©Luka Gorjup
Text von: Lea van der Pütten

Als Hotelfachkraft wird man zu einem echten Allroundtalent ausgebildet, denn man lernt fast jede Abteilung des Hotels kennen.

Schon von Weitem leuchtet einem das Dunkelrot der riesigen Hotelfassade des Freizeit In in Göttingen entgegen – und genau dort trifft man derzeit auf zwei ungewöhnliche Azubis, die weit mehr miteinander vereint, als nur derselbe Berufswunsch.

Mareike Schindler absolvierte bereits in der 9. Klasse der Beruflichen Schulen des Werra-Meißner-Kreises in Witzenhausen ein Praktikum in einem Hotel. „Das hat mir zwar gut gefallen, aber ich war damals noch sehr schüchtern und jung – und unsicher, was ich einmal werden wollte.“ Dennoch habe sie diese eine bestimmte Atmosphäre nie losgelassen. Einige Jahre später – kurz nach ihrem Abschluss der Fachhochschulreife und wieder in einem Hotel in Kassel – eröffnete sie ihren Eltern dann ihren Traum: Hotelfachfrau werden! Und mit diesem Traum blieb sie nicht allein.

Denn Emelie – ihre Zwillingsschwester – ließ sich von eben dieser Begeisterung anstecken. Nachdem auch diese ihre Fachhochschulreife erlangt und zunächst ein Jahr als Praktikantin in einem Autohaus damit zugebracht hatte, am Computer zu arbeiten und wenig mit anderen Menschen zu sprechen, war auch für sie schnell klar, dass sie sich einen kommunikativeren und teamorientierteren Beruf wünscht.

Und so bewarben sich die Zwillinge 2018 jeweils um einen Ausbildungsplatz im Hotel Freizeit In. „Allerdings hätten wir niemals gedacht, dass wir auch beide hier angenommen werden“, berichtet Mareike. „Das ist echt schön, so können wir uns gegenseitig unterstützen und haben eine Vertrauensperson direkt vor Ort“, ergänzt Emelie.

Während ihrer Ausbildung durchlaufen die beiden 19-Jährigen heute nahezu alle Abteilungen des Hotels. Im Housekeeping steht die Zimmerreinigung auf dem Programm, aber auch das Säubern des Restaurants, der Treppenhäuser und der Sanitärräume. „Jetzt sehe ich auch zu Hause Ecken, die ich vorher gar nicht so wahrgenommen habe“, erzählt Emelie. Mareike war dann etwas später als ihre Schwester im Housekeeping eingesetzt: „Das war gut, denn so konnte ich bei Fragen immer auf sie zugehen. Aber auch die Ausbilder und anderen Azubis aus den höheren Lehrjahren helfen immer gerne.“

Bisher – in ihrem ersten Lehrjahr – macht den Schwestern jedoch der Servicebereich am meisten Spaß. Darunter fällt die Betreuung der Gäste, das Eindecken der Tische, der Bar- und Thekendienst, wo sie Besteck polieren und Servietten ,brechen‘. Aber auch klassische Büroarbeit fällt an.

Zurzeit ist Mareike im Restaurant Bullerjahn in der Göttinger Innenstadt eingesetzt, das ebenfalls zur Unternehmensgruppe des Freizeit In gehört. „Catering macht mir sehr große Freude, weil man super viel mit Leuten in Kontakt kommt und die Arbeit im Team so toll ist“, sagt die um sieben Minuten ältere der beiden Geschwister und berichtet stolz, dass sie sich hier richtig eingebunden fühlt und sogar schon selbst abrechnen durfte.

In den nächsten zwei Jahren durchlaufen die Azubis dann noch die Abteilungen Rezeption, Food & Beverage (Nahrungsmittel und Getränke) sowie das Veranstaltungsmanagement – auch das Verkaufsbüro lernen die Schwestern noch kennen. Hier warten wieder neue Aufgaben. „Manchmal muss man schon ein bisschen über den eigenen Schatten springen, wenn man etwas noch nicht so gut kann“, sagt Mareike. Aber ohne Herausforderungen mache die Arbeit ja auch viel weniger Spaß. Ein paar Eigenschaften sollte man aber schon mitbringen, sagt Emelie. „Man muss flexibel sein, was die Arbeitszeiten angeht – der Schichtdienst ist schon eine Umstellung. Außerdem sollte man belastbar und kontaktfreudig sein.“ Dann mache die Arbeit am meisten Spaß.

Und Spaß hatten die Zwillinge von Anfang an, denn natürlich haben sie zunächst ordentlich für Verwirrung gesorgt – sodass sich der Cateringchef übrigens heute noch hin und wieder den Spaß erlaubt, die Schwestern beim Service in der gleichen Veranstaltung einzuplanen. So überträgt sich die gute Laune auch auf die Gäste. „Dabei kann man uns eigentlich ganz leicht auseinanderhalten“, verrät Emelie noch und lacht. „Ich trage immer einen hohen Zopf, Mareike ihren tief.“

Welche Eigenschaften sollte man mitbringen, um Hotelfachfrau zu werden?

•Teamfähigkeit/Kommunikationsfähigkeit
•Flexibilität (aufgrund der Arbeitszeiten)
•Freundlichkeit, Empathie und Aufgeschlossenheit
•ein gepflegtes Erscheinungsbild
•Stressresistenz und Belastbarkeit
•Kreativität

Was lernt eine Hotelfachfrau in der Berufsschule?
Neben den üblichen Grundfächern wie Deutsch, Englisch oder Mathe stehen insbesondere ausbildungsrelevante Inhalte auf dem Plan, wie:
• Service (Theorie und Praxis): Warenkunde, Umgang mit Gästen, Gastronomiegesetze, richtiges Eindecken der Tische …
•Küche (Theorie und Praxis): Hygienemaßnahmen, Kochen …
•Magazin: Rezepturen umrechnen, Lagerhaltung, Lieferungen

Ausbildungsgehalt

1. Lehrjahr: 630 Euro
2. Lehrjahr: 750 Euro
3. Lehrjahr: 870 Euro
Einstiegsgehalt: 1.939 Euro (brutto)