjetischen Systemfeindes geraten war.

Lesen Sie mehr dazu in faktor 3/2009. Den vollständigen Artikel finden Sie auch in angehängter pdf.

Fotos: Alciro Theodoro da Silva