“Ich habe eigentlich immer gemalt“

© Michael Ndarurinze
Text von: redaktion

Der Künstler Drahoslav Solta malt Göttinger Ansichten – ein Porträt über einen Globetrotter auf Zwischenstopp.

Bunte, grelle Gemälde von Göttinger Architekturmonumenten in Acryl stechen dem Besucher ins Auge, wenn er die gemütliche Galerie im Börner-Viertel betritt, in der zurzeit die Werke des Künstlers Drahoslav Solta zu bewundern sind. Hier soll sein neues Buch mit den „Göttinger Ansichten“ entstehen.

Der Maler selbst ist der klare Gegensatz zu seiner expressiven, „lauten“ Kunst – er wirkt eher unscheinbar und ein wenig schüchtern. Der Göttinger Unternehmer Heinz Peter Adams, der dem Künstler vor einigen Jahren half, in Deutschland Fuß zu fassen, sagt über ihn: „Er ist sehr bescheiden.“ Solta selbst erklärt, es gehe ihm in erster Linie um die Malerei und nicht um seine Person. Er habe seine Gemälde auch schon ohne Signatur verkauft: „Für mich ist das nicht wichtig.“

Er male des Malens wegen und verkaufe die Werke anschließend ohne große Wehmut. Natürlich gebe es Bilder, die er besonders schön finde, aber das könne sich auch schlagartig ändern.

Drahoslav Solta wurde 1960 in der damaligen Tschechoslowakei geboren. Auf die Frage, wie er zur Kunst gekommen ist, weiß er zuerst keine rechte Antwort. „Ich habe eigentlich immer gemalt“, erklärt er dann. Im Kommunismus habe er nur wenig Spielzeug besessen und deswegen mit drei Jahren angefangen, alles zu malen, was um ihn herum geschah. Selbst in der Schule habe er in Fächern wie Geschichte oder Geografie „nur gezeichnet, nie geschrieben“.

Nach der Volksschule studierte Solta Kunst, unter anderem an der Akademie der Künste in Pilsen. Später beteiligte er sich an diversen Symposien, um sein Können in den Bereichen Malerei, Grafik, Zeichnen und Bildhauerei weiter zu entwickeln. Er vollbrachte „große Leistungen“ (Solta) auf dem Gebiet der Kunsterziehung und war erfolgreich als Kunsttherapeut tätig.

Nach der Grenzöffnung 1989 reiste er durch Westeuropa und ließ sich in Spanien nieder, wo er bis heute mit seiner Lebensgefährtin in Estepona an der Costa del Sol lebt. Bis zu diesen Reisen war seine Malerei geprägt vom Sozialismus – realistischer als heute. In Spanien hatte er „nun die Möglichkeit, sich mit den aktuellen Strömungen der zeitgenössischen Kunst in all ihren Facetten auseinandersetzen zu können“, schreibt Manfred Boetzkes, Direktor des Stadtmuseums Knochenhauer Amtshaus in Hildesheim, im Vorwort des Buches „Kein stilles Lebens“.

Heute arbeitet Solta für Galeristen weltweit und erhält Summen im vierstelligen Bereich für seine Gemälde. Seine Kunstwerke waren bereits bei Ausstellungen in Prag, Malaga, Mailand, Marbella, San Francisco, New York und vielen weiteren Städten zu sehen. Die größte, „The Royal Society of British Sculptors“, war 1999 in London.

Einen direkten Durchbruch Soltas habe es nicht gegeben, der Erfolg sei gewachsen, erklärt Adams, der bestens über den Künstler informiert ist und im Gespräch kleine Sprachbarrieren überbrückt. Der Künstler erzählt, ein russischer Galerist sei einmal extra mit einem Privatjet angereist, um 22 Gemälde zu kaufen, und sogar der ehemalige Sekretär von Boris Jelzin besitze eines seiner Bilder.

Der Göttinger „Ladenbauer“ Adams entdeckte Soltas Werke vor etwa 15 Jahren bei einer Spanienreise. Er war sofort begeistert, besuchte Ausstellungen und kaufte einige Gemälde. Im Jahr 2004 lud er den Maler für 14 Tage nach Göttingen ein. Die Stadt habe den Künstler so beeindruckt, dass daraus sieben Monate wurden, erinnern sich beide lächelnd. Die Beziehung zwischen Solta und Adams bezeichnet der Unternehmer als „Zusammenarbeit mit Familienanschluss“.

Damals entstanden viele Bilder der historischen Gebäude Göttingens. Außerdem erstellte Solta sein Buch „Kein stilles Leben“, in dem vor allem seine Stillleben, Landschaften, aber auch schon einige Göttinger Ansichten zu sehen sind.

Laut Experte Boetzkes vollzog der Künstler in dieser Zeit eine deutliche Abkehr von der Überlieferung der modernen Malerei. In Spanien seien die Farben, „bedingt durch das Licht“, eher weich und staubig gewesen, erläutert Adams. Seither nutze Solta sattere, grellere Töne – eine deutliche Annäherung an den deutschen Expressionismus.

Den Unternehmer fasziniert an den Bildern vor allem, dass sich die „gleichen Motive aus so vielen Blickwinkeln und Perspektiven malen lassen“. Das erzählt er, während er durch die Galerie schlendert.

Beeindruckt bleibt er vor dem Gemälde des Alten Göttinger Rathauses aus der Vogelperspektive stehen – „nicht viele kennen das Gebäude aus diesem Blickwinkel“. Der Maler berichtet, dafür sei er auf den Kirchturm der St. Johanniskirche gestiegen, habe Skizzen angefertigt und diese anschließend im Atelier umgesetzt.

Schon 2004 fasste Solta den Entschluss zu dem Buch mit den Göttinger Ansichten. Er machte Zeichnungen, die er später auf die Leinwand übertrug. Heute hat sich ein ganzer Fundus angesammelt. Seit Dezember verweilt Solta wieder in Göttingen, bis er sein Buch fertiggestellt hat. Seine Werke sind bei Dietfried Schlichting Antiquitäten und in der besagten Galerie, die zu den Immobilien der Familie Adams gehört, zu sehen.

Kuratiert wird das Buch von Unternehmer und Kunstkenner Ernst August Quensen und Manfred Boetzkes, der bereits in „Kein stilles Leben“ schrieb, die künstlerische Sichtweise Soltas sei optimistisch und fröhlich: „Dies gilt insbesondere auch für Soltas Porträts signifikanter Göttinger Architekturmonumente, die von geheimnisvollem Leben erfüllt zu sein scheinen.“

Text: Noreen Hirschfeld